Doppelmord-Prozess in Leoben: Beschuldigter geständig

10. Oktober 2016, 21:59
88 Postings

Ein 34-jähriger Serbe hat in Kapfenberg auf offener Straße seine Ehefrau und seine Schwägerin erstochen. Sein Verteidiger spricht von einem "machohaft geprägten Hintergrund " und plädiert zu Prozessbeginn auf Totschlag. Für die Staatsanwältin war es Mord.

Leoben – "Das Blut seiner Gattin und seiner Schwägerin klebt an seinen Händen." Selbst der Verteidiger hat keinen Zweifel, dass sein Mandant im April in Kapfenberg zwei Menschen getötet hat. Doch es habe sich um Totschlag gehandelt. Die Staatsanwaltschaft hingegen wirft dem 34-jährigen Angeklagten Mord vor. Entscheiden muss nun ein Geschworenengericht unter Vorsitz von Richterin Barbara Grundbichler am Landesgericht Leoben, wo am Montag der Prozess startete.

Wie berichtet, hatte der Angeklagte aus Serbien, dessen Familie schon länger in Kapfenberg wohnte, seine Gattin und deren Schwester auf offener Straße erstochen. Auch auf Passanten, die eingreifen wollten, war er losgegangen. Auslöser der Bluttat war, dass sich seine Frau von ihm trennen wollte.

Wie in einer Wäschetrommel

Vor Gericht gesteht er die Bluttat. "Ich fühle mich schuldig, weil es kein Uns mehr gibt. Die Kinder haben keine Mutter, keinen Vater." Er habe sich damals "wie in einer Wäschetrommel" gefühlt, so der 34-Jährige. Er habe geglaubt, dass seine Frau "einen anderen habe". Die Verteidigung schildert, dass der Angeklagte aus einem "machohaft geprägten Hintergrund" komme und als Muslim in einem "anderen kulturellen Umkreis" lebe. Sie habe ihn hinausgeschmissen, "wie einen Hund". Ein Mord sei nicht geplant gewesen. Er habe sie nur zur Rede stellen wollen, aber sie habe die Aussprache verweigert: "Dann explodierte alles und er sah rot", versucht der Verteidiger die Situation zu erklären.

Zwölfmal stach der mehrfach vorbestrafte Serbe auf seine Frau ein, dreimal auf seine Schwägerin. "Dann trat er auf die am Boden liegenden Frauen ein und sprang mit beiden Beinen auf den Kopf. Sein Schuhprofil war sogar im Gesicht der Gattin zu erkennen", geht Staatsanwältin Yvonne Huber ins schreckliche Detail.

Laut Anklage soll die Ehe "von Beginn an von Gewalttätigkeiten geprägt" gewesen sein. Der Beschuldigte habe seine Frau geschlagen, ihr die Nase und die Rippen gebrochen. Doch das Opfer habe sich nicht getraut, sich von ihm zu trennen. "Sie blieb bei ihm, sorgte sich um die Kinder und ging arbeiten", so Huber. Gleich mehrere Jobs habe die Frau gehabt, der Angeklagte dagegen habe meist nur Hilfstätigkeiten verrichtet.

Irgendwann habe es die Frau nicht mehr ertragen und die Scheidung gewollt. "Das konnte er nicht akzeptieren. Daher entschied er, sie zu töten", sagt die Staatsanwältin und zitiert aus einem Brief, den der Angeklagte zwei Tage vor der Bluttat geschrieben und in dem er gedroht hat, ihr ein Messer in den Rücken zu rammen.

Der Angeklagte beteuert, dass er seine Frau "nur" in den ersten sechs Jahren der Beziehung geschlagen habe und seine Frau da auch zurückgeschlagen habe. Er gesteht auch ein, seine Kinder mit einem "dünnen Gürtel" geschlagen zu haben: "Ich komme aus einer Gegend, wo dadurch seit 200 oder 300 Jahren kein Kind verletzt worden ist", so der Serbe. Er würde nie ein Kind verletzen wollen.

Am Nachmittag waren Zeugen am Wort, außerdem war die Vorführung eines Videos von der Tatrekonstruktion geplant. Der Prozess soll am 17. Oktober fortgeführt werden. (APA, simo, 10.10.2016)

  • Der Beschuldigte muss sich wegen Mordes an seiner Frau und seiner Schwägerin verantworten.
    foto: apa/stringer

    Der Beschuldigte muss sich wegen Mordes an seiner Frau und seiner Schwägerin verantworten.

Share if you care.