Zwei Arnautovic-Tore für einen Punkt

6. Oktober 2016, 23:01
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Seit 13 Qualifikationsspielen ist das ÖFB-Team nun schon ungeschlagen. Das 2:2 (1:2) in Wien gegen Wales hat die Hoffnungen auf ein Ticket für die WM 2018 aber nicht genährt. Marko Arnautovic glänzte mit zwei Toren. Am Sonntag geht's in Belgrad gegen Serbien

Wien – "Wir können zufrieden sein, vor allem mit unserem Spiel, aber nicht mit dem Ergebnis." Teamchef Marcel Koller brachte es auf den Punkt. Vieles hatte funktioniert, so wurde etwa auch, wie Marc Janko gehofft hatte, die Zahl der Lichtblicke des famosen Gareth Bale niedrig gehalten. Hat Bale einmal den Ball, frage nicht, da geht die Post ab.

Koller hatte sich diesbezüglich etwas einfallen lassen. Er verzichtete auf Markus Suttner, den Nachfolger des zurückgetretenen Christan Fuchs, als Linksverteidiger. Suttner hätte aufgrund seiner Position Bale sehr oft gesehen, zumindest aus der Ferne und von hinten. Er sah ihn von der Bank aus. Dem Selbstvertrauen des Ingolstadt-Legionärs dürfte diese Maßnahme nicht gerade förderlich gewesen sein, aber Fußball ist kein Einzelschicksal, sondern ein Mannschaftssport.

Wimmer links hinten, Sabitzer rechts vorne

Koller gab Kevin Wimmer eine Chance, er ist eigentlich Innenverteidiger und bei Tottenham im besten Fall Reservist, oft gehört er nicht dem Kader an. Aber er kann beißen. Wimmer sollte von den Kollegen natürlich Unterstützung erhalten, denn Bale ist nur im Verbund zu stoppen. Den Posten des verletzten Martin Harnik am rechten Flügel nahm erwartungsgemäß Marcel "Ich bin ein Mentalitätsmonster" Sabitzer ein.

Sauwetter in Wien und somit auch über und in dem mit 44.200 Zuschauern fast ausverkauften Happel-Stadion. Regen, Wind, Kälte, man konnte die Bedingungen britisch oder walisisch nennen. Fußball findet bekanntlich auch im Kopf statt, die Gäste mussten in ihren ungeliebten grauen Dressen antreten, in dem Gewand haben sie dreimal verloren, Teamchef Chris Coleman will diese Stofffetzen "eigentlich nie mehr sehen". Objektiv betrachtet sind sie ästhetisch wertvoll. Er legte übrigens Wert darauf, dass der Einzug ins EM-Semifinale in der WM-Qualifikation überhaupt keine Rolle mehr spiele, betonte, "dass Österreich als Heimmannschaft den Druck hat".

Die Partie startete sehr intensiv, Bale wechselte die Positionen, mal rechts, mal links, dann ließ er sich zentral zurückfallen. 6. Minute: Corner David Alaba, Wimmer prüft den walisischen Keeper Wayne Hennessey. 7. Minute: Corner auf der anderen Seite, Bale zwingt Robert Almer zu einem wunderbaren Reflex. Danach kehrte ein wenig Ruhe ein, man neutralisierte einander, der österreichische Aufbau stockte, die Präzision ließ zu wünschen übrig. 22. Minute: Bale lässt den indisponierten Aleksandar Dragovic stehen, ab die Post, Flanke, der Ball gelangt zu Joe Allen, der trifft aus rund 20 Metern auf spektakuläre Weise zum 0:1. Allen ist bei Stoke Mannschaftskollege von Marko Arnautovic.

28. Minute: Alaba schlägt einen Pass genial in die Tiefe, sein Spezi Arnautovic köpfelt das 1:1, es war sein zwölfter Treffer im Team. Die Österreicher hatten danach weitere gute Szenen, ein Flachschuss von Zlatko Junuzovic war nur ein Beispiel. 45. Minute, der Schock: Weiter Outeinwurf Bale, die Abwehr ist ein Haufen wild gewordener Hühner, James Chester köpfelt aus kurzer Distanz, Almer pariert, der Abpraller trifft den liegenden Wimmer und kollert zum 1:2 über die Linie. Pause.Die Österreicher kamen überhaupt nicht geschockt aus der Kabine. Und auch Wales kann prächtig patzen. 48. Minute: Haarsträubender Fehler im Mittelfeld, der großartige Arnautovic schnappt sich den Ball, Bale-artig startet er durch, macht abgeklärt das 2:2.

Neue Kräfte: Özcan, Schöpf und Schaub

58. Minute. Tormannwechsel, Ramazan Özcan ersetzt den angeschlagenen Almer. Das Match blieb unterhaltsam und ausgeglichen. 79. Minute: Junuzovic geht, Alessandro Schöpf kommt. 87. Minute: Arnautovic darf sich den Applaus abholen, Rapids Louis Schaub debütiert. Österreich ist nun seit 13 Qualifikationsspielen ungeschlagen. Und am Sonntag geht es in Belgrad gegen Serbien weiter.

Die Serben siegten am Donnerstag in Moldau mit 3:0, während sich Irland, ebenfalls in Gruppe D, zu einem 1:0 gegen Georgien plagte. Wales, Serbien, Österreich und Irland halten bei je vier Punkten. Koller: "Es ist noch gar nichts entschieden." Punkt. (Christian Hackl, 6.9.2016)

WM-Qualifikation, Gruppe D, 2. Runde, Donnerstag

Österreich – Wales 2:2 (1:2)
Ernst-Happel-Stadion, 44.200 Zuschauer, SR Cüneyt Cakir (TUR)

Torfolge:
0:1 (22.) Allen
1:1 (28.) Arnautovic
1:2 (45.+1) Wimmer (Eigentor)
2:2 (48.) Arnautovic

Österreich: Almer (58. Özcan) – Klein, Dragovic, Hinteregger, Wimmer – Baumgartlinger, Alaba – Sabitzer, Junuzovic (79. Schöpf), Arnautovic (87. Schaub) – Janko

Wales: Hennessey – Gunter, Chester, B. Davies, A. Williams, Taylor (91. Huws) – Ledley, Allen (56. Edwards), King – Vokes (77. Robson-Kanu), Bale

Gelbe Karten: Arnautovic, Janko bzw. Davies

Stimmen

Marcel Koller (Teamchef Österreich): "Wales ist eine sehr starke Mannschaft, sie waren im EM-Halbfinale. Das hat sich heute gezeigt. Uns ist es heute gut gelungen, nichtsdestotrotz haben sie aus den ersten drei Möglichkeiten zwei Tore gemacht. Unsere Mannschaft hat hervorragend gespielt, wir haben Ruhe bewahrt und haben zweimal einen Rückstand aufgeholt. Wir haben unser Spiel gespielt, konnten den Gegner unter Druck setzen. Wir wussten, dass sie bei Standardsituationen gut sind, dass wir aufpassen müssen. Da müssen wir noch weiter zulegen, das haben wir in der Pause angesprochen. Das haben wir nicht in jeder Situation hinbekommen."

Chris Coleman (Teamchef Wales): "Wir haben schon gewusst, dass Österreich ein gutes Team hat. Selbst haben wir nicht so gut gespielt, wie wir das können, aber wir haben Möglichkeiten gefunden, um einen Punkt mitzunehmen. Österreich war besser, aber bei Standardsituationen haben wir für Gefahr gesorgt. Es ist eine enge Gruppe. Österreich wird am Ende vorne dabei sein, mit Wales und vielleicht Serbien."

Marko Arnautovic (Doppeltorschütze Österreich): "Wir haben eine sehr gute Leistung gebracht, ich denke das haben alle im Stadion gesehen. Wir haben uns mehr verdient, aber leider ist das dritte Tor nicht gelungen. Auf dieser Leistung könne wir aufbauen, ich denke, wir haben einen Schritt nach vorne gemacht."

Julian Baumgartlinger (Kapitän Österreich): "Ich denke, wir haben eine gute Partie gemacht, waren taktisch gut eingestellt. Bei Standardsituationen kommt es auf den letzten Schritt, auf die letzte Fokussierung an. Man muss in jeder Situation da sein, von Anfang an. Das hat uns bei der EURO gegen Island (1:2, Anm.) schon etwas gekostet. Wir sind zurück gekommen und haben uns noch die Chance auf den Sieg erarbeitet. Aber das wird ein Ansatz sein."

Kevin Wimmer (Verteidiger Österreich, zum Eigentor): "Nach einem langen Einwurf wurde der Ball verlängert, ich bekam einen Stoß von hinten und fiel zu Boden. Dann sprang mir der Ball an den Oberschenkel und ins Tor. Es war eine unglückliche Situation. Zum Glück sind wir zweimal ins Spiel zurückgekommen."

  • Men of the match waren Marko Arnautovic (links), der die österreichischen Tore erzielte, und Gareth Bale, der die walisischen einleitete.
    foto: apa/roland schlager

    Men of the match waren Marko Arnautovic (links), der die österreichischen Tore erzielte, und Gareth Bale, der die walisischen einleitete.

  • Arnautovic sorgte zunächst für den 1:1-Ausgleich.
    foto: apa/roland schlager

    Arnautovic sorgte zunächst für den 1:1-Ausgleich.

  • Später stellte "MA7" mit dem neuerlichen Ausgleich den Endstand her.
    foto: apa/robert jaeger

    Später stellte "MA7" mit dem neuerlichen Ausgleich den Endstand her.

  • Und der Boss war mit dem Stoke-Legionär zufrieden.
    foto: apa/robert jaeger

    Und der Boss war mit dem Stoke-Legionär zufrieden.

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