Verbot von Verbrennungsmotoren: Aktionismus

Kommentar9. Oktober 2016, 18:14
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Die meisten Emissionen produziert die Transportwirtschaft, und genau sie ist in der EU tabu

Klingt bestechend, was die deutschen Bundesländer klimaschutztechnisch im Autoland Deutschland vorhaben: Ab 2030 soll die Neuzulassung von Verbrennungsmotoren verboten werden. Langfristig sollen die aufgrund manipulierter Abgaswerte ohnehin in Verruf geratenen Dieselfahrzeuge ebenso verschwinden wie die hinsichtlich ihres Ausstoßes an Feinstaub und giftigen Stickoxiden etwas weniger problematischen Benziner.

Man darf gespannt sein, wie laut die von der Autoindustrie dominierten Nettozahler unter den Ländern, Bayern und Baden-Württemberg, aber auch Niedersachsen (mit Volkswagen) bei der Umsetzung des von Österreichs Grünen als vorbildhaft gelobten Plans aufjaulen werden. Denn mit einem Verbot, auch wenn es von der EU-Kommission im Sinne einer langfristigen Klimastrategie angeregt wird und auch vernünftig scheinen mag, ist es nicht getan. Es braucht dringend Begleitmaßnahmen wie die finanzielle Förderung von Elektroautos und den Ausbau öffentlicher Verkehrsträger, vor allem im Güterverkehr.

Dort liegt die Schwachstelle derartiger Zukunftskonzepte. Die meisten Emissionen produziert die Transportwirtschaft, und genau sie ist im Brüsseler Regime tabu – aus Rücksicht auf die Warenfreizügigkeit. Solang die fahrenden Lagerhallen durch Diesel-Steuerprivilegien begünstigt sind, anstatt sie auf die Schiene zu verlagern, sind Initiativen wie ein Verbot von Verbrennungsmotoren reiner Aktionismus. (Luise Ungerboeck, 10.10.2016)

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