Warum explodieren Akkus?

11. Oktober 2016, 17:10
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Wieso können Akkus plötzlich in Flammen aufgehen, und was kann man dagegen tun? Antworten zur Samsung-Pannenserie

Frage: Warum fangen Akkus an zu brennen oder explodieren?

Antwort: Bei einem Kurzschluss, Überhitzung oder Überladung sowie durch eine mechanische Beschädigung nach einem Sturz kann es zum "thermischen Durchgehen" des Akkus kommen. Das kann nicht mehr gestoppt werden. Auch das Eindringen von Wasser kann Akkus beschädigen. Im Extremfall können spontane Reaktionen wie ein Brand des Geräts oder eine Art Explosion die Folge sein.

Frage: Was ist beim Samsung Note 7 der Grund?

Antwort: Die Ursache ist offiziell noch nicht bekannt. Samsung untersucht die Vorfälle noch. Die in modernen Smartphones und Laptops eingesetzten Lithium Ionen Akkus haben aufgrund brennbarer Bestandteile ein höheres Risiko, in Flammen aufzugehen. Im Gegensatz zu andere Akku-Technologien können sie jedoch mehr Energie speichern. Die US-Konsumentenschutzbehörde hatte zunächst vermutet, dass die beim Note 7 eingesetzten Akkus zu groß für das Gehäuse waren und daher der Druck zu hoch war. Das erklärt allerdings nicht, wieso auch Ersatzgeräte in Flammen aufgegangen sind, bei denen Akkus eines anderen Herstellers zum Einsatz kommen. Die Ursache könnte auch anders gelagert sein, und etwa bei der Ladeelektronik des Geräts liegen.

Frage: Was sollte ich mit meinem Note 7 jetzt tun?

Antwort: Samsung rät Kunden, das Gerät auszuschalten und nicht mehr zu verwenden. Der Hersteller nimmt alle bereits verkauften Smartphones zurück und bietet stattdessen den Kaufpreis retour oder als Alternative ein anderes Modell an. Weitere Informationen dazu will der Hersteller in Kürze bekannt geben.

Frage: Wie sollte man sich verhalten, wenn ein Gerät mit Akku plötzlich sehr heiß wird?

Antwort: Wenn es nicht reicht, Prozesse oder Apps im Hintergrund zu beenden und das Gerät neu zu starten, sollte es vorrübergehend komplett abgeschaltet werden. Wenn es sehr heiß wird, sodass man es nicht mehr angreifen kann, sollte es auf eine nicht brennbare Unterlage gelegt und beobachtet werden. Im Idealfall, trägt man es ins Freie. Es in den Kühlschrank zu legen, ist nicht empfehlenswert, da es dort unbeobachtet ist und diesen eventuell beschädigen kann.

Frage: Kann man selbst etwas tun, um Akkus zu schützen?

Antwort: Auf jeden Fall sollte man äußere Hitzeeinwirkung vermeiden. Smartphones oder Laptops sollten beispielsweise nie in der prallen Sonne verwendet werden. Bei einem Sturz sollte man das Gerät auf äußere Beschädigungen und Risse untersuchen. Findet man einen Riss im Gehäuse oder bei austauschbarem Akku sogar dort, sollte man das Gerät auf jeden Fall fachlich untersuchen lassen.

Frage: Kann ich selbst prüfen, ob der Akku noch in Ordnung ist?

Antwort: Ab dem Moment, ab dem ein Akku nach der Produktion aktiviert wird, baut er ab. Für einen Nutzer ist der Zustand schwer festzustellen. Bei Mobiltelefonen und Laptops kann man die "Gesundheit" der Batterie mit Apps feststellen. Sollte der Akku kurz nach Kauf des Geräts und nicht erst nach einigen Jahren der Nutzung immer schneller entladen, sollte man das Gerät überprüfen lassen.

Frage: Gibt es Technologien, die Lithium-Ionen-Akkus bald ablösen werden?

Antwort: Es wird vor allem daran geforscht, derartige Probleme bei Lithium-Ionen-Akkus früh zu erkennen und zu verhindern. Dazu gehören etwa Zellüberwachung, Überladeschutz und Stromunterbrechung. Aufgrund der hohen Speicherdichte von Lithium-Ionen-Akkus werden sie vermutlich noch in den kommenden Jahrzehnten eingesetzt, die die Anforderung an die Laufzeit sehr hoch sind. Gleichzeitig wird an nicht brennbaren Elektrolyten und Flammhemmern geforscht. Bei großformatigen Batterien gibt es bereits sogenannte "Shut Down Separatoren", durch die ein Akku auch bei sehr hohen Temperaturen noch funktionsfähig bleibt. Zudem handelt es sich trotz der aktuellen Pannenserie bei Samsung um Einzelfälle, im Vergleich dazu wie viele Akkus derzeit im Umlauf sind. 2015 sollen es etwa sieben Milliarden gewesen sein. (Birgit Riegler, 10.10.2016)

Die Antworten wurden mithilfe von Atanaska Trifonova, Principal Scientist and Thematic Coordinator Battery Technologies, Business Unit Electric Drive Technologies am AIT Mobility Department sowie Hermann Kronberger vom Institut für Chemische Technologien und Analytik der TU Wien erstellt.

Nachlese

Eingestellt: Samsung beerdigt das Galaxy Note 7 endgültig

  • Samsung Note 7 bei Tests des Applied Energy Hub Akkuforschungslabor in Singapur.
    foto: reuters/edgar su

    Samsung Note 7 bei Tests des Applied Energy Hub Akkuforschungslabor in Singapur.

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