Großbritannien wirft Terrorverdächtigem HTTPS-Nutzung vor

11. Oktober 2016, 09:55
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Einer der Anklagepunkte sorgt für Verblüffung unter IT-Experten – Alltägliche Tools werden zum Vorwurf

Gerade im vergangenen Jahr ist die Auseinandersetzung um die Nutzung von Verschlüsselungstechnologien wieder neu aufgeflammt. Zum Teil treibt die Diskussion dabei etwas seltsame, und wenig faktenbasierte Blüten, die britischen Strafverfolgungsbehörden liefern nun aber einen an Absurdität schwer zu überbietenden Fall, wie Golem berichtet.

Vorwurf

Einem 33-jährigen Terrorverdächtigen wird in Großbritannien die Nutzung von Verschlüsselungstechnologien vorgeworfen. Einer der konkreten Anklagepunkte lautet dabei "Vorbereitung von Terrorismus", unter dem sich wiederum gar wundersame Vorwürfe finden: Der Beschuldigte soll nach einem Verschlüsselungsprogramm gesucht haben, dieses dann zum Schutz seines Blogs genutzt und eine entsprechende Anleitung veröffentlicht haben.

HTTPS

Das Problem dabei: Es geht im konkreten Fall um simple HTTPS-Verschlüsselung wie sie von Facebook bis zur NSA mittlerweile millionenfach zur Absicherung der Datenkommunikation zwischen Webseite und dem Browser der Nutzer eingesetzt wird. Damit wird verhindert, dass beliebige Personen mit Zugriff auf die Datenverbindung sensible Informationen – etwa Passwörter oder Login-Daten – abgreifen und sich als andere Person ausgeben können. Unternehmen wie Google drängen seit Jahren darauf, die gesamte Kommunikation im Web auf diese Weise zu schützen.

Zweifelhaftes Vorgehen

Auch wenn unklar ist, wie stichhaltig die restlichen Beweise der Strafverfolgungsbehörden sind – so wird dem Verdächtigen auch vorgeworfen, sein Wissen der Terrororganisation IS angeboten zu haben – ist der Vorfall durchaus besorgniserregend. Immerhin wird hier die Kontroverse über Verschlüsselung genutzt, um aus grundlegenden Sicherheitsmaßnahmen strafrechtlich relevante Vorwürfe zu machen. (red, 11.10.2016)

  • Die Untersuchung gegen den 31-Jährigen wurde von New Scotland Yard geleitet.
    foto: stefan wermuth / reuters

    Die Untersuchung gegen den 31-Jährigen wurde von New Scotland Yard geleitet.

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