Leise rieselt der Schmäh

11. Oktober 2016, 18:09
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Der größte Skiverbund Österreichs, Ski amadé, erhöht die Ticketpreise auf 50 Euro und will mit Investitionen, aber auch Gadgets den Gästeeinbruch durch den Brexit abfedern

Wien – "Man kann nicht jedes Jahr ein Rekordjahr haben", sagt der Geschäftsführer von Österreichs größtem Skiverbund Ski amadé, Christoph Eisinger. Trotzdem sind die vergangenen Zahlen nicht Schnee von gestern: So will man den Umsatz, verteilt auf fünf Regionen und 25 Skiorte, heuer um ein bis zwei Prozent auf 227 Millionen Euro steigern. Von allein geht das nicht, weiß auch Eisinger.

Und so sind in der heurigen Wintersaison neben der wiederauferstandenen Ladies-Week und Spielereien und Gadgets wie der Datenskibrille, die per GPS durch die Region navigiert, auch Investitionen von knapp 58 Millionen Euro geplant. Etwas mehr als die Hälfte davon geht mittlerweile in Beschneiungsanlagen, ein Resultat der schneearmen Winter der vergangenen Jahre. So können laut Ski amadé 90 Prozent der 760 Pistenkilometer maschinell beschneit werden. Allerdings wurde in den letzten beiden Jahren bei den Investitionen ordentlich zurückgeschraubt: Waren es 2013/14 noch 70 Millionen Euro, so schlugen danach nur 47 Millionen beziehungsweise 44 Millionen zu Buche.

Weniger Gäste aus Russland

Trotz einiger zu erwartender negativer Effekte ist der Ausblick halbwegs optimistisch. Primäres Ziel sei es, die Resultate vom Vorjahr annähernd zu halten. Das heißt, an die 7,26 Millionen Nächtigungen und 2,8 Millionen verkauften Skitickets anzuschließen. Fragezeichen gibt es bezüglich der Auswirkungen des Brexit, verbunden mit der Wechselkursentwicklung des britischen Pfund, aber auch bei der Zahl der Gäste aus Russland. Gerade bei diesen ist der Einbruch bereits zu spüren. Lag ihr Anteil in den vergangenen Jahren noch bei 2,6 Prozent, rechnet man für heuer mit höchstens 0,9 Prozent. Auch die Entwicklung des Anteils der Briten verheißt wenig Gutes. Der lag im Vorjahr bei 2,6 Prozent und könnte um bis zu 20 Prozent zurückgehen, so Eisinger. Dazu kommt der späte Ostertermin Mitte April.

Deutsche kommen wieder

Positiv wiederum erweist sich der Trend zum "Urlaub in der Nähe", der eine steigende Nachfrage von Gästen aus Mitteleuropa erwarten lässt. Gerade Gäste aus Deutschland erlebten seit vergangenem Jahr ein "Revival", ausbleibende Besucher würden aber auch durch Urlauber aus den Benelux-Staaten, Skandinavien und Zentral- und Osteuropa (mit Ausnahme von Russland und der Ukraine) kompensiert werden, hofft man bei Ski amadé.

Der Preis für die Tageskarte wird erstmals im Schnitt auf 50 Euro angehoben. Ermäßigungen für Studenten, Senioren und Familien gibt es. Die Ladies-Week kehrt in geänderter Form zurück, nachdem diese vor zwei Jahren wegen Diskriminierung von Männern von der Gleichbehandlungsanwaltschaft untersagt worden war. Zusätzlicher Spaßfaktor soll die weiterentwickelte Datenbrille sein, die den Skifahrer unter anderem über den Zustand von Pisten, das Wetter und den Liftstatus informiert. Und wer will, lässt mittels Guide-App seine Kalorien zählen. (ch, 11.10.2016)

  • Leise rieselt der Schmäh: Pistengaudi braucht nicht nur Millioneninvestitionen in Beschneiungsanlagen, sondern auch neue Spaßangebote – etwa die GPS-gesteuerte Datenskibrille.
    foto: apa

    Leise rieselt der Schmäh: Pistengaudi braucht nicht nur Millioneninvestitionen in Beschneiungsanlagen, sondern auch neue Spaßangebote – etwa die GPS-gesteuerte Datenskibrille.

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