System feuert planetengroße Plasmakugeln ins All

7. Oktober 2016, 17:35
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Roter Riese V Hydrae liefert mit kleinerem Begleitstern spektakuläres kosmisches Feuerwerk

La Cañada Flintridge – US-Astronomen haben in der näheren Umgebung eines Sterns am Ende seines Lebens ein spektakuläres Phänomen erspäht: Mithilfe des Weltraumteleskops Hubble entdeckten Raghvendra Sahai und sein Team vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa beim Roten Riesen V Hydrae riesige Plasmasphären, die sich mit hoher Geschwindigkeit von dem Stern fortbewegen. Was es mit diesen heißen Gaskugeln von mehr als doppelter Marsgröße auf sich hat und vor allem woher sie stammen, ist nicht ganz klar – doch eine Theorie haben die Forscher bereits.

V Hydrae liegt in rund 1.200 Lichtjahren Entfernung im südlichen Sternbild Hydra (Wasserschlange) und ist gleichsam ein sterbender Stern. Nachdem er bereits mehr als die Hälfte seiner Masse abgestoßen hat, verbrennt er derzeit den letzten Rest seines Brennstoffes. Daher dürfte V Hydrae selbst nicht der Verursacher der mysteriösen Plasmakugeln sein. Sahai und seine Kollegen haben errechnet, dass die über 9.000 Grad Celsius heißen Sphären aus ionisiertem Gas – das ist mehr als doppelt so heiß wie die Sonnenoberfläche – seit mindestens 400 Jahren abgefeuert werden, und zwar alle 8,5 Jahre eine.

Kleinerer Begleitstern als Schützenhilfe

Diese Regelmäßigkeit lieferte den Wissenschaftern den entscheidenden Hinweis auf die mögliche Quelle des Plasmaausstoßes: Im "Astrophysical Journal" formulieren sie eine These, wonach ein Begleitstern V Hydrae in einer extrem elliptischen Bahn umkreist und bei der größten Annäherung alle 8,5 Jahre Material aus der oberen Atmosphäre des Roten Riesen mitreißt. Diese Materie sammelt sich nach Ansicht des Teams in einer Scheibe um den Begleitstern, heizt sich weiter auf und bildet gleichsam die Abschussrampe für die Plasmakugeln, die schließlich mit einer Geschwindigkeit von über 800.000 Kilometer pro Stunde ins All davon fliegen.

Sahai und seine Kollegen nehmen an, dass die seltsamen Plasmakugel mit Planetarischen Nebeln, einem anderen bisher rätselhaften Phänomen, in Zusammenhang stehen könnten. Diese oft farbenprächtigen astronomischen Objekte aus Gas und Plasma bilden sich, wenn ein sterbender Stern seine Hülle abwirft. Soweit die bisherige Theorie, doch wie die Planetarischen Nebel im Detail entstehen, ist bisher nicht restlos geklärt. Doch Sahai und seine Kollegen spekulieren, dass die nun beobachteten heißen Gassphären eine bedeutende Rolle dabei spielen könnten. (red, 7.10.2016)

  • Die Illustration des Jet Propulsion Laboratory zeigt, wie sich die Forscher um Raghvendra Sahai das Phänomen erklären: Ein kleinerer Begleitstern streift alle 8,5 Jahre die Atmosphäre des Roten Riesen V Hydrae, reißt Materie mit sich und schießt schließlich die Plasmakugeln von doppelter Marsgröße ins All.
    illustr.: nasa/esa/stsci

    Die Illustration des Jet Propulsion Laboratory zeigt, wie sich die Forscher um Raghvendra Sahai das Phänomen erklären: Ein kleinerer Begleitstern streift alle 8,5 Jahre die Atmosphäre des Roten Riesen V Hydrae, reißt Materie mit sich und schießt schließlich die Plasmakugeln von doppelter Marsgröße ins All.

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