"Gears of War 4" im Test: 1.000 neue und alte Wege zu sterben

10. Oktober 2016, 10:01
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Der neueste Ableger der Shooter-Serie hat eine altbackene Kampagne, aber einen erstklassigen Multiplayer-Modus

Was macht einen guten Shooter aus? Geht es nach dem Großteil der Games-Entwicklerstudios ist ein starker Multiplayer-Modus mittlerweile oberstes Qualitätsmerkmal. Der Einzelspieler wird hingegen zunehmend vernachlässigt. So auch bei der bereits vierten Ausgabe des Shooters "Gears of War". Die Serie hat einen Neustart erfahren – statt Epic Games entwickelt nun das neugegründete Microsoft-Studio "The Coalition" das Spiel. Ferner wurden neue Hauptcharaktere in die Fortsetzung der Story geschickt. Die Herausforderung dabei: Serien-Fans nicht zu vergraulen und auch Neulinge für das Spiel zu gewinnen.

Die Kampagne

"The Coalition" hat dies dahingehend gelöst, dass man auf Altbewährtes setzte und gleichzeitig ein paar Neuerungen implementierte. Besonders spürbar ist dies beim Einzelspieler-Modus. Bei diesem schießt man sich als J. D. Fenix mit Freunden durch die Spielewelt, in der an jeder Ecke Regierungs-Roboter oder Monster lauern. Die Protagonisten stehen als Außenseiter zwischen dem System und den neuen Gefahren in Form von grässlichen Monstern in allerlei Mutationen. Zudem hat sich auch die Natur gegen den Menschen verschworen und versucht mittels imposanten Blitzen und Stürmen die Bewohner auszurotten.

Angesichts der Bedrohungen vertrauen J. D. Fenix und Co auf Waffen in sämtlichen Formen. Fliegende Kettensägen, Lasersniper oder vom Himmel fallende explosive Geschosse – die Gegner lernen schnell, dass es 1000 Wege zu sterben gibt. Mehr um Effekthascherei bemüht sind dabei die besonders brutalen Nahkampfexekutionen.

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Wir spielen die Kampagne von "Gears of War 4".

Öde Einsamkeit

Die Befriedigung aller Splatterfantasien tröstet aber nicht darüber hinweg, dass die Kampagne öde ist und viel zu viel Wiederholung mit sich bringt. Somit schießt man sich durch grafisch imposante Schlachten, zersägt nicht ganz intelligente Gegner, weicht den Gefahren der Natur aus, ist jedoch froh, wenn man wieder ein Level hinter sich gebracht hat. Solide aber repetitiv beschreibt die circa neun Stunden lange Kampagne wohl am besten. Lobenswert ist neben der Grafik allerdings, dass man zu zweit an einer Konsole mittels Split-Screen spielen kann – ein Feature, das heute kaum mehr Anwendung findet. Online darf man sogar zu viert antreten.

Der Multiplayer-Modus

Den dauerhaften Spielspaß, den man bei der Kampagne vergeblich sucht, findet man dafür in geballter Form beim Multiplayer-Modus. Herzschlagfinale und durchgehend spannende Auseinandersetzungen sind hier aufgrund des ziemlich perfekten Matchmaking und neuer ausbalancierter Waffen gewiss. Zudem kommt aufgrund der verschiedenen Spielemodi keine Langeweile auf – vom schnellen Gefecht bis zum hochtaktischen Kampf ist alles dabei. Spaß machen die Modi auf jeden Fall und erst hier hat man das Gefühl, dass die serientypischen Deckungsgefechte ihr volles Potential entfalten können. Abgerundet wird das Spielerlebnis durch die neuen konterbaren Attacken "Vaulting" und "Grab 'n' Stab", die es erlauben, Gegner hinter Hindernissen zu attackieren oder diese zu sich zu ziehen.

Der Hordenmodus

Auch der von Serien-Fans mit Spannung erwartete neue Horden-Modus ist absolut gelungen. 50 Runden lang versucht man mit seinem Team stetig stärker werdende Gegnerwellen und Bosse zu besiegen. Dabei kommen mehrere Spielerklassen (Sniper, Ingenieur, Heavy et cetera) sowie Hilfsmittel wie Absperrungen und Geschütze zum Einsatz. Nach jeder erfolgten Runde müssen Credits eingesammelt werden, die wiederum für Munition oder neue Apparate verwendet werden können. Wie Zahnräder sind die verschiedenen Klassen aufeinander abgestimmt und man hat durchgehend das Gefühl, ein wichtiger Part des Teams zu sein, ohne dem die Mitspieler verloren sind. Im Laufe der Zeit können Upgrades freigeschaltet werden, die die verschiedenen Klassen verbessern und somit höhere Schwierigkeitsgrade erlauben.

Die Rahmenbedingungen

Als Sahnehäubchen bietet das Spiel auf der Xbox One flüssige 60 Bilder pro Sekunde sowie dezidierte Multiplayer-Server. Auf dem verwendeten Windows-10-Testsystem (AMD FX8350, 16 Gigabyte RAM und einer R9 270x) lief das Spiel ebenso überraschend gut. Bugs oder Abstürze kamen in der einwöchigen Testphase nicht vor. PC-User können sich übrigens mit Xbox-One-Spielern duellieren, ob dies angesichts der unterschiedlichen Steuerung fair ist, sei dahingestellt. Zuletzt wird bei "Gears of War 4" auch auf ein faires DLC-System gesetzt. Die Karten beim Multiplayer-Modus werden durchrotiert, Season-Pass- und Ultimate-Version-Besitzer können sich alte Maps sichern und für Freunde freischalten, auch wenn diese nur die Standard-Version innehaben.

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Der neue Hordenmodus.

Fazit

Trotz großer Ankündigung eines Neuanfangs liefert The Coalition ein mit "Gears of War 4" eine eher konservative Fortsetzung, die sehr an Vorgänger erinnert und wenige Neuerungen mit sich bringt. Dies ist besonders beim Singleplayer-Modus spürbar, der solide generisch ausgefallen ist. Hier wäre durchaus mehr möglich gewesen. Positiv fallen hierbei die audiovisuelle Gestaltung und die Möglichkeit auf, sich gemeinsam mit Freunden durchzuballern. Die neue Spielewelt mitsamt der feindlichen Natur kann sich durchaus sehen lassen. Beim Multiplayer-Modus überwiegen hingegen die positiven Aspekte, hier hat das kanadische Entwicklerstudio hervorragende Arbeit geleistet. Juwel von "Gears of War 4" ist der kooperative Horden-Modus. Insgesamt ist der neueste Ableger der Serie ein guter Shooter geworden, der Fans bestens bedient, aber wohl kaum Spieler für sich gewinnen wird, die schon bisher nichts mit der Serie anfangen konnten. (Daniel Koller, 10.10.2016)

"Gears of War 4" erscheint am am 11. Oktober für Xbox One und PC. UVP: ab 59,99 Euro.

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Gears of War 4 (Amazon)

Gears of War

Nachlese

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