Ein Skunk, den Donald Trump noch nicht beleidigt hat

Kolumne7. Oktober 2016, 11:41
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Frische Polit-Rhetorik

Fairness muss sein. Wenn man schon dauernd wegen dessen politischen Ansichten auf Donald Trump herumhackt, sollte man auch gelegentlich seine guten Seiten würdigen – und seien es nur Äußerlichkeiten.

Trump war zeit seines Leben eine grazile Erscheinung und sieht selbst mit 70 noch so elegant aus wie eine Kreuzung aus einem Wischmop (Frisur) und einem Wasserbüffel (Antlitz). Seine fein geschnittenen Gesichtszüge verraten ein reich ausdifferenziertes Innenleben, und zudem befleißigt er sich eines gemäßigten sprachlichen Ausdrucks, der im Zweifel eher auf Zurückhaltung setzt denn auf Emphase. Die Schauspielerin Rosie O'Donnell hat er eine "fette Sau" genannt. Er hätte sie ja auch eine "gottverdammte fette Drecksau" nennen können.

Trotz dieser für Trump typischen nachdenklichen Töne wird man nicht leugnen können, dass der Mann, so wie der philippinische Präsident Rodrigo Duterte, eine gewisse Robustheit in den politischen Diskurs eingespeist hat. Manchmal haben die Amerikaner Schwierigkeiten, wenn sie sich fragen, welche Person, welche Institution, welchen Staat, welches Gestirn, welches Tier, welche Pflanze und welches Mineral Trump in den vergangenen Monaten eigentlich noch nicht beleidigt hat. Nicht auszuschließen, dass ein vereinzelter Skunk in North Dakota, ein entlegener Saguaro-Kaktus in New Mexico oder ein noch unbekannter Kleinkomet hinter dem Jupiter bisher ungeschoren davongekommen ist.

Sollte dieser kostbare Mann US-Präsident werden, dürfen wir uns alle darauf freuen, dass die verzärtelte Rhetorik der herkömmlichen Diplomatie einem frischen, unverbrauchten Sprachgebrauch weichen wird. Beim Briefing des Präsidenten mit seinen außenpolitischen Beratern, zum Beispiel ("Welche Arschgeigen stehen als nächste auf der Besucherliste?" "Erst der Ziegenficker aus Istanbul, dann der Hiefler aus Peking").

Oder bei Festtagsreden vor der Uno ("Wenn der Buschneger da drüben nicht bald die Schnauze hält, nuke ich sein Land in Grund und Boden"). Oder in der Ansprache zur Lage der Nation ("Fresst nicht so viele Cheeseburger, ihr Duschbeutel, ihr werdet ja fett wie ein vietnamesisches Hängebauchschwein"). Ein wenig gewöhnungsbedürftig wird dieser Tonfall schon werden. Aber der Mann sieht gut aus, das muss man ihm lassen. (Christoph Winder, 7.10.2016)

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