Putin will Ölproduktion drosseln

11. Oktober 2016, 10:42
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Russischer Präsident überrascht mit Ansage bei Istanbuler Weltenergiekongress

Istanbul/Athen – Der russische Staatschef Wladimir Putin hat seine Zuhörer beim Weltenergiekongress in Istanbul mit der Ankündigung überrascht, die Ölproduktion drosseln zu wollen. Das sei wohl "die einzig richtige Entscheidung", erklärte Putin mit Blick auf den Verfall der Erdölpreise.

Die Opec-Länder, denen Russland nicht angehört, hatten sich Ende September auf eine solche Drosselung geeinigt. Sie wollen das tägliche Produktionsvolumen auf 32,5 bis 33 Millionen Barrel (je 159 Liter) beschränken. Der offizielle Beschluss soll am 30. November beim nächsten Treffen der Opec in Wien gefasst werden.

Marktbeobachter zeigten sich verwundert über Putins Ankündigung. Russland, das erhebliche Einbußen durch den niedrigen Ölpreis hinnehmen muss, erhöhte nämlich dieses Jahr seine Produktion und steuert die Rekordmenge von 545 Millionen Tonnen (3,9 Mrd. Barrel) Öl an.

Auch der Chef des größten russischen Ölkonzerns Rosneft reagierte ablehnend. Sein Unternehmen werde sich nicht an einer entsprechenden Vereinbarung zwischen den Opec-Staaten und Ölförderländern außerhalb des Kartells beteiligen, sagte Igor Setschin am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. "Warum sollten wir das tun?" Rosneft steuert etwa zwei Fünftel zur gesamten Fördermenge Russlands bei.

Putins Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Tayyip Erdogan setzt die Normalisierung in den Beziehungen beider Länder fort. Erdogan hatte sich vergangenen Juni für den Abschuss einer russischen Militärmaschine im türkisch-syrischen Grenzgebiet entschuldigt. In seiner Rede beim Energiekongress verteidigte Erdogan die Intervention der türkischen Armee in Syrien und die umstrittene Militärpräsenz im Irak. Die Türkei habe das Recht, dort wie im eigenen Land den Kampf gegen den Terrorismus zu führen, erklärte Erdogan.

Vertrag für Turkish Stream

Nun – im Zeichen der neu entdeckten Partnerschaft – haben Erdogan und Putin den Bau der lange geplanten Gaspipeline Turkish Stream vertraglich besiegelt. Die Energieminister beider Länder unterzeichneten am Montagabend in Istanbul in Anwesenheit der beiden Staatschefs ein entsprechendes Regierungsabkommen. (mab, red, 10.10.2016)

  • Verhältnis repariert: Tayyip Erdoğan (links) und Wladimir Putin.
    foto: apa/afp/ozer

    Verhältnis repariert: Tayyip Erdoğan (links) und Wladimir Putin.

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