Wie sich Frauengehirne im Laufe des Zyklus verändern

11. Oktober 2016, 07:00
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Das Volumen des Hippocampus schwankt mit Hormonen. Das könnte Verhaltens- und Gefühlsänderungen erklären – und die Prämenstruelle Dysphorie

Leipzig/Wien – Während des Menstruationszyklus kommt es bei Frauen zu hormonellen Schwankungen, die nicht nur mit der Fruchtbarkeit in Verbindung stehen. Auch das Verhalten und die Stimmung sind regelmäßigen Veränderungen unterworfen: Wie Studien zeigten, verändern sich nicht nur die Leistungen im Sport, sondern womöglich auch die Kooperationsbereitschaft oder bestimmte geistige Leistungen.

Ein Team um Claudia Barth (Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig) hat sich nun auf die Suche nach möglichen neuroanatomischen Veränderungen gemacht, die mit den monatlichen Hormonschwankungen einhergehen – und ist im sogenannten Hippocampus fündig geworden.

Hormone beeinflussen Hippocampus

Diese Hirnstruktur ist nach dem wissenschaftlichen Namen des Seepferdchens benannt, weil sie den Meeresbewohnern ziemlich ähnlich sieht, und ist für Gedächtnis, Stimmung und Emotionen besonders wichtig. Barth und ihre Kollegen haben für ihre Studie im Fachblatt "Scientific Reports" untersucht, ob und wie sich die Größe des Hippocampus im Laufe des Zyklus verändert – und machten eine erstaunliche Entdeckung.

Aufnahmen mittels Magnetresonanztomografie zeigten nämlich, dass parallel zum ansteigenden Östrogenspiegel bis zum Eisprung auch das Volumen des Hippocampus zunimmt, und zwar "sowohl das seiner grauen als auch seiner weißen Substanz", wie Barth erklärt. Mit anderen Worten: Der schwankende Hormonspiegel verändert tatsächlich in erstaunlicher Regelmäßigkeit die Struktur zumindest dieser Region des Gehirns.

Schlüssel zu Verhaltensänderungen?

Barth und ihr Team wollen mit diesen neuen Erkenntnissen zum einen den neurowissenschaftlichen Zusammenhängen der sogenannten Prämenstruellen Dysphorie auf die Spur kommen, unter deren schweren Symptome jede zwölfte Frau leidet. Zum anderen erhoffen sie sich neue Aufschlüsse darüber, ob und wie diese anatomischen Veränderungen tatsächlich auch zu Verhaltensänderungen führen könnten. (tasch, 10.10.2016)

  • Die Größe des Hippocampus (hier im Bild gelb) schwankt bei Frauen im Gleichklang mit hormonellen Veränderungen.
    istock

    Die Größe des Hippocampus (hier im Bild gelb) schwankt bei Frauen im Gleichklang mit hormonellen Veränderungen.

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