GIS-Wünsche, Präsident und Conchita "Im Zentrum": Die Etat-Wochenschau

10. Oktober 2016, 07:00
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Was kommt da zu auf Claudia Reiterer? Wer liest welche Zeitung, welches Magazin? Was wollen die Privatsender?

Wien – Was kommt diese Woche auf Österreichs kleine Medienwelt zu? Die neuesten Leserzahlen und Reichweiten für die Zeitungen und Zeitschriften – gewiss für alle die allerbesten. Die Wünsche der Privatsender für den ORF – gewiss nur die allerbesten. Und nach der vorigen Woche wird es wohl noch ein bisschen um Ingrid Thurnher und Claudia Reiterer und die Zukunft von "Im Zentrum" gehen. Und so eben auch hier.

Was kommt da zu auf Claudia Reiterer?

Um die neue Chefredakteurin von ORF 3 ging es vor einer Woche in diesem kleinen Prognoseblog, und auch um Claudia Reiterer. Freilich nicht darum, dass Claudia Reiterer aus dem "Heute Konkret"-Studio in "Im Zentrum" und damit zurück in die Innenpolitik wechseln würde, und auch nicht darum, dass Ingrid Thurnher ORF-3-Chefredakteurin werden würde. Das berichtete Kollegin Anna-Maria Wallner auf diepresse.com als Erste.

foto: orf / hans leitner
Claudia Reiterer, hier 2015 in der "Heute Konkret"-Deko, kehrt mit "Im Zentrum" 2017 in den Politikjournalismus zurück.

Aber was kommt da zu auf Claudia Reiterer nach rund neun Jahren Zwangspause beim Konsumentenschutz? Das dienstältesten Format unter gleichem Label, seit es im ORF solche Sonntagabenddiskussionen gibt, also seit 1995.

1995 war "Talk im Turm" bei Sat.1 das private Vorbild, wie es für viele Neuerungen in Gerhard Zeilers großer Programmreform kommerzielle Beispiele gab. Ein gewisser Peter Rabl, damals noch "Kurier"-Herausgeber lud "Zur Sache". Die erste Folge widmete sich der "Konsum-Katastrophe" (damals ging eine der größten Handelsketten pleite, mithin eine genossenschaftlich organisierte, gewerkschaftsnahe), sie interessierte im Schnitt 518.000 Zuschauer. Folge 3 über Kirche und Sexualität ging dank Kirchenskandal um den damaligen Wiener Erzbischof mit 986.000 durch die Decke.

Aber: Mit im Schnitt rund 455.000 Zuschauern lag "Zur Sache" in einer für TV-Macher noch etwas angenehmeren, nicht durchdigitalisierten Fernseh-Konkurrenz gar nicht so weit vor "Im Zentrum" seit Start 2007: 370.000 Menschen sind im Schnitt bis vorigen Sonntag dabei, die aktuellen Quoten kommen Montag. Dazwischen lagen etwas kurzlebigere Formate wie

"Im Zentrum" vergleichsweise stabil

"Im Zentrum" wirkt über die Jahre, mit themen- und aktualitätsbezogenen Ausschlägen nach oben, relativ stabil. Jedenfalls sind auf den ersten Blick keine dramatischen Rückgänge der Zuschauerzahlen in den letzten Monaten zu erkennen – waren aber auch recht ereignisreiche Monate.

Stärkste Ausgabe von "Im Zentrum" bisher: Ein Spezial schon um 20.50 Uhr zur ersten, inzwischen aufgehobenen Stichwahl um den Job des Bundespräsidenten mit 836.000 Zuschauern. Beste reguläre Sendung: "Der Triumph – Conchita-Mania über alle Grenzen" nach dem Song-Contest-Sieg im Mai 2014.

Das bisher kleinste Publikum fand "Im Zentrum" am (schon sommerlich-fernsehfeindlichen) 24. Juni 2012 zu "Klimaschutz ade – Hinter uns die Sintflut" mit 173.000 und am 6. Mai 2007 "Frankreich – Wende wohin?" mit 187.000.

Die (saison- und witterungsunabhängigeren) Marktanteile wirken freilich in den vergangenen Wochen vielleicht etwas verhaltener. Aber die Sendungs-Quote war wohl kein Grund für die Ablöse der Moderatorin.

Die Print-Quoten

Printmedien bekommen ihre Reichweiten etwas seltener ausgewiesen als die Sender mit ihren täglich am frühen Vormittag eintrudelnden Teletest-Daten. Vierteljährlich landen die Daten der Media-Analyse bei den Verlagen, alle halben Jahre veröffentlicht die MA Werte für ein Jahr.

Kommenden Donnerstag veröffentlicht die Media-Analyse die Reichweiten und Leserzahlen der österreichischen Zeitungen und Magazine für den Zeitraum 1. Juli 2015 bis 30. Juni 2016. Zu vergleichen also nicht mit der Media-Analyse 2015 über das Kalenderjahr, sondern mit der MA 2014/15, zu finden hier.

Mit ruckartigen Entwicklungen der Print-Daten ist eher nicht zu rechnen. Die Einstellung des "Wirtschaftsblatt" war schon dramatisch genug. Die MA 2014/15 könnte die letzten Reichweitendaten des Titels liefern. Die erhobenen zwölf Monate erschien es noch.

Noch deutlich weiter als die Printmedien legen die Onliner ihre Maßstäbe an: Die Reichweitenstudie ÖWA Plus weist grundsätzlich Monatsreichweiten bei Internetusern aus. Zeitungsreichweiten pro Monat bei Printlesern, welche Werte wären das wohl?

Private Gebührenwünsche

Wenn wir schon beim Wert sind: Der Verband der Privatsender, kurz VÖP, wird diesen Mittwoch seine Vorstellungen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und seine Finanzierung zur GIS-Gebührendebatte beitragen.

foto: apa/georg hochmuth
"Rundfunkgebühren ziemlich sicher verfassungswidrig": Ernst Swoboda, Präsident des Privatsenderverbands VÖP.

Grob kann man sich die Vorstellungen schon vorstellen: Verbandspräsident Ernst Swoboda (Kronehit) etwa findet die Rundfunkgebühren schon länger "ziemlich sicher verfassungswidrig", weil Onlinenutzer nicht, Radio- und Fernsehnutzer aber sehr wohl zahlen müssen. Swoboda ist in der Sache juristisch nach seinen Aussagen längst zum Verfassungsgerichtshof unterwegs.

Juristisch arbeiten VÖP und Swoboda auch am Programmauftrag des ORF – den sie auch im Radio nicht erfüllt sehen, bisher im Gegensatz zur Medienbehörde und also ohne Erfolg. Swoboda will den Programmauftrag aber ohnehin überarbeitet sehen, weil "unklar und schwammig" (zuletzt beim Privatsenderheurigen).

Aber womöglich gibt es ja am Mittwoch doch auch Neues vom Privatsenderverband zu ORF-Gebühren. Womöglich gar Ideen zur Gebührensenkung. Man sollte in diesen Tagen nichts ausschließen. Bleiben Sie dran. (Harald Fidler, 10.10.2016)

Die Etat-Wochenschau

Die Etat-Wochenschau widmet sich sehr subjektiv ausgewählten, absehbaren Ereignissen der neuen Woche, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

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