Zweifel an Weitergabe, aber: NSA-Mitarbeiter hortete jahrelang Daten

7. Oktober 2016, 09:54
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Der festgenommene externe Mitarbeiter soll nichts verraten haben, ihm drohen dennoch elf Jahre Haft

Die Ermittler des FBI staunten nicht schlecht, als sie vor wenigen Wochen das Anwesen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Harold M. durchsuchten: Sie fanden unzählige als geheim eingestufte Dokumente, die teils sogar aus den 1990er-Jahren stammten. Der Veteran und Geheimdienst-Mitarbeiter ist offenbar ein krankhafter Sammler, der damit auf jeden Fall schwere Gesetzesverstöße begangen hat. Ihm drohen bis zu elf Jahre Haft, weil er geheime Dokumente aus einem sicheren Ort entfernt hatte.

Zweifel an Weitergabe

Doch Ermittler zweifeln mittlerweile daran, dass Harold M. die internen Akten und Schadprogramme tatsächlich weitergegeben hat. Laut seiner Ex-Frau sei der ehemalige NSA-Mitarbeiter "sehr patriotisch", er habe die Dokumente wohl nach Hause mitgenommen, um "nachts zu arbeiten". Die Ermittler prüfen nun, ob sich jene zwei Leaks, die besondere Sorge hervorgerufen haben, unter den von M. entfernten Dokumenten befinden: Einerseits Schadprogramme der NSA, die von einem Hacker namens "ShadowBrokers" verkauft wurden; andererseits eine Liste an NSA-Zielen samt Abhörprotokollen, die auf Wikileaks veröffentlicht worden ist.

Selbst ausspioniert?

Es könnte durchaus sein, dass M. selbst Opfer von Spionage wurde. Natürlich nehmen russische oder chinesische Geheimdienste die Mitarbeiter von US-Behörden unter die Lupe. M. soll daheim über "schwache IT-Sicherheitsstandards" verfügt haben, berichtet die New York Times. Deshalb droht ihm auch eine Strafe, selbst wenn er nicht aktiv Dokumente weitergegeben hat. Kritiker der US-Justiz bekritteln, dass für Whistleblowing und Sicherheitsverstöße massiv divergierende Strafen verhängt werden.

Während Wikileaks-Whistleblowerin Chelsea Manning etliche Jahre hinter Gitter muss und Edward Snowden im russischen Exil ausharrt, kamen etwa US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, die IT-Sicherheitsstandards mit einem privaten E-Mail-Server umging; sowie Ex-General David Petraeus, der seiner Geliebten Infos weitergab, äußerst milde davon. (fsc, 7.10.2016)

  • In der NSA herrscht momentan helle Aufregung, weil erneut Ex-Mitarbeiter Daten mitgehen ließen
    foto: reuters/downing

    In der NSA herrscht momentan helle Aufregung, weil erneut Ex-Mitarbeiter Daten mitgehen ließen

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