China will Kühe aus Neuseeland importieren

11. Oktober 2016, 09:39
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Um die Milchproduktion anzukurbeln und das Image bei chinesischen Kunden zu verbessern, soll Lebendvieh aus Übersee eingekauft werden

Weinan/Wien – Der chinesische Markt für Milch- und Milchprodukte ist heiß umkämpft. Das Bemühen von Exportländern, ihre Milchüberschüsse dort abzusetzen, könnte bald noch schwieriger werden. "Wir sind bemüht, künftig Milchprodukte mit hoher Qualität zu liefern", kündigte der Bürgermeister von Weinan, Li Mingyuan, kürzlich vor einer Gruppe des Österreichischen Journalistenclubs an.

30.000 Kühe aus Neuseeland wird Li in die Zentralprovinz Shaanxi importieren; andere Provinzen dürften folgen. Mit dem Schachzug könnte sich China von den ständigen hohen Importnotwendigkeiten befreien. Und gleichzeitig der Milchbranche die dringend notwendige Imagepolitur verpassen.

Noch immer im Imagetief

Denn chinesische Milch gilt in China nicht viel; jedenfalls weniger als ausländische. Das hängt damit zusammen, dass es 2008 einen Babymilchskandal gab, bei dem melaminverseuchte Milch einige Kleinkinder das Leben kostete. Seither bevorzugen chinesische Eltern importierte Babymilchprodukte.

Aber auch Erwachsene greifen gern zur Auslandsware. Ein Preisvergleich wird leichtgemacht und fällt durchaus zugunsten der ausländischen Ware aus: Im Onlineshop Alibaba wird H-Milch des Milchproduzenten Meng Niu (das steht für "innermongolische Kuh") ebenso angeboten wie die Haltbarmilch des oberösterreichischen Produzenten Schärdinger, Formil. Zwölf Packungen à einen Liter Formil kosten da 79,90 Yuan, etwa zehn Euro. Zwölf Viertelliterpackungen einer chinesischen Milch kosten 65 Yuan. Die chinesische Milchindustrie müsse moderner und effizienter werden, sagen deshalb viele Chinesen offen. Auch laktosefreie Milch und Milchprodukte werden online häufig angeboten, leiden doch zwischen 75 und 90 Prozent aller Chinesen an einer Milchzuckerunverträglichkeit.

Die für viele EU-Hersteller enttäuschende Zurückhaltung der Chinesen beim Milchimport habe sich in den letzten Monaten gelockert, erläutert Christian Jochum, Experte der Landwirtschaftskammer. "Seit Sommer haben die chinesischen Importe wieder angezogen." Das sei auch der Grund gewesen, weshalb die von Niedrigpreisen gebeutelte EU-Milchindustrie wieder etwas höhere Preise erzielen kann.

Ob das so bleibt, ist fraglich. 15 Prozent der EU-Milchleistung müssen mittlerweile in Drittländern abgesetzt werden. Und um den chinesischen Markt, den größten Abnehmer von Milchprodukten weltweit, buhlen auch Neuseeland und Australien. (Johanna Ruzicka, 11.10.2016)

  • Die neuseeländische Milchproduktion ist hocheffizient und hat auf dem chinesischen Markt einen exzellenten Ruf.
    foto: reuters/marple

    Die neuseeländische Milchproduktion ist hocheffizient und hat auf dem chinesischen Markt einen exzellenten Ruf.

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