Österreichischer Buchpreis: Mayröcker auf der Shortlist

11. Oktober 2016, 10:41
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Fünf Nominierte haben Chancen auf die Auszeichnung, die am 8. November erstmals vergeben wird

Wien – Gut einen Monat nach der Bekanntgabe der zehn Titel umfassenden sogenannten Longlist steht nun auch die auf fünf Bücher reduzierte Shortlist für den heuer zum ersten Mal vergebenen Österreichischen Buchpreis fest.

Fünf Autoren beziehungsweise deren neue Bücher hat die Jury – Klaus Amann (Germanist), Sandra Kegel ("FAZ"), Kurt Reissnegger (Ö1), Rotraud Schöberl (Buchhandlung Leporello) und Brigitte Schwens-Harrant ("Die Furche") – nominiert. Jene sind Sabine Grubers Roman "Daldossi oder Das Leben des Augenblicks" (C. H. Beck) über einen Kriegsfotografen, Peter Henischs "Suchbild mit Katze" (Deuticke), eine Kindheitserzählung aus dem Wien der Nachkriegszeit, Anna Mitgutschs Roman über eine späte "Annäherung" (Luchterhand) einer Pensionistin und ihres 96-jährigen Vaters, außerdem der Gedichtband "fleurs" (Suhrkamp) von Friederike Mayröcker und ein poetisch-essayistisches sowie zeichnerisch aufbereitetes Werk über Flucht und Neuanfang: "Die Auswandernden" (Starfruit Publications) von Peter Waterhouse und Nanne Meyer.

120 Einreichungen

Mit den rund 120 Büchern, die für den Buchpreis und den Debütpreis eingereicht wurden, haben die Verlage die Erwartungen schon mengenmäßig übertroffen. Klingende Namen wie Michael Köhlmeier ("Das Mädchen mit dem Fingerhut"), Kathrin Röggla ("Nachtsendung") und der auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises geführte Reinhard Kaiser-Mühlecker ("Fremde Seele, dunkler Wald", S. Fischer) haben es nicht in die Endauswahl geschafft. "Seit wir die Longlist veröffentlicht haben, wird uns ständig gesagt, welche falschen Bücher drauf und welche richtigen nicht drauf sind", erzählte Brigitte Schwens-Harrant, Mitglied der fünfköpfigen Buchpreis-Jury.

Debütpreis

Wer die Auszeichnung gewinnt, wird zum Auftakt der Buch Wien am 8. November bekanntgegeben. Dem Sieger winken 20.000 Euro, den vier anderen Finalisten je 2.500 Euro.

Am selben Abend wird der ebenfalls zum ersten Mal ausgeschriebene Debütpreis vergeben, hier gehen an den Sieger 10.000, an die zwei weiteren Finalisten je 2.500 Euro. Die Shortlist dafür stand bereits seit längerem fest: Sacha Batthyanys "Und was hat das mit mir zu tun?" (Kiepenheuer & Witsch), in dem sich der Schweizer Journalist an die Spuren seiner Großtante heftet, die in das Kriegsverbrechen im burgenländischen Rechnitz verstrickt war, findet sich darauf, außerdem Friederike Gösweiners "Traurige Freiheit" (Droschl) über eine Generation zwischen Praktikum und Prekariat und Katharina Winklers "Blauschmuck" (Suhrkamp), die wahre Emigrationsgeschichte einer jungen Frau aus Anatolien nach Mitteleuropa.

"Schöner Einblick" für Drozda

Für Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ), der den Nominierten per Aussendung gratulierte, handelt es sich um "eine Auswahl, die von poetischer Prosa über hochreflexives Erzählen bis hin zu versierten Romanciers führt". Die neue Shortlist ermögliche "in dieser Zusammenstellung einen schönen Einblick in die Vielfalt der österreichischen Gegenwartsliteratur". Ausgerichtet wird der Buchpreis vom Bundeskanzleramt der Republik Österreich, dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels sowie der Arbeiterkammer Wien. (steg, APA, 11.10.2016)

  • Unzählige Literaturpreise nennt die 91-jährige Friederike Mayröcker schon ihr Eigen. Jetzt könnte der erste Österreichische Buchpreis dazukommen.
    foto: regine hendrich

    Unzählige Literaturpreise nennt die 91-jährige Friederike Mayröcker schon ihr Eigen. Jetzt könnte der erste Österreichische Buchpreis dazukommen.

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