Chemnitzer Terrorverdächtiger festgenommen: Kontakte zum IS vermutet

10. Oktober 2016, 13:54
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Der 22-jährige Syrer soll einen Bombenanschlag geplant haben. Er wurde in der Nacht in Leipzig gefasst, ein weiterer Syrer half dabei

Berlin/Dresden – Der nach dem Bombenfund von Chemnitz festgenommene Terrorverdächtige Jaber A. hatte nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler Kontakte zur Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). Vorgehensweise und das Verhalten des Verdächtigen sprächen derzeit für einen "IS-Kontext", sagte der Leiter des Landeskriminalamts Sachsen, Jörg Michaelis, am Montag in Dresden.

Die deutsche Polizei hatte den 22-jährigen Syrer in der Nacht in Leipzig festgenommen, wie sie Montagfrüh auf Twitter mitteilte. Der als Flüchtling registrierte Mann steht im Verdacht, in Chemnitz einen Bombenanschlag geplant und vorbereitet zu haben.

Syrer half bei Verhaftung des Verdächtigen

Der Verdächtige Jaber A. wurde um 0.42 Uhr im Leipziger Stadtteil Paunsdorf in der Wohnung eines weiteren Syrers festgenommen, den er laut "Spiegel online" auf dem Bahnhof angesprochen und um einen Schlafplatz gebeten hatte. Der Angesprochene nahm den Verdächtigen in seine Wohnung mit und informierte die Polizei. Bei ihrem Eintreffen fanden die Beamten den Verdächtigen gefesselt in der Wohnung.

Zuvor hatte die Polizei in ganz Deutschland mit Hochdruck nach dem Mann gesucht. Die Sicherheitsvorkehrungen an Bahnhöfen und Flughäfen wurde verschärft. Die deutsche Bundesanwaltschaft führt die Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat. Es wurde deshalb erwartet, dass der Verdächtige noch am Montag dem Haftrichter in Dresden vorgeführt wird. Hintergrund sei ein bestehender Haftbefehl des Amtsgerichts in der Stadt, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Montag in Karlsruhe. "Es deutet einiges auf einen islamistischen Hintergrund hin", erklärte ein Vertreter aus Sicherheitskreisen.

CSU verlangt lückenlose Kontrolle von Flüchtlingen

Die CSU verlangt nun intensivere Kontrollen von Migranten – auch rückwirkend. CSU-Chef Horst Seehofer sagte am Montag vor einer Parteivorstandssitzung in München, der Fall in Chemnitz zeige, "wie labil die Gesamtsituation in Bezug auf Sicherheit ist".

"Es zeigt sich auch, wie wichtig es ist, dass die Zuwanderer der Vergangenheit auch unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit lückenlos überprüft werden, auch unter Beiziehung unserer Nachrichtendienste – so wie es früher der Fall war", sagte Seehofer.

Große Mengen Sprengstoff in Wohnung entdeckt

Am Samstag war der am Montag festgenommene Mann noch dem Zugriff in Chemnitz entkommen. Die Beamten gaben in dem Plattenbauviertel einen Warnschuss ab und sahen ihn auch, konnten ihn aber nicht fassen. Das Landeskriminalamt wies Vorwürfe zurück, es sei eine Panne passiert. In dem noch nicht geräumten Haus habe man zu Recht Sprengstoff vermutet, sagte ein LKA-Sprecher. "In so einer Situation können wir nicht ins Risiko gehen."

Nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR fanden sich in der Chemnitzer Wohnung etwa 500 Gramm bereits gemischten Sprengstoffs und etwa ein weiteres Kilo Chemikalien, die zum Bombenbau geeignet sind. Außerdem stellte die Polizei Zünder sicher und Teile, die nach erster Bewertung zur Herstellung von Rohrbomben gedient haben könnten. Dem Bericht zufolge stand der Syrer offenbar über das Internet in Verbindung mit dem IS, auch über ein mögliches Ziel war anscheinend schon diskutiert worden – die Rede war von Berliner Flughäfen.

In Chemnitz in Gewahrsam genommen und befragt wurde am Sonntag ein weiterer Mann, der Kontakt zu dem gesuchten Syrer gehabt haben soll. Das Spezialeinsatzkommando hatte auch hier die Tür aufgesprengt. (red, Reuters, APA, 10.10.2016)

  • Eine Anrainerin verlässt das von der Polizei abgesperrte Einsatzgelände im Leipziger Stadtteil Paunsdorf.
    foto: hendrik schmidt/dpa

    Eine Anrainerin verlässt das von der Polizei abgesperrte Einsatzgelände im Leipziger Stadtteil Paunsdorf.

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