Rund 2500 Mitarbeiter sind bereit, die Bank Austria zu verlassen

8. Oktober 2016, 08:00
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Am weitgehenden Handshake-Programm besteht Rieseninteresse. Es ist variantenreich und beinhaltet bis zu acht Jahre "Freistellung"

Wien – Der personelle Aderlass der Bank Austria (BA) geht demnächst weiter; mit der Anmeldung der 959 Mitarbeiter, die die Bank bis Ende 2017 verlassen wollen und daher beim Arbeitsmarktservice AMS gemeldet wurden, ist es ja nicht getan.

Im Rahmen des ebenso umfangreichen wie weitgehenden Handshake-Programms haben sich gemäß Informationen des STANDARD insgesamt rund 2500 Mitarbeiter gemeldet. Sie sind bereit, ihre berufliche Tätigkeit für die Unicredit-Tochter einzustellen. In der Sprache von Arbeitgeber Bank Austria ausgedrückt: Diese Mitarbeiter haben "ihr verbindliches Interesse für die einvernehmliche Auflösung ihres Dienstverhältnisses" deponiert.

Warum nicht alle rund 2500 Mitarbeiter beim AMS angemeldet wurden? Viele der mannigfaltigen Verabschiedungsmodelle sehen vor, dass die Leute zwar nicht mehr für die BA arbeiten, aber weiterhin angestellt bleiben. Sie haben also keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Und diese Abschiedszeit kann durchaus lang werden: bis zu 96 Monate, also acht Jahre.

Variantenreich

Anders ausgedrückt: Die zur gesetzlichen Abfertigung dazukommenden Handshakes – bei unkündbaren Mitarbeitern sind das bis zu vier Jahresgehälter, bei den anderen bis zu zwei – können entweder gleich und ganz kassiert werden oder in bis zu 96 Monatstranchen. Dazwischen gibt es so gut wie alle Varianten. Jene Beschäftigten, die das unter Bankmitarbeitern "Her mit der Marie" genannte Modell wählen, sind also die, die nun im Rahmen des Frühwarnsystems beim AMS angemeldet wurden.

Die Höhe der Abfertigung richtet sich nach Alter, Dienstzugehörigkeit und Einkommen. Banker, die den langen Abschied wählen, bleiben im Sold und Personalstand der Bank, bekommen aber neue Verträge von einer BA-Tochtergesellschaft. Sie müssen zwar auf Abruf bereit stehen – dürfen allerdings Nebenbeschäftigungen nachgehen, sofern Arbeitgeber BA es genehmigt. Ausgeschlossen sind also u. a. Vollzeitjobs.

Welche der handschlagbereiten Beschäftigten das von Robert Zadrazil geführte Geldinstitut dann tatsächlich ziehen lässt, das wird allerdings erst Ende dieses Monats feststehen. Entschieden wird das in diversen Boards, die letztlich das Weiterfunktionieren der Bank sicherstellen müssen. Bestimmte Mitarbeiter haben gar keine Einladung zur Verabschiedung bekommen.

Rieseninvestition in Schrumpfung

450 Millionen Euro hat die BA, wie berichtet, für ihr Personaleinsparungsprogramm weggelegt, sie werden (zumindest) aufgebraucht werden. Und: Das von der Mailänder Mutter Unicredit vorgegebene Ziel – die BA muss bis Ende 2018 jedenfalls 300 Mio. Euro einsparen – dürfte durch die "freiwilligen" Abschiede ohne betriebsbedingte Kündigungen durch die Bank zu erreichen sein. Insgesamt hatte die Gruppe (BA plus Töchter) zuletzt rund 9000 Mitarbeiter.

Auf der Schiene ist inzwischen auch die Übersiedlung des bisher Österreich zugeordneten Ostgeschäfts (CEE) zur BA-Mutter nach Mailand. Der Firmenbuchrichter in Wien hat die beabsichtigte grenzüberschreitende Verschmelzung geprüft und ihr seinen Sanktus gegeben. Nun sind die Italiener am Zug. (Renate Graber, 8.10.2016)

  • BA-Chef Robert Zadrazil spart sehr viel  Personal ein.
    foto: apa/robert jaeger

    BA-Chef Robert Zadrazil spart sehr viel Personal ein.

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