Karibisches Bakterium wirft Annahme der Zellbiologie über den Haufen

10. Oktober 2016, 17:01
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Längs statt quer: Wiener Forscher entdeckten einen Fadenwurm-Symbionten, der sich anders teilt als von Stäbchenbakterien gemeinhin angenommen wird

Wien – Lehrbuchgemäß teilen sich Stäbchenbakterien stets quer durch die Mitte, indem sie gleichmäßig von einer ringförmigen Struktur eingeschnürt werden. Doch aktuelle Forschungsergebnisse werfen dieses alte Dogma der Zellbiologie um: Wiener Wissenschafter haben bei Mikroben aus der Karibik eine andere Teilung gefunden. Der bakterielle Symbiont des Meeres-Fadenwurms Robbea hypermnestra spaltet sich längs – sein Einschnür-Ring ist auf Fragmente reduziert, wie es aktuell in "Nature Microbiology" heißt.

Diese schmalen, stäbchenförmigen Bakterien leben symbiontisch auf Würmern in der Karibik, sie bedecken deren Oberfläche wie Stacheln einen Igel. Bevor sie sich teilen, wachsen sie zunächst etwas in die Breite, fanden die Forscher um Silvia Bulgheresi vom Department für Ökogenomik und Systembiologie der Universität Wien heraus. Dann entsteht eine Einschnürung auf jener Längsseite, die den Wirt berührt, und wenig später auf der nach außen stehenden Seite.

Bindung an den Wirt

"Wir vermuten, dass diese Art der Teilung sich entwickelt hat, um beiden Tochterzellen eine feste Bindung zum Wurm zu ermöglichen, so Bulgheresi. Denn wenn die Bakterien quer abgeschnürt würden, bliebe nur eine der beiden Tochterzellen am Wirt verankert. Die andere würde höchstwahrscheinlich in den Ozeans fortgespült, wo sie kaum jemals wieder auf einen gleichartigen Wurm treffen würde.

Ungewöhnlich ist auch, dass bei den karibischen Wurmsymbionten nicht ein durchgehender Ring des Zellteilungsproteins "FtsZ" (Z-Ring) für das Abschnüren der Tochterzellen sorgt, wie es bei allen bisher untersuchten Bakterienzellen der Fall war. Bei ihnen gibt es FtsZ nur fragmentarisch an den jeweiligen Teilungsstellen, berichten die Wissenschafter.

Weil diese Mikroben nicht im Labor für eine "Reinkultur" gezüchtet werden können, haben sie auch noch keinen eigenen Namen bekommen, sagte Bulgheresi. Sie tragen vorerst die Bezeichnung "Symbiont des Fadenwurms Robbea hypermnestra". (APA, 10.10.2016)

  • Elektronenmikroskopische Aufnahme: Robbea hypermnestra-Symbionten an der Oberfläche eines Fadenwurms.
    foto: nikolaus leisch/nature microbiology

    Elektronenmikroskopische Aufnahme: Robbea hypermnestra-Symbionten an der Oberfläche eines Fadenwurms.

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