"Space Brain": Reise zum Mars könnte zu schweren Gehirnschäden führen

11. Oktober 2016, 13:30
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Kosmische Strahlung kann zu Leistungsverminderung, Gedächtnisverlust, Depression und Angstzuständen führen

Irvine – Vielleicht drückt jene Person, die eines Tages als ersten Mensch einen Fuß auf den Mars setzt, bereits irgendwo fleißig die Schulbank. Bis es aber soweit ist und diese Pioniere zu ihrer mehrmonatigen Reise durchs All aufbrechen, sollten sich Techniker noch etwas Wirksames gegen die kosmische Strahlung einfallen lassen. Denn das Teilchen-Bombardement aus dem All könnte nach Ansicht von US-Forschern dafür sorgen, dass sich künftige Astronauten bei der Rückkehr vom Roten Planeten an kaum etwas von ihrem Besuch erinnern können. Charles Limoli und seine Kollegen von der University of California in Irvine nennen das Phänomen "Space Brain", also "Weltraumhirn", und es trägt alle Kennzeichen einer schweren Demenz.

Das Team um Limoli zeigte im Experiment mit Ratten, dass hochenergetische Teilchenstrahlung langfristige signifikante Gehirnschäden verursacht, die sich in kognitiver Beeinträchtigung und Gedächtnisverlust äußert. Die in den "Scientific Reports" präsentierte Studie folgt auf eine Arbeit aus dem Vorjahr zum selben Thema, bei der bereits ein kurzfristiger Effekt der kosmischen Strahlen auf das Gehirn festgestellt wurde.

Von Gedächtnisstörung bis zu Depressionen

Die aktuellen Resultat seien allerdings wesentlich alarmierender, meint Limoli: "Das ist wahrlich keine gute Nachricht für Raumfahrer, die sich auf eine zwei- bis dreijährige Reise zum Mars und wieder zurück begeben", erklärt der Spezialist für Strahlenonkologie. "Die Auswirkungen dieser Teilchen kann während und bis lange nach dem Allflug zu einer Vielzahl an potenziellen Störungen im zentralen Nervensystem führen, darunter generelle Leistungsverminderung, Erinnerungsverlust, Angstzustände, Depression oder Beeinträchtigungen bei der Entscheidungsfindung." Viele dieser Probleme könnten sich im Lauf des restlichen Lebens sogar noch verschlimmern.

Bei ihren Untersuchungen setzten die Wissenschafter im Space Radiation Laboratory der Nasa am Brookhaven National Laboratory Ratten einer Strahlung aus ionisiertem Sauerstoff und Titan aus. Selbst sechs Monate nach dieser Bestrahlung zeigten die Versuchstiere immer noch Entzündungsherde im Gehirn und zerstörte Neuronen.

Scanns der betroffenen Nagergehirne enthüllten, dass das neurale Netzwerk vor allem durch den weitgehenden Verlust von Dentriten und Dornenfortsätzen an den Nerven beeinträchtigt wurde. Dies führte zu einer Verzögerung bei der Signalweiterleitung zwischen den Hirnzellen. Die physiologischen Veränderungen konnten durch entsprechend schlechte Ergebnisse bei Lernaufgaben der Ratten bestätigt werden.

Angstzustände im All

Als problematisch könnten sich auch beobachtete Fehler bei jenen zerebralen Mechanismen erweisen, die dafür verantwortlich sind, unangenehme Erlebnisse zu verarbeiten. "Defizite in diesem Bereich können dazu führen, dass man zu vermehrten Angstzuständen neigt", meint Limoli. Auf einem Drei-Jahres-Tripp zum Mars wäre das nicht gerade wünschenswert. (red, 11.10.2016)

  • Ohne ausreichenden Schutz gegen kosmische Strahlung hinterlässt ein Besuch auf dem Mars bei den Astronauten womöglich keine bleibenden Erinnerungen – vorausgesetzt, man schafft es mit einer schweren Demenz überhaupt soweit.
    foto: nasa/pat rawlings, saic

    Ohne ausreichenden Schutz gegen kosmische Strahlung hinterlässt ein Besuch auf dem Mars bei den Astronauten womöglich keine bleibenden Erinnerungen – vorausgesetzt, man schafft es mit einer schweren Demenz überhaupt soweit.

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