Lieferservice: Essen auf Rädern

9. Oktober 2016, 14:00
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Wie sich der Radfahrstil auf transportiertes Essen auswirkt – und was potenzielle Kunden davon halten

Der Kollege war beleidigt. "Wo ist das Problem? Ich fahr doch leer ..." – dann nahm er das Kopfsteinpflaster auf dem Michaelerplatz. Voll. So wie die Randsteine zuvor. Ich fahre auch so. Nur: Ich habe keinen schwarzrosa Styroporwürfel am Rücken. Der Kollege schon: Der Würfelranzen ist Transportbehältnis und Trademark von Foodora. Foodora ist die Bobo-Version von Essen auf Rädern: Futter aus dem angesagten Beisl vom Bike-Boten. Gegen Aufpreis – und geschüttelt.

Karton-Pizza nach Treppenfahrt

Ob ich Foodora-Kunde sei, hatte der Fahrer an der Ampel gefragt. Ich stellte Gegenfragen: Ob er wisse, wie Karton-Pizza nach Treppenfahrt aussieht. Wie Suppenbecher auf knackige Fuzo-Passantenslaloms reagieren. (Abgesehen von dem, was Passanten davon halten.) Wie sehr kohlensäurehaltige Getränke harten Stop-and-go-Fahrten schätzen. Oder wie jede vorsichtig und aufrecht in eine Kiste gestellte Speise aussieht, wenn die Kiste zum Rucksack wird – und dessen Träger am Rad ständig zwischen aufrechter, Renn- und Downhillposition wechselt.

"Heute voll zivil"

"Also: Nein", zog der Fahrer den falschen Schluss: Ich kenne nämlich die Antworten auf obige Fragen. Und habe mein Konsumverhalten dementsprechend adaptiert. Der Fahrer kalmierte: "Das war vielleicht früher so! Zum Kunden fahren wir heute voll zivil!" Er bunnyhoppte auf den nächsten Gehsteig, war dahin – und versäumte meinen letzten Satz: "Und wer sagt das dem potenziellen Kunden? Der sieht nur, wie du mit hüpfendem Rucksack übers Pflaster fetzt, in jede zweite Kurve driftest – und soll dann bei dir was anderes als Brei bestellen?" (Thomas Rottenberg, 9.10.2016)

  • Wie die Karton-Pizza wohl auf diesen Stunt reagieren würde?
    foto: epa/adrian bradshaw

    Wie die Karton-Pizza wohl auf diesen Stunt reagieren würde?

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