UN-Gesandter de Mistura will Islamisten aus Aleppo begleiten

6. Oktober 2016, 22:42
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UN-Gesandter bietet persönlichen Einsatz an, um Beschuss der Stadt zu beenden: Die Anwesenheit von 900 Al-Nusra-Kämpfern werde dafür als Ausrede benutzt

Genf – Der UN-Sondergesandte für Syrien ist nach eigenen Worten bereit, in die umkämpfte Großstadt Aleppo zu reisen. Er würde in den Osten der Stadt gehen und bis zu 1.000 islamistische Kämpfer aus dem Gebiet eskortieren, wenn das dem Beschuss durch das russische und syrische Militär ein Ende setze, sagte Staffan de Mistura am Donnerstag in Genf.

Die Geschichte werde darüber urteilen, ob Syrien und Russland die Anwesenheit von rund 900 Al-Nusra-Kämpfern einfach als Ausrede dafür nutzten, um die belagerte Stadt zu zerstören und tausende Menschen zu töten. Unter den Belagerten sind auch etwa 100.000 Kinder.

Altstadt könnte zerstört werden

"In spätestens zwei, zweieinhalb Monaten wird Ost-Aleppo wohl vollständig zerstört sein, wenn der Beschuss so weitergeht", sagte de Mistura. Dies gelte besonders für die weltberühmte Altstadt. Aleppo ist seit Jahren eine gespaltene Stadt, in der Regierungstruppen und Opposition unterschiedliche Gebiete halten.

Ayrault in Moskau

Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault hat dem syrischen Regime ein "blindes Bombardieren" von Aleppo vorgeworfen. "Nichts kann diesen Feuer- und Todessturm rechtfertigen. Diese Grausamkeiten produzieren die Jihadisten von morgen. Die Spirale der Gewalt muss gestoppt werden", forderte er am Donnerstag der Agentur Interfax zufolge in Moskau.

"Mit seinen Attacken, auch auf die Zivilbevölkerung, unterstützt das Regime die Radikalisierung jener, die noch nicht den Terror unterstützt haben", sagte Ayrault bei einem Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. Russland ist enger Partner des syrischen Regimes.

Russland will Dringlichkeitssitzung

Russland hat für Freitag eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats zu Syrien beantragt. Wie Diplomaten mitteilten, soll der UN-Syriengesandte Staffan de Mistura bei der Sitzung per Videoschaltung über die Lage in der umkämpften Großstadt Aleppo berichten.

De Mistura hatte zuvor gewarnt, der Osten von Aleppo werde bis Ende des Jahres "komplett zerstört" sein, sollten die von Russland unterstützten syrischen Regierungstruppen ihre Angriffe wie bisher fortsetzen.

Russland erklärte am Donnerstag, es sei bei einem französischen Resolutionsentwurf für eine Waffenruhe in Aleppo zur Zusammenarbeit bereit. Der französische Außenminister Ayrault war am Donnerstag nach Moskau gereist, um für den Resolutionsentwurf zu werben. Am Freitag wurde er in Washington erwartet.

Der UN-Sicherheitsrat beriet bereits wiederholt über den Entwurf, der auch einen Stopp der Luftangriffe auf Aleppo vorsieht. Russland hatte zunächst erklärt, die Initiative nicht zu unterstützen.

Mit russischer Hilfe hat die Armee den von den Aufständischen kontrollierten Ostteil der einst größten Stadt des Landes eingekesselt und bemüht sich nun, Aleppo mit einer Großoffensive vollständig einzunehmen. Die humanitäre Lage ist Berichten zufolge verheerend. (Reuters, 6.10.2016)

  • Marschbereit: Staffan de Mistura.
    foto: reuters/denis balibouse

    Marschbereit: Staffan de Mistura.

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