Mangelnde Digitalisierung vertreibt Talente

13. Oktober 2016, 09:00
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Unternehmen, die keine Strategie für die Digitalisierung haben, sind für begehrte Talente nicht attraktiv, sagt eine aktuelle Studie

Vielen Unternehmen fehlt noch immer eine adäquate Digitalisierungsstrategie. Dies hat laut dem "Digital Business Report" negative Auswirkungen auf die Mitarbeiterfluktuation: Mehr als die Hälfte der Angestellten von Unternehmen mit niedrigem Digitalisierungsgrad wollen demnach in den nächsten drei Jahren kündigen.

Bei den Führungspositionen zeigt sich ein ähnliches Bild: Ein Drittel der befragten Führungskräfte plant, den Arbeitgeber im nächsten Jahr zu verlassen, sollten nicht ausreichend Ressourcen und Möglichkeiten zum digitalen Wandel geschaffen werden. Das zeigt der "Digital Business Report" von Deloitte und MIT Sloan Management Review. Der Report basiert auf einer weltweiten Befragung von 3700 Führungskräften und Mitarbeitern aus 131 Ländern.

Auf ins Neue

"Viele Mitarbeiter und Führungskräfte sind bereit ihr Unternehmen zu verlassen, wenn dieses den digitalen Anschluss verpasst", warnt Julian Mauhart, Partner bei Deloitte Österreich. "Dieser globale Trend kommt auch immer mehr in Österreich an. Die Notwendigkeit zum digitalen Fortschritt hat sich in den Köpfen verfestigt, jetzt müssen in den Unternehmen Taten folgen – denn die Mitarbeitermobilität nimmt stetig zu." Zumindest bei den wenigen, die wählen können: Der große Rest dürfte nicht so großzügig planen können – wenn denn ihr Job nicht ohnedies demnächst der Digitalisierung zum Opfer fällt.

Ein Blick auf den Digitalisierungsgrad der Unternehmen zeigt, dass viele noch nicht bereit für die digitale Transformation sind. Nur 52 Prozent der Unternehmen haben eine klare und kohärente Digitalisierungsstrategie. 29 Prozent geben an, überhaupt keine digitale Strategie zu haben. Weitere 19 Prozent konnten keine klare Aussage dazu machen.

Gut auf die Digitalisierung vorbereitete Unternehmen haben deutlich bessere Chancen, neue qualifizierte Mitarbeiter zu finden. 71 Prozent der Unternehmen mit klarer Digitalisierungsstrategie schaffen es, damit die Aufmerksamkeit von Bewerbern auf sich zu ziehen. Unternehmen im digitalen Anfangsstadium fällt dies bedeutend schwerer (zehn Prozent). "Den Kampf um die besten Talente entscheiden Arbeitgeber für sich, die technologisch am Puls der Zeit sind", sagt Julian .

Nicht nur ein IT-Thema

Um im Digitalisierungswettlauf mithalten zu können, müssen Unternehmen ihre Prozesse auf allen Ebenen entsprechend adaptieren. Der Report identifiziert fünf entscheidende Faktoren: Strategie, Aufgaben und Erwartungen, Kultur, Personalentwicklung und Struktur müssen im Prozess der digitalen Transformation ineinandergreifen. So muss die digitale Strategie in die gesamte Unternehmensstrategie eingebunden werden, die Aufgaben in gemeinsamen Projekten und nicht in abgeschotteten Silos abgewickelt werden, die Kultur offen für Fehler und Risiken sein, die Soft Skills der Mitarbeiter aufgewertet und die Strukturen flexibler werden.

"Entscheidend ist auch der Fokus auf Aspekte der Unternehmenskultur und Personalentwicklung. Klarheit über den Umgang mit Risiken und Fehlern sowie Klarheit über Aufgaben und Erwartungen aller Beteiligten sind essenziell." (kbau, 13.10.2016)

  • Mehr als die Hälfte der Angestellten von Unternehmen mit niedrigem Digitalisierungsgrad wollen laut dem Digital Business Report von Deloitte in den nächsten drei Jahren kündigen.
    foto: istock

    Mehr als die Hälfte der Angestellten von Unternehmen mit niedrigem Digitalisierungsgrad wollen laut dem Digital Business Report von Deloitte in den nächsten drei Jahren kündigen.

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