Wo das Datenzentrum zum Investorenobjekt wird

7. Oktober 2016, 09:11
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Gute Stimmung beim Branchentreff Expo Real in München: Investoren wollen reichlich Geld anlegen – doch das Angebot ist knapp

Wie bei allen Immobilien geht es auch bei Datenzentren um Lage, Lage, Lage – allerdings um eine etwas andere als bei Büro- oder Wohnimmobilien: "Es zählt weniger die Nähe zum öffentlichen Personennahverkehr", erklärte Rupprecht Rittweger, CEO von e-shelter facility services, das Datenzentren in Deutschland, der Schweiz und Österreich betreibt, auf dem Podium der Immobilienmesse Expo Real. Diese ging kürzlich in München mit 39.000 Besuchern aus 77 Ländern über die Bühne.

Denn bei Datenzentren zählt die Verfügbarkeit von ausreichend Strom, die Nähe zu Telekommunikationsanbietern und die "Sicherheitslage", so Rittweger. Das bedeutet: Ein Datenzentrum darf nicht in einer Einflugschneise oder in der Nähe einer Chemiefabrik gebaut werden. Die Gefahr von abstürzenden Flugzeugteilen oder Chemieunfällen wäre zu groß, so Rittweger.

Parkhäuser und Gesundheitsimmobilien

Warum das unter regem Interesse auf dem Podium einer Immobilienmesse diskutiert wurde? Weil Investoren über viel Geld verfügen – das Angebot an passenden Anlageobjekten in den Kernmärkten aber zunehmend knapp wird. Das treibt die Preise in die Höhe und senkt die Renditen – und macht die Branche erfinderisch: Neben den Klassikern – Office- und Retailflächen sowie zunehmend auch Wohnimmobilien – wurde auf der Expo Real auch über Parkhäuser, Gesundheitsimmobilien, Studentenresidenzen und Mikroapartments für Pendler diskutiert.

Allesamt Wachstumsbranchen, wovon man auf den Podien überzeugt war: Immer mehr Daten wollen in Rechenzentren gehegt und gepflegt werden. Immer mehr ältere Menschen müssen in Pflegeeinrichtungen unterkommen. Immer mehr ausländische Studierende – etwa aus China – brauchen Mikroapartments, weil der Wohnungsmarkt zu wenig Angebote bereithält. Auch Parkflächen scheinen weiterhin gefragt: "Auch Carsharing-Autos müssen irgendwo parken", erklärte ein Eigentümer.

Unsicherheit nach Brexit

Der Brexit war erwartungsgemäß das große Thema: "Die Situation ist nicht so dramatisch, wie die Menschen gedacht haben", berichtete Christopher Bell vom Immobilienberater Knight Frank dem Standard. Man sei nun "vorsichtig optimistisch".

"Die Unsicherheit ist das Schlimmste, was man einem Markt antun kann", sagte Nico Rottke, Partner bei Ernst & Young Real Estate. Viele Investoren würden in Großbritannien vorerst lieber abwarten. Dass nun sämtliche Player nach Dublin oder Frankfurt umzögen, hält er dennoch für eine Mär: "Egal, was passiert, London wird niemals bedeutungslos werden."

Zumindest kurzfristig ist das Interesse von Investoren am britischen Markt gesunken. Der Investorenfokus liegt auf Kontinentaleuropa. "Das Einzige, was mich mit Sorge erfüllt: Es geht der Branche zu gut", meint UBM-CEO Thomas Winkler bei einem Pressegespräch. Eugen Otto, Geschäftsführer von Otto Immobilien, sieht einen "stetig wachsenden Stellenwert" Österreichs: "Wir werden absolut ernst genommen – auch für größere Investitionen."

Michael Zöchling, Geschäftsführer von Bareal Immobilien, dürfte das freuen: Sein Unternehmen wurde mit dem Verkauf des Wiener DC Tower, der seit kurzem zu 90 Prozent vermietet ist, betraut. Auf der Messe führte sein Team Gespräche mit rund hundert Investoren – "primär aus dem nordamerikanischen Raum oder aus Asien". Zöchling rechnet nun mit einem Closing im ersten Quartal 2017. Zu den Preisvorstellungen will er nichts verraten: "Das wird uns der Markt zeigen."

Zu wenige Wohnungen

Zunehmend sind auf der Expo Real auch Wohnimmobilien Thema – auch in Zusammenhang mit Flüchtlingen. In den großen deutschen Städten werde nach wie vor zu wenig gebaut, resümierte Michael Voigtländer, Immobilien-Experte am Institut der deutschen Wirtschaft.

Man sei auf privates Geld für den Wohnungsbau angewiesen, sagte Joachim Seeler, Hamburger SPD-Politiker und geschäftsführender Gesellschafter der HSP Hamburg Invest GmbH: "Aber darum müssen wir in der Immobilienwirtschaft noch werben." Denn mit Flüchtlingen wollten viele kein Geld verdienen.

Am Ende einer anderen Diskussion will ein Zuhörer wissen, ob denn auch Selfstorage-Flächen eine Option für Investoren sein könnten. "Interessante Frage. Das heben wir uns fürs nächste Jahr auf", hieß es seitens der Experten. So ist am Ende der Expo Real zumindest eines klar: Die Suche nach neuen Assetklassen geht weiter. (Bernadette Redl und Franziska Zoidl, 7.10.2016)

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