Koller fordert für Serbien-Match: "Frech und mutig sein"

8. Oktober 2016, 14:24
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ÖFB-Teamchef hofft auf Punktezuwachs in Belgrad und warnt vor individuell starker Offensivabteilung der Serben – Einsatz von Almer weiter offen

Belgrad – Österreichs Fußball-Nationalmannschaft peilt am Sonntag (20.45 Uhr/live ORF eins) in der WM-Qualifikation auswärts gegen Serbien ein Erfolgserlebnis an. Mit einem Punktgewinn in Belgrad stünde der ÖFB-Auswahl die Tür zur Endrunde 2018 in Russland weiterhin offen. Ein Sieg würde die Position noch angenehmer machen, wie auch Teamchef Marcel Koller weiß.

"Es ist wichtig, dass man auch auswärts einen Dreier einfährt, wenn man oben dabei bleiben will", erklärte der Schweizer am Samstag unmittelbar vor dem Abflug in die serbische Hauptstadt. "Aber selbst wenn wir gewinnen, ist noch gar nichts passiert."

Starke Individualisten

Ein Sieg in Belgrad dürfte jedoch zu einem schwierigen Unterfangen werden. "Die Serben sind mit Tadic, Kostic, Kolarov oder Ivanovic individuell stark. Sie haben aber auch Schwächen, und das versuchen wir, der Mannschaft mitzugeben", sagte Koller.

Der 55-Jährige erwartet offensiv eingestellte Gastgeber. "Die Serben werden sicher versuchen, Druck zu entwickeln. Da gilt es, frech und mutig zu sein", so der Teamchef. Im Vergleich zum 2:2 am Donnerstag gegen Wales müsse die Konzentration und Fokussierung noch höher sein. "Und wir müssen die Räume nützen, die sich uns bieten werden."

Fragezeichen hinter Almer

Allzu viele Umstellungen dürfte es in der Startformation nicht geben. "Wir werden sicher nicht alles auf den Kopf stellen", verriet Koller, der noch um den Einsatz von Goalie Robert Almer bangt. Ob der Austria-Kapitän trotz seiner Wadenprobleme spielen kann, entscheidet sich wohl erst am Spieltag.

Serbien übt sich derweil in Bescheidenheit. Teamchef Slavoljub Muslin hat dem ÖFB-Team die Favoritenrolle zugeschoben. "Sie können die Favoritenrolle haben. Uns reicht es, Außenseiter zu sein", erklärte der 63-Jährige, dessen Truppe so wie die ÖFB-Elf nach zwei Spielen bei vier Punkten hält, am Samstag.

Ähnlich klang Kapitän Branislav Ivanovic. "Das Match mit Österreich ist von unglaublicher Bedeutung für die ganze Qualifikation. Wir müssen eine große Dosis von Vorsicht, Achtung und Selbstvertrauen aufbringen, um ein positives Resultat zu erzielen", sagte der Chelsea-Verteidiger bei B-92. "Ein Sieg wäre ein großer Schritt. Das Spiel könnte der entscheidende Augenblick für die beiden Mannschaften sein."

Besonderen Respekt bekundete er gegenüber Marko Arnautovic, der beim 2:2 gegen Wales einen Doppelpack geschnürt hatte und so wie Ivanovic in der englischen Premier League engagiert ist. "Ich habe große Achtung für Arnautovic. In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat er große Fortschritte gemacht, ist als Spieler gereift und war in manchen Momenten über dem Niveau der Mannschaft, in der er spielt", meinte er über den Stoke-Legionär. "Er kann das Spiel entscheiden und wird die größte Bedrohung für unser Tor sein."

Serbische Wurzeln

Für Marko Arnautovic und Aleksandar Dragovic hat die Partie eine besondere Bedeutung. Beide ÖFB-Internationale haben ihre Wurzeln in Serbien. "Es werden Emotionen da sein, denn es geht gegen das Heimatland meiner Familie. Trotzdem gibt es in diesem Spiel so wie in jedem anderen auch nur drei Punkte zu holen", betonte Dragovic. Arnautovic gab am Samstag vor der Abreise nach Belgrad zu: "Das wird für mich kein leichter Abend. Natürlich sind Emotionen dabei, doch ich werde mein Bestes geben", versprach der Stoke-Legionär.

Seine Familienmitglieder blicken dem Duell schon gespannt entgegen, berichtete Arnautovic. "Zum großen Teil werden sie für Serbien sein", vermutete der Wiener. Dragovic befindet sich in einer ähnlichen Situation. "Ich glaube, nur Oma und Opa werden mir die Daumen drücken."

Auf das ÖFB-Duo wartet in Belgrad wohl ein Pfeifkonzert. "Davon gehe ich aus. Trotzdem werde ich nicht respektlos gegenüber den Fans sein", sagte Arnautovic.

Der Offensivspieler müsse so wie Dragovic die zu erwartenden Unmutsäußerungen ausblenden können, forderte Teamchef Marcel Koller. "Es wird wichtig sein, dass sie sich auf sich selbst konzentrieren. Alles andere darf sie nicht beeinflussen."

Aus Respekt kein Jubel

Der Schweizer hofft darauf, dass Arnautovic das Visier ähnlich gut wie gegen Wales eingestellt hat – im Falle eines Torerfolgs würden allerdings Luftsprünge des 27-Jährigen ausbleiben. "Ich würde mich riesig freuen, wenn ich treffe, aber ich würde nicht jubeln", kündigte der Wiener an und lag damit auf einer Wellenlänge mit Dragovic. "Ich würde aus Respekt auf einen Torjubel verzichten, doch ich würde mich innerlich freuen", sagte der Leverkusen-Legionär.

Dragovic kehrt in jenes Stadion zurück, wo er im Juni 2009 sein erstes A-Länderspiel absolvierte. "Das wird immer etwas ganz Besonderes bleiben, doch seither ist viel Zeit vergangen. Ich bin reifer und erwachsener geworden", sagte der Innenverteidiger.

Die Serben sieht Dragovic in der Favoritenrolle. "Wir müssen alles in die Waagschale werfen, damit wir ein gutes Resultat erreichen", erklärte der Wiener. (APA, red, 8.10.2016)

WM-Qualifikation/Gruppe D/3. Runde
Serbien – Österreich (Belgrad, Stadion Rajko Mitic, Sonntag, 20.45 Uhr/live ORF eins, SR Jonas Eriksson/SWE)

Mögliche Aufstellungen:

Serbien: Stojkovic (Nottingham/69 Länderspiele) – Nastasic (Schalke/20/0 Tore), Ivanovic (Chelsea/88/12), Vukovic (Konyaspor/3/0) – Rukavina (Villarreal/35/0), Gudelj (Ajax Amsterdam/12/1), Milivojevic (Olympiakos/17/0), Kolarov (Manchester City/66/8) – Kostic (Hamburger SV/10/1), Pavlovic (Kopenhagen/3/0), Tadic (Southampton/38/10)

Ersatz: P. Rajkovic (Makabi Tel Aviv/3), Jovanovic (Aarhus/0) – S. Rajkovic (Palermo/19/0), S. Mitrovic (Gent/9/0), N. Maksimovic (Napoli/11/0), Mladenovic (Köln/4/0), Fejsa (Benfica Lissabon/22/0), Radoja (Celta Vigo/0), Katai (Alaves/2/0), Markovic (Sporting Lissabon/21/3), Tosic (ZSKA Moskau/75/11), A. Mitrovic (Newcastle United/22/4), Stojiljkovic (Braga/4/0)

Es fehlen: Matic (gesperrt), Ignjovski (erkrankt), N. Maksimovic (verletzt)

Österreich: Almer (Austria Wien/33) oder Özcan (Bayer Leverkusen/8) – Klein (VfB Stuttgart/42/0), Dragovic (Bayer Leverkusen/51/1), Hinteregger (FC Augsburg/19/1), Wimmer (Tottenham Hotspur/5/0) – Baumgartlinger (Bayer Leverkusen/50/1), Alaba (Bayern München/51/11) – Sabitzer (RB Leipzig/23/3), Junuzovic (Werder Bremen/51/7), Arnautovic (Stoke City/57/13) – Janko (FC Basel/SUI/58/27)

Ersatz: Lukse (SCR Altach/0) – Prödl (Watford/59/4), Stangl (Red Bull Salzburg/0), Suttner (FC Ingolstadt/17/0), Ilsanker (RB Leipzig/18/0), Lazaro (Red Bull Salzburg/4/0), Schaub (Rapid Wien/1), Schöpf (Schalke 04/9/2), Gregoritsch (Hamburger SV/1), Hinterseer (FC Ingolstadt/11/0), Alar (Sturm Graz/0)

  • Der Zusammenhalt stimmt.
    foto: apa/robert jaeger

    Der Zusammenhalt stimmt.

  • Die Krawatte sitzt.
    foto: apa/robert jaeger

    Die Krawatte sitzt.

  • Der Schmäh rennt.
    foto: apa/robert jaeger

    Der Schmäh rennt.

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