Was die Fußfaszie mit Rückenschmerzen zu tun hat

25. Oktober 2016, 16:00
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Tapes sind elastische Klebebänder, die Schmerzen lindern – ein Buch ermuntert, dem Schmerz von Kopf bis Fuß auf den Grund zu gehen

Sie sehen spektakulär aus und Sportler scheinen sie zu mögen: das war zuletzt bei den Olympischen Spielen zu beobachten, wo die Tapes die Schultern, Bäuche und Beinen der Athleten zierten. Die elastischen Klebebänder sollen bei Muskel- und Gelenksbeschwerden helfen – und zwar nicht nur bei den Profis.

Auf den Zug ist auch der Sportwissenschafter Robert Kirsten aufgesprungen: Er liefert mit dem vor kurzem erschienenen Buch "Faszien-Taping. Wirksame Selbsthilfe bei Muskel- und Gelenkschmerzen" eine Anleitung dazu, an welche Körperstellen die Klebebänder wie und bei welchen Beschwerden angebracht werden können. Im Unterschied zum Kinesio-Taping, wo es laut Kirsten mehr um die Beeinflussung der Muskulatur geht, wird bei seinem Faszien-Taping eher auf die Beeinflussung der Faszien – also das, was früher Bindegewebe genannt wurde– abgezielt.

Schritt für Schritt

Auch wenn der experimentierfreudigen Leserin eine Schritt-für-Schritt-Foto-Anleitung mitgeliefert werden: Taping ist ziemlich kompliziert. Erst müssen die Bänder auf die richtige Länge und Form zugeschnitten werden und dann, ganz wichtig, mit dem richtigen Zug geklebt werden.

Wie genau sich "30 bis 40 Prozent der maximalen Dehnfähigkeit" des Tapes anfühlen sollen – und wie 80 bis 90 Prozent –, wird man wohl nur durch viel Herumprobieren und einigen Metern verbrauchten Tapes herausfinden. Denn wenn der Streifen erst einmal klebt, kann nichts mehr verändert werden. Wird beim Anbringen zudem nicht sauber gearbeitet – etwa wenn Haare oder fettige Haut in die Quere kommen – dann hält das Konstrukt nicht.

Einige "Anlagen" – so wird es von Profis genannt – können obendrein nicht alleine gemacht werden, etwa am Rücken oder der Rückseite der Oberschenkel. Was gut ist: Kirsten liefert immer eine direkte Taping-Form – also beispielsweise ein Tape am Rücken bei Rückenbeschwerden. Aber es gibt auch Alternativen, falls die Ursache am Ende doch nicht im Rücken liegt.

Dann wird stattdessen beispielsweise der hintere Oberschenkel beklebt, weil dieser die Rückenfaszie beeinflussen kann. Auch für Schulterschmerzen, Knie- oder Hüftprobleme und sogar Atembeschwerden präsentiert der Sportwissenschafter eine Methode. Und um die Faszien überhaupt geschmeidig – und schmerzfrei – zu halten, zeigt er Dehnübungen.

Physiotherapeuten sind kritisch

Die gute Nachricht für Überforderte: Wirklich viel falsch machen kann man nichts: Verschlechtern sich die Beschwerden oder fühlt sich das Tape nicht von Anfang an gut an, dann sollte es umgehend entfernt werden. Viele Physiotherapeuten sehen das Do-it-yourself beim Tapen dennoch kritisch. Nur wer die Zusammenhänge versteht, kann es richtig machen, sagen sie.

Genau das versucht Kirsten aber: Er ermuntert dazu, den Körper kennenzulernen und die tatsächliche Ursache für Schmerz zu finden. Er erläutert dafür die myofaszialen Linien, die den Körper durchlaufen und geht auf die Ursprünge des Tapens ein: Angeblich haben schon die alten Griechen bei Verletzungen in Harz getränkte Stoffbänder geklebt.

Was er aber verschweigt: Wissenschaftliche Beweise für die Methode sind rar. Kirstens Erklärung zur Wirkung: Durch Tapen wird nicht nur die bewusste und die unbewusste Aufmerksamkeit immer wieder auf den Problembereich gelenkt, sondern auch verschiedene Rezeptoren in der Haut stimuliert.

Nur für Geschickte

Das Buch lädt auf jeden Fall zur unvoreingenommen Herangehensweise an körperliche Beschwerden und eine kreative Suche nach den Ursachen von Schmerzen ein: Das Tapen der Fußfaszie könnte den Rücken geschmeidiger machen, meint Kirsten zum Beispiel. Der Selbstversuch zeigt aber auch, dass fürs Tapen viel Geschick nötig ist – und ob man es am Ende wirklich richtig macht, ist schwer zu sagen. Ob man sich das Herumprobieren antut, es lieber den Profi machen lässt – oder ganz darauf verzichtet, sei jedem selbst überlassen. (Franziska Zoidl, 25.10.2016)

Robert Kirsten
Faszien-Taping. Wirksame Selbsthilfe bei Muskel- und Gelenkschmerzen

Südwest 2016
144 Seiten, 17,50 Euro

  • Bei den Olympischen Spielen sorgten heuer wieder abenteuerlich bepflasterte Körper für Aufsehen – im Bild eine russische Beach-Volleyball-Spielerin.
    foto: apa/afp/leon neal

    Bei den Olympischen Spielen sorgten heuer wieder abenteuerlich bepflasterte Körper für Aufsehen – im Bild eine russische Beach-Volleyball-Spielerin.

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  • Das Tapen der Fußfaszie könnte den Rücken geschmeidiger machen, meint Kirsten zum Beispiel.
    foto: janulla / istockphoto, istock, www.istockphoto.com

    Das Tapen der Fußfaszie könnte den Rücken geschmeidiger machen, meint Kirsten zum Beispiel.

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