Röntgenlaser "European XFEL" feierlich eröffnet

7. Oktober 2016, 12:23
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3,4 Kilometer lange Anlage soll Wissenschaftern neue Forschungsmöglichkeiten bieten

Hamburg – Der 1,22 Milliarden Euro teure Röntgenlaser "European XFEL" soll Forschern künftig vieles ermöglichen: Atomare Details von Viren und Zellen entschlüsseln, dreidimensionale Aufnahmen vom Nanokosmos machen und untersuchen, wie Vorgänge im Inneren von Planeten vonstattengehen. Am Donnerstag wurde die Anlage bei Hamburg feierlich eröffnet.

Durch das Schießen von 27.000 Laserblitzen in der Sekunde und einer milliardenfach höheren Leuchtstärke als bei herkömmlichen Röntgenstrahlungsquellen durch einen 3,4 Kilometer langen Tunnel wollen Forscher künftig die Nanowelt verstehen. Damit soll der Laser etwa zu Erkenntnissen in der Klima- und Medikamentenforschung beitragen.

Derzeit beteiligen sich elf Länder an dem Projekt. Die Kosten in Höhe von 1,22 Milliarden Euro trägt Deutschland zu rund 60 Prozent. Von den weiteren zehn beteiligten Ländern ist Russland mit 27 Prozent der größte Geldgeber.

"Heute ist ein wichtiger Tag für die Wissenschaft und Wissenschafter in Europa und auf der ganzen Welt. Wir erwarten mit Spannung die ersten Experimente", sagte der stellvertretende polnische Minister für Wissenschaft und Bildung, Piotr Dardzinski, als Vertreter eines der Geberländer.

Start Anfang nächsten Jahres

Der erste Elektronenstrahl soll Anfang 2017 durch die Tunnelanlage gehen, einige Zeit später der erste, durch sogenannte Undulatoren erzeugte Röntgenstrahl folgen. Die gemeinnützige Forschungsorganisation European XFEL GmbH wird bei Inbetriebnahme rund 280 Menschen beschäftigen. Sie arbeitet eng mit dem Forschungszentrum DESY in Hamburg zusammen.

Der Laser wird nach Angaben von Sprecher Bernd Ebeling der größte und leistungsfähigste Linearbeschleuniger weltweit sein. "Was wir mit dem Laser sehen werden, ist viel besser als das, was die NASA derzeit im Orbit erkennen kann", sagte der Vorsitzende des DESY-Direktoriums, Helmut Dosch. Die USA und Japan haben bereits derartige Anlagen, allerdings nicht mit der Kapazität. Auch Korea und die Schweiz bauen eigene Röntgenlaser. (APA, red, 7.10.2016)

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