NS-Juristen dominierten deutsches Justizressort nach 1945

10. Oktober 2016, 14:23
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90 von 170 führenden Juristen waren NSDAP-Mitglieder, wie eine neue Studie zeigt

Berlin – Im Nachkriegsdeutschland waren viele Führungspositionen von früheren NSDAP-Mitgliedern besetzt, das gilt für alle Bereiche des Staates. Besonders hoch war die Anzahl ehemaliger Nationalsozialisten jedoch im Justizministerium: Von 170 Juristen, die sich zwischen 1949 und den frühen 1970er Jahren in Leitungspositionen befanden, gehörten 90 einst der NSDAP an, wie die frühere Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger am Montag im Deutschlandfunk sagte.

34 Personen zugleich SA-Mitglieder gewesen. Leutheusser äußerte sich anlässlich der Vorstellung der Studie "Akte Rosenburg" zum Umgang mit der NS-Vergangenheit im Justizministerium, die sie in Auftrag gegeben hatte. Die Studie wird von ihrem Nachfolger Heiko Maas (SPD) am Montag in Berlin vorgestellt.

NS-Juristen als Familienrichter

"Es gab sehr große Kontinuitäten", sagte die frühere Ministerin. Viele der nach dem Krieg leitenden Juristen des Hauses hätten während der NS-Zeit als Richter bei Sondergerichten gewirkt und seien damit als Schreibtischtäter verantwortlich für Todesurteile. Später hätten sie als Abteilungsleiter, Unterabteilungsleiter oder Referatsleiter im deutschen Justizministerium gearbeitet. So sei etwa ein Mitarbeiter, der an den NS-Rassengesetzen mitgewirkt habe, später für Familienrecht zuständig gewesen.

Die an der Untersuchung beteiligten Wissenschafter zeigten sich überrascht von der hohen Anzahl der ehemaligen NSDAP-Mitglieder in hohen Positionen des Ministeriums. Die Spitze sei 1957 erreicht worden, sagte der Leiter der Historiker-Kommission, der Rechtswissenschafter Christoph Safferling, der "Süddeutschen Zeitung".

"Damals waren 77 Prozent der leitenden Beamten ehemalige NSDAP-Mitglieder, vom Referatsleiter aufwärts." Dass die Zahl so hoch sein würde, habe man nicht erwartet. "Wie sich zeigt, war die NS-Belastung im Justizministerium womöglich die höchste unter allen Bonner Ministerien." (APA, red, 10.10.2016)

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