Handschlag führt zu Empörung in Teheran und Berlin

8. Oktober 2016, 21:56
90 Postings

Irans Vizepräsidentin gab deutscher Umweltministerin die Hand – Hendricks wurde für Mann gehalten, Ebtekar gehörte zu Botschafts-Geiselnehmern

Berlin – Die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks hat mit einem Handschlag unfreiwillig für Aufregung im Iran gesorgt. Sie hatte bei einem Treffen in Berlin die iranische Politikerin Massoumeh Ebtekar begrüßt, die Vizepräsidentin und Leiterin der Umweltbehörde ihres Landes ist. Der staatliche iranische Fernsehsender IRIB zeigte Bilder des Treffens.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim führten die Aufnahmen bei einigen iranischen Medien zu dem Eindruck und zur Kritik, Ebtekar habe in Deutschland einem Mann die Hand geschüttelt. Fremden Männern die Hand zu geben ist im Iran für gläubige islamische Frauen, besonders für Spitzenpolitikerinnen, ein absolutes Tabu.

Der Bericht und eine Videoaufnahme sorgten für Aufregung in iranischen Medien und sozialen Netzwerken. Ebtekar, eine Vertraute von Präsident Hassan Rouhani, hätte bei einem Handschlag mit einem Mann definitiv zurücktreten müssen. Die Agentur Tasnim stellte aber am Freitag klar, dass Hendricks eine Frau sei, obwohl sie auf den Aufnahmen "wie ein Mann aussieht".

Der Bürochef des IRIB Studios in Berlin betonte am Freitagabend, dass der Bericht nur über das Treffen gehandelt habe und die Verwirrung erst später durch falsche Spekulationen zustande gekommen sei. Dafür sei der Sender jedoch nicht verantwortlich.

Geiselnehmerin

Massoumeh Ebtekar ist für ihre Rolle bei der Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran im Jahr 1979 bekannt. Sie fungierte dabei als Sprecherin für die internationalen Medien.

Aus diesem Grund übt der CDU-Bundestagsabgeordnete und Vize-Vorsitzende der deutsch-iranischen Parlamentariergruppe Thomas Feist Kritik an dem Empfang Ebtekars: "Frau Ebtekar steht für alles, aber nicht für einen sich wandelnden Iran. Bei der Wahl seiner Gesprächspartner sollte man mehr Sorgfalt walten lassen", sagte Feist gegenüber der Bild-Zeitung.

Nach ihrer Schlappe bei den iranischen Parlamentswahlen im Februar befürchten die Erzkonservativen und Hardliner nächstes Jahr im Mai eine erneute Wiederwahl Rouhanis. Dies würde sie über Jahre hinaus ins politische Abseits bringen. Daher nutzen sie – besonders mit ihnen nahestehenden Medien wie IRIB – jede Gelegenheit, um gegen Rouhani und seine Regierung Stimmung zu machen. (red, APA, 8.10.2016)

Share if you care.