Prämenstruelle Dysphorie: Hormone und Gehirn

10. Oktober 2016, 08:40
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Wissenschafterinnen der Max-Planck-Gesellschaft erforschen die Auswirkungen des Östrogenspiegels im Hippocampus

Der menschliche Organismus ist ein dynamisches System – mitunter wird das als belastend empfunden. Zum Beispiel von Frauen, die unter dem der sogenannten Prämenstruellen Dysphorie (PMDD) leiden. Konkret unter den Stimmungsschwankungen, die mit dem schwankenden Hormonspiegel verbunden sind. Jede zwölfte Frau ist von starken körperlichen und psychischen Beschwerden betroffen, dazu gehört eine Art von Antriebslosigkeit, die einer Depression ähnlich ist.

"Um die neuronalen Prozesse hinter diesem Leiden zu verstehen, müssen wir zunächst herausfinden, welchem monatlichen Rhythmus das Gehirn gesunder Frau folgt. Erst dann können wir die Unterschiede zu PMDD-Betroffenen festmachen", so die Studienleiterin Julia Sacher vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, die zu einer grundlegenden Erkenntnis gelangt sind.

Das Gehirn kann sich nicht nur wie bisher angenommen in langfristigen Prozessen an die Umwelt anpassen. Vielmehr gelingt ihm das jeden Monat aufs Neue. Die Forscher haben beobachtet, dass bei Frauen parallel zum Rhythmus des Östrogenspiegels über ihren Monatszyklus hinweg auch die Struktur ihres Hippocampus variiert – einer Hirnstruktur, die für Gedächtnis, Stimmung und Emotionen besonders wichtig ist.

Beeinflusst die Stimmung

Allmonatlich erleben Frauen das Auf und Ab der Hormone während ihres Menstruationszyklus. Und jeden Monat beeinflussen diese Schwankungen offenbar deutlich mehr als den Wechsel zwischen fruchtbaren und unfruchtbaren Tagen. Der schwankende Hormonspiegel verändert in erstaunlicher Regelmäßigkeit auch die Struktur des Gehirns.

"Wir haben herausgefunden, dass parallel zum ansteigenden Östrogenspiegel bis zum Eisprung auch das Volumen des Hippocampus zunimmt – sowohl das seiner grauen als auch seiner weißen Substanz", erklärt Claudia Barth, Erstautorin der dazugehörigen Publikation. Wie sich die Schwankungen dieser Hirnstruktur konkret auf das Verhalten und spezielle geistige Fähigkeiten auswirken, können die Wissenschaftler bisher nicht sagen.

Eine Vermutung haben sie jedoch bereits: "Der Hippocampus spielt eine zentrale Rolle für unser Gedächtnis, unsere Stimmung, unsere Emotionen. Bei Mäusen wurde bereits festgestellt, dass nicht nur der Hippocampus, sondern auch verschiedene Verhaltensweisen einer Art monatlichem Zyklus unterliegen."

Ob sich diese Beobachtungen auch auf den Menschen übertragen lassen, sollen weitere Studien zeigen. Darin werden zunächst die Ergebnisse dieser ersten Pilotstudie an einer großen Zahl an Probanden getestet. Anschließend wollen die Forscher die Auswirkungen auf das menschliche Verhalten unter die Lupe nehmen. (red, 10.10.2016)

Originalstudie:

Dynamics of the Human Hippocampus across the Menstrual Cycle

  • Hormone sind im ganzen Körper aktiv, bei Regelschmerzen ist auch das Gehirn verändert.
    foto: istockphoto

    Hormone sind im ganzen Körper aktiv, bei Regelschmerzen ist auch das Gehirn verändert.

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