Rosberg setzt sich mit neuntem Saisonsieg weiter ab

9. Oktober 2016, 17:17
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Hamilton nach verpatztem Start in Suzuka nur Dritter hinter Verstappen – Konstrukteurs-WM zum dritten Mal en suite an Mercedes – Silberpfeile ziehen Protest gegen Verstappen zurück

Suzuka – Sieger Nico Rosberg und der alte und neue Konstrukteursweltmeister Mercedes feierten im Konfettiregen von Suzuka, Lewis Hamilton stand frustriert daneben und versuchte ebenso verzweifelt wie vergeblich, seine Enttäuschung zu verbergen. Für ihn war Platz drei hinter seinem Teamkollegen Rosberg und Red-Bull-Jungspund Max Verstappen nach dem Ausfall in Sepang die zweite schwere Niederlage binnen einer Woche. Bei vier noch ausstehenden Rennen kann der überragende F1-Pilot der vergangenen Jahre nicht mehr aus eigener Kraft Weltmeister werden. 33 Zähler fehlen dem Briten bereits auf Rosberg, dem in den ausstehenden vier Rennen theoretisch drei zweite Plätze und ein dritter Rang reichen, um Hamilton zu entthronen und wie sein Vater Keke (1982) Weltmeister zu werden.

Ein Protest, kein Protest

Dass er das Herz eines Champions hat, bewies Hamilton anlässlich einer kleinlichen Aktion seines Arbeitgebers. Mercedes legte zunächst beim Automobilweltverband FIA Protest gegen die Wertung des Rennens ein. Das Team bezog sich dabei auf eine Aktion Verstappens, der Hamilton bei dessen Überholversuch kurz vor dem Ende des Rennens regelwidrig behindert haben soll. Der Niederländer hatte während eines Bremsvorgangs angeblich unerlaubterweise die Spur gewechselt und den Weltmeister von der Strecke gedrängt.

Da aber alle Beteiligten Suzuka am Sonntagabend bereits verlassen hatten, wollte die FIA erst im Rahmen des nächsten Rennens in Austin, Texas (23. Oktober), über den Protest entscheiden. Bis dahin sollte das Ergebnis von Japan inoffiziell bleiben.

Als Hamilton von dem Protest erfuhr, mischte er sich via Twitter ein. "Kein Protest von meiner Seite", schrieb er. "Ich habe gehört, das Team hat Protest eingelegt, aber ich habe ihnen davon abgeraten. Max ist gut gefahren. Wir sind Champions und blicken nach vorn. Ende." In einem ersten, wenig später gelöschten Tweet klang das harscher: "Irgendein Idiot hat gesagt, wir hätten Protest eingelegt." Mercedes-Pressechef Bradley Lord teilte mit, man "habe keine Kenntnis davon, wen Lewis damit gemeint hat. Sorry."

Rosberg kann das alles egal sein, für ihn könnten die Zeichen nicht besser stehen. In den vergangenen vier Jahren wurde der Sieger von Suzuka am Ende auch Weltmeister – 2012 und 2013 Sebastian Vettel im Red Bull, 2014 und 2015 Hamilton im Mercedes. "Ein Spitzenwochenende mit einem fantastischen Ausgang", sagte Rosberg nach seinem 23. Rennerfolg. "Der Titel ist nach den Anstrengungen der vergangenen Wochen und Monate eine verdiente Auszeichnung für dieses fantastische Team."

Verlierers Stolz

Hamilton hatte stattdessen seine Enttäuschung zu bewältigen. Dennoch gratulierte er seinem Arbeitgeber artig zur dritten Konstrukteurs-WM en suite: "Ich bin sehr stolz, Teil eines so fantastischen Teams zu sein."

Den Sieg hatte Hamilton bereits am Start aus den Augen verloren. Der Zweite des Qualifyings kam nach dem Verlöschen der Ampeln einfach nicht vom Fleck, rechts und links flogen die Kontrahenten an ihm nur so vorbei. "Sorry, Jungs", funkte er an die Box: "Das geht auf mich." Angeblich war die Drehzahl seines Motors am Start abgefallen, sodass sich das Auto zunächst nicht beschleunigen ließ. Motorsportdirektor Toto Wolff sah die Schuld ebenfalls klar bei seinem Star am Volant: "So wie es aussieht, hat er die Kupplung zu schnell hochschnalzen lassen."

Im Anschluss an seinen Patzer kämpfte sich Hamilton nach vorn und profitierte am Ende auch von einer erneut missglückten Strategie von Ferrari, die den viermaligen Weltmeister Sebastian Vettel einen Platz auf dem Podium kostete. Vettel fuhr ein ordentliches Rennen, das er nach Rosbergs zweitem Boxenstopp zwischenzeitlich sogar anführte. Dann aber blieb der Deutsche auf dem Weg zu seinem zweiten, viel zu späten Boxenstopp beim Überrunden langsamer Autos im Verkehr stecken und verlor seinen sicher geglaubten Podiumsplatz. Erstmals seit 2008 stand er in Suzuka nicht auf dem Treppchen – ein neuer Tiefpunkt für den 29-Jährigen.

Wirklich spannend war die Raserei auf dem Hochgeschwindigkeitskurs in Japan mit Ausnahme des finalen Duells zwischen Verstappen und Hamilton nicht gewesen. Erst zum siebenten Mal in der mehr als 50-jährigen Geschichte des Formel-1-Zirkus kamen alle Boliden ins Ziel – immerhin aber innerhalb nur zweier Runden. (sid, red, 9.10.2016)

  • Nico Rosberg führte das Feld vom Start weg an. Für Teamkollege Lewis Hamilton lief es weniger gut.
    foto: reuters/toru hanai

    Nico Rosberg führte das Feld vom Start weg an. Für Teamkollege Lewis Hamilton lief es weniger gut.

  • Auf dem Podium: Verstappen, Rosberg und Hamilton.
    foto: apa/afp/behrouz mehri

    Auf dem Podium: Verstappen, Rosberg und Hamilton.

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