Friedensnobelpreis geht an Kolumbiens Präsidenten Santos

7. Oktober 2016, 12:26
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Auszeichnung für Verhandlung des Friedensvertrags mit den Farc-Rebellen

Oslo – Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an den kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos für seine entschlossenen Anstrengungen, den mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkrieg in seinem Land zu beenden. Das teilte das norwegische Nobelpreiskomitee am Freitag mit. Die Anerkennung gelte auch dem kolumbianischen Volk, das die Hoffnung auf Frieden nicht aufgegeben habe, sowie den zahlreichen Opfern des Krieges.

Santos hatte nach zähen Verhandlungen jüngst ein Friedensabkommen mit den Farc-Rebellen geschlossen. Nach der Aushandlung des Vertrags hatte eine Auszeichnung Santos' als wahrscheinlich gegolten. Nachdem die Kolumbianer in einem Referendum aber mit knapper Mehrheit gegen den Vertrag gestimmt hatten, waren Beobachter von geringeren Chancen für den Friedensnobelpreis ausgegangen. Die Ablehnung des Vertrags durch die Bevölkerung heiße nicht zwangsläufig, dass der Friedensprozess damit am Ende sei, teilte das Nobelpreiskomitee mit.

"Wir sind sehr nah dran"

Der Anruf erreichte Santos wegen der Zeitverschiebung mitten in der Nacht. "Die Botschaft ist, dass wir durchhalten müssen, um ein Ende dieses Krieges zu erreichen", sagte Santos am Freitag im Interview mit einem Mitarbeiter der Nobelpreis-Website. "Wir sind sehr nah dran. Wir müssen nur ein bisschen weitermachen, und das hier ist ein großartiger Ansporn, um das Ende zu erreichen und mit dem Aufbau von Frieden in Kolumbien zu beginnen." Er nehme den Preis im Namen all seiner Landsleute entgegen.

Die Unterstützer des Friedensvertrags feierten die Auszeichnung auf den Straßen Kolumbiens. Die Farc reagierte verhalten. "Der einzige Preis, den wir anstreben, ist der Frieden mit sozialer Gerechtigkeit ohne Paramilitarismus, ohne Vergeltung und Lügen", twitterte der vom Nobelkomitee nicht berücksichtigte "Timochenko".

Gratulationen aus dem Ausland

International wurde gratuliert. Der scheidende Un-Generalsekretär Ban Ki-moon sagte: "Der Friedensprozess sollte die ganze Welt inspirieren." Die Auszeichnung solle allen Beteiligten zeigen, dass sie schon viel zu weit gekommen seien, um nun wieder umzukehren. Der Preis komme zu einem kritischen Zeitpunkt; die Kolumbianer erhielten dadurch die "benötigte Hoffnung und Ermutigung". Das Ergebnis der Volksabstimmung dürfe die "Millionen von Kolumbianern, die ein friedliches Land aufbauen wollen, nicht spalten". Es sei ein Appell an alle Beteiligten, die hart am Frieden in Kolumbien arbeiten würden: Die Bemühungen dürften erst aufhören, wenn der Friedensprozess zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen sei.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz schrieb auf Twitter: "Respekt für beides, die ruhige und gefasste Reaktion von Juan Manuel Santos auf das Referendumsergebnis und sein totales Engagement, ein Friedensabkommen zu erreichen."

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) schrieb auf Facebook, der Friedensnobelpreis für Santos sei "eine Anerkennung für seinen unermüdlichen Einsatz im Friedensprozess seines Landes. Und es ist eine klare Forderung, dass dieser Prozess nicht abreißen darf, sondern weitergehen muss."

Mehr als 220.000 Tote

Der längste bewaffnete Konflikt Lateinamerikas forderte mindestens 220.000 Menschenleben. Millionen wurden vertrieben und die wirtschaftliche Entwicklung des öl- und kohlereichen Landes gebremst.

Die Osloer Jury hatte sich heuer unter einer Rekordzahl von Anwärtern entscheiden müssen. 376 Kandidaten – 228 Personen und 148 Organisationen – waren für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen worden. Nur wenige Nominierungen wurden im Vorhinein bekannt. Wie die anderen Nobelpreise wird der mit acht Millionen schwedischen Kronen (etwa 850.000 Euro) dotierte Friedensnobelpreis am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel, verliehen. (red, APA, 7.10.2016)

  • Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos erhält den diesjährigen Friedensnobelpreis.
    foto: handout via reuters

    Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos erhält den diesjährigen Friedensnobelpreis.

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