Kollektivvertrag: Nervosität vor der zweiten Metallerrunde

10. Oktober 2016, 05:30
86 Postings

Auftragsflaute bei Stahl und Maschinenbau – Arbeitgeber mahnen zu Zurückhaltung

Wien – Nervenflattern vor der zweiten Verhandlungsrunde über den Kollektivvertrag (KV) in der Maschinen- und Metallwarenindustrie. Der Sprecher der Arbeitgeber, Christian Knill, warnte einmal mehr vor einem "übertrieben hohen Abschluss". Es gehe nur wenigen Betrieben sehr gut. Einem Drittel gehe es "schlecht", und auf dieses möge die Gewerkschaft nicht vergessen, appellierte Knill am Sonntag via Aussendung.

Die von Metallgewerkschaftschef Rainer Wimmer und Rudolf Wagner von der Privatangestelltengewerkschaft postulierte Forderung nach einem Plus von drei Prozent sei illusorisch. Die KV-Abschlüsse der Frühjahrslohnrunde, darunter auch jener der Elektro- und Elektronikindustrie, brachten ein Lohn- und Gehaltsplus zwischen 1,3 bis 1,5 Prozent.

Standortfragen

Lieber als Prozentpunkte würde Knill den Industriestandort in den Verhandlungsmittelpunkt stellen. "Wenn die Sozialpartner auch in Zukunft ernst genommen werden wollen", sollten sie nicht um Zehntelprozente feilschen, sondern thematisieren, was die technologische Veränderung für die Arbeitsplätze in der Maschinen- und Metallwarenindustrie bedeute. Die Arbeitgeberverhandler würden jedenfalls Standortfragen in den KV-Prozess einbringen, sagte Knill. Die Branche stagniere und leide unter Russland-Embargo und Brexit-Debatte.

Die Gewerkschaft zeigt sich davon unbeeindruckt. Unter Verweis auf Branchenanalysen der Arbeiterkammer pocht man auf "Lohnabschlüsse, die den Namen verdienen". Den Maschinen- und Metallwarenherstellern gehe es bei weitem nicht so schlecht wie dargestellt. Wohl stagnierte der Produktionswert im Vorjahr bei 33,4 Milliarden Euro, in den ersten fünf Monaten 2016 stieg er allerdings um 5,0 Prozent auf 13,64 Milliarden Euro. Einzig die Gießereien, die trotz Eingliederung in den Maschinenbau-Fachverband einen eigenen Gießer-KV verhandeln wollen, verharrten im ersten Rumpfhalbjahr mit plus 0,5 Prozent auf Vorjahresniveau.

Aufträge stagnieren

Die Auftragsbestände der Metallverarbeiter von Jänner bis Mai weist die AK-Branchenanalyse mit 16,7 Milliarden Euro gar um 11,6 Prozent höher aus als im Vorjahreszeitraum. Hier sei klar ein Wachstum zu erkennen, das sich laut Fachverband allerdings bereits wieder abschwäche. Die Auftragseingänge stagnierten in den ersten fünf Monaten 2016 bei 12,2 Milliarden Euro.

Das Gesamtjahr 2015 war beim Auftragsbestand überhaupt eine Niederlage, die Auftragsbestände der Maschinenbauer gingen um 9,4 Prozent zurück. Auf Abschwächung stehen die Zeichen auch laut der vorige Woche veröffentlichen Konjunkturprognose der Wirtschaftsforscher. Quer durch alle Branchen der Metallindustrie mit rund 190.000 Beschäftigten stiegen die Auftragsbestände laut AK-Berechnung um 9,3 Prozent auf knapp 23 Milliarden Euro. Echte Schwäche zeigt im Rumpfhalbjahr 2016 die Eisenerzeugende Industrie, ihre Auftragsbestände brachen um 10,1 Prozent ein, nachdem sie im Gesamtjahr 2015 um 5,6 Prozent zurückgegangen waren.

Einen starken Auftakt verzeichnete die Fahrzeugindustrie. Ihre Auftragseingänge stiegen von Jänner bis Juni um 10,3 Prozent, jene der Gießereien um 2,5 Prozent, während Stahlerzeuger minus 6,1 Prozent verbuchten. (ung, 10.10.2016)

Share if you care.