AK warnt vor vernetzten Autos als Datensammler

10. Oktober 2016, 12:31
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AK: Viele Daten- und konsumentenschutzrechtliche Fragen offen

Die Arbeiterkammer Wien (AK) hat in einer Pressekonferenz am Montag in Wien vor vernetzten Autos als Datensammler gewarnt. Autos liefern auch teilweise jetzt schon massenhaft Fahrerdaten an die Hersteller. Durch die zunehmende Digitalisierung von Fahrzeugen bleiben viele Daten- und konsumentenschutzrechtliche Fragen offen.

"Viele Assistenzsysteme überwachen bereits jetzt täglich die Fahrt"

Eine Studie des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) im Auftrag der AK analysierte das Thema "'Vernetzte Automobile' – was heißt das für KonsumentInnen, ihre Privatsphäre und den Datenschutz?" "Viele Assistenzsysteme überwachen bereits jetzt täglich die Fahrt", berichtete Jaro Krieger-Lamina vom ITA. "Wirklich gläsern werden Autofahrer aber spätestens mit der erwarteten Umstellung auf fahrerlose Autos, wenn es gar keinen Weg mehr gibt, dem Datensammeln zu entkommen", sagte der Experte. Kartendaten zur Routenberechnung und Verkehrslage werden heruntergeladen, Sonsordaten über den Autostand erzeugt, Smartphones eingebunden, Daten über das Fahrverhalten gespeichert. "Bald werden auch Daten mit anderen Autos ausgetauscht, mit Versicherungen, Pannendiensten oder Werkstätten. Es lassen sich präzise Bewegungsprofile erstellen, die viel über die Lebensgewohnheiten verraten", sagte Krieger-Lamina.

"Innovationen sollen vorangetrieben werden, dabei dürfen aber Verbraucherrechte nicht auf der Strecke bleiben"

Manche Hersteller würden sich die Datennutzung durch Zusätze beim Kaufvertrag von Konsumenten genehmigen lassen. "Konsumenten müssen sich bewusst werden, dass hier Datenfallen lauern. Bei so viel Datensammelwut gerät die Privatsphäre in Bedrängnis", warnte AK-Datenschutz-Expertin Daniela Zimmer. "Innovationen sollen vorangetrieben werden, dabei dürfen aber Verbraucherrechte nicht auf der Strecke bleiben", sagte Zimmer. "Konsumenten sind chancenlos, bei dem Versuch, Herr ihrer Daten zu bleiben", konstatierte Zimmer.

Welche Daten zu welchem Zweck erhoben werden, sei völlig intransparent. Ein Test des deutschen Autofahrerclubs ADAC ergab beispielsweise, dass bei den überprüften BMW-Modellen die letzten 100 Abstellpositionen aus dem Steuergerät auslesbar sind. Beim Renault Zoe wiederum kann per Mobilfunkverbindung das Laden der Antriebsbatterie unterbunden werden. Auch aus unverfänglichen Daten, wie beispielsweise der Gurtstrafung, lässt sich auf die Fahrweise schließen, in dem Fall etwa auf abrupte Bremsmanöver, warnten die Experten.

"Das Recht, offline zu sein"

Derzeit sei der Umstiegsprozess von Mechanik auf dominierende Elektronik im Gange, erläuterte Gabriele Zgubic, Leiterin der AK Wien Konsumentenpolitik. Aktuell könne sich, wer wolle, noch im analogen Zeitalter bewegen. Auch in Zukunft müssten Verbraucher weiterhin Wahlfreiheit haben, "das Recht, offline zu sein", sagte Zimmer. Die Expertin warnte auch vor der Möglichkeit, dass es "langfristig nur geschlossene Systeme wie in der Apple-Welt" geben könne.

Die AK forderte mehr Transparenz von den Herstellern bei der Datensammlung und Datenverwendung. "Es braucht auch eine Absicherung, dass die Hochheit über die Autodaten bei den Nutzern verbleibt – rechtliche Regeln werden nötig sein", forderte Gabriele Zgubic, Leiterin der AK Wien Konsumentenpolitik. "Es braucht einen breiten Diskurs über offene und ethische Fragen", sagte Krieger-Lamina. "Regulierungsaufgaben müssen bereits jetzt angegangen werden", forderte der Wissenschafter. (APA, 10.10. 2016)

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AK Wien

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    foto: reuters
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