So ein Schaum: Zahnpasta infrage stellen

Kolumne11. Oktober 2016, 07:00
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Wer will denn Chemie in den Mund lassen, wenn Zähneputzen total ökologisch ablaufen kann – ein Selbstversuch mit Birkenzucker

Ich will umweltbewusst sein. So wenig wie möglich Chemie in mein Leben lassen. Weniger Auto, mehr Öffis. Eher reparieren als neu kaufen. Biologisches Essen und umweltverträgliche Putzmittel und Kosmetika kaufen: Das funktioniert, geht ganz ökologisch.

Interessanterweise habe ich beim Zähneputzen noch nie über die Umweltverträglichkeit nachgedacht. Obwohl doch gerade der Mund schon fast das Innere des Körpers ist! Ich gebe zu: Ich gehe nie ohne Zähneputzen ins Bett. Wenn ich träume, dass ich es vergessen haben könnte, wache ich total panisch auf. Nicht Zähneputzen bedeutet Karies, Wurzelbehandlung, Zahnbrücken, Implantate. Alles sehr teuer.

Ohne Zahnpasta geht das nicht. Was alle tun: Sie unterstützen die mechanische Reinigung, enthalten diverse Schaumbildner (Natriumlaurylsulfat), Netz- und Feuchthaltemittel (Sorbitol), Geschmacks- und Aromastoffe und Konservierungsmittel.

Und genau darauf kann man verzichten. Vor Kurzem kam eine neue dänische Marke in die Drogeriemärkte. Den lustigen Namen Urtekram merkt man sich und Zahnpasta gibt es auch im Sortiment. Ich putze also mit Mint & Green Tea. Ist ziemlich flüssig, rinnt schnell aus der Tube (man verbraucht viel), schmeckt aber hervorragend. Allein: nahezu kein Schaum.

Aus der Birkenrinde

Ich gebe zu: Zähneputzen und Schaum scheinen in meinem Gehirn untrennbar verbunden. Bürsten ohne Schaum ist so, also ob der Reinigungseffekt ins Leere ginge. Aber zugegeben: Es fühlt sich im Nachhinein sauber an. Die Dänen verwenden Birkenzucker. Schmeckt süß, ist aber kein Zucker, macht aber den Mundinnenraum basisch.

Noch radikaler ist das Konzept von Zahnkreide. Sie kommt in einem kleinen Glastöpfchen, das am Waschbeckenrand Stellung bezieht. Dorthinein drückt man die Bürste. Mit ein bisschen Wasser löst sich die Kreide auf. Ist also in keinem Moment sandig. Und auch diesmal wieder: Fühlt sich gut, aber ungewohnt an, vor allem was die Innenseite der Zähne betrifft. Frische passt.

Ob man sich an den Nicht-Schaum gewöhnt? Ja, sagt der Herr der Herstellerfirma, die mit Birkenzucker, Xylit der Fachbegriff, Geschäfte macht. Es dauere zirka zwei Wochen, bis man sich an die Kreide gewöhnt hat. Der klassische Zahnkreidekunde habe aber ohnehin vorher meist schon Erfahrung mit nicht-schäumenden Pasten gemacht.

Schaumloses Putzen könnte also eine Art Lebenseinstellung werden. Ich stehe am Anfang und bin neugierig, wie sich meine umweltbewusste Putzkarriere weiterentwickeln wird. Der Schaum hat ausgeträumt. (Karin Pollack, 11.10.2016)

  • Zähne zusammenbeißen und mit Zahnkreide putzen – Xylit als Zahnpastaalternative.
    foto: istockphoto

    Zähne zusammenbeißen und mit Zahnkreide putzen – Xylit als Zahnpastaalternative.

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