Heta-Gläubiger stimmen Umtausch zu – und gewinnen

11. Oktober 2016, 08:09
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98,71 Prozent aller Anleihegläubiger der Heta haben das Umtauschangebot angenommen, damit wird das Land Kärnten seine Haftungen für die Ex-Landesbank los

Wien – Die magische Zahl dieser Woche steht schon fest. Sie lautet: 98,71. Am Montagvormittag hat der Kärntner Ausgleichzahlungsfonds (KAF) bekanntgegeben, dass 98,71 Prozent der Heta-Anleihegläubiger sein Rückkaufangebot angenommen haben. Damit ist die Voraussetzung für den Deal erfüllt, der Kärnten von seinen Landeshaftungen für die Ex-Landesbank Hypo Alpe Adria befreien soll. Das Rückkaufangebot sah vor, dass es rechtswirksam wird, wenn mindestens zwei Drittel der Vorrang- bzw. 25 Prozent der Nachranggläubiger zustimmen.

Tatsächlich haben 99,55 Prozent der Vorranggläubiger (sie hatten Forderungen von zehn Milliarden Euro) und 89,42 Prozent der Nachranggläubiger (eine Milliarde Euro) zugestimmt. Die Pleitegefahr Kärntens ist damit gebannt.

Die Vorranggläubiger bekommen 75 Prozent ihres Geldes zurück, die Nachranggläubiger 45 Prozent in bar – dank Nachbesserung des Offerts können sie allerdings auch auf längerfristige, aber dafür lukrativere Umtauschvarianten zugreifen.

Warten bis 2068

Beim Tausch in eine 15,3 Jahre laufende und vom Bund garantierte Nullkuponanleihe, die der KAF begeben wird, kommen die Vorranggläubiger auf rund 90 Prozent des Geldes, das sie der Heta/Hypo einst geborgt haben. Die Nachranggläubiger kommen auf 45 Prozent, wenn sie von der Republik begebene Schuldscheindarlehen zeichnen, die am 28. September 2068 fällig werden. Diese Konditionen wurden am Montag bekanntgegeben.

Für viele der Heta/Hypo-Financiers bringt der Deal eine Art Extragewinn. Denn Banken und Versicherer waren schon 2015 von ihren Aufsehern zu Abschreibungen der Heta-Forderungen verdonnert worden, um mindestens 50 Prozent. Weil sie nun aber bis zu 90 Prozent der ursprünglichen Summe wert sind, können sie wieder 40 Prozent zuschreiben.

In Kärnten wurde der Deal am Tag der Volksabstimmung gefeiert. "Es ist mir ein Stein, nein der Großglockner vom Herzen gefallen", erklärte Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) nach einer Sondersitzung der Landesregierung. Nun sei das Land "wieder voll handlungsfähig". Zur Erinnerung: Finanziert wird die Sache mit 1,2 Mrd. Euro vom Land, der große Rest soll durchs Versilbern der Heta-Assets hereinkommen, der Bund finanziert vor.

Wermutstropfen steuerte die Gläubigerschutzvereinigung Teutonia bei. Sie ortet "Anlassgesetzgebung" und "verfassungswidrige Teilenteignung". (APA, gra, 11.10.2016)

  • Finanzreferentin Gaby Schaunig, Landeschefvize Beate Prettner und Landeschef Peter Kaiser (v. li.) feierten die Haftungsfreistellung.
    foto: apa/gert eggenberger

    Finanzreferentin Gaby Schaunig, Landeschefvize Beate Prettner und Landeschef Peter Kaiser (v. li.) feierten die Haftungsfreistellung.

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