Handwerker warten auf Geld: Baustopp bei Lecher Nobelbleibe

7. Oktober 2016, 07:00
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Das Luxushotel "Blumen Haus" steckt schon vor der Fertigstellung in Schwierigkeiten. Die Errichterfirma ist insolvent

Lech – Die Enterprise Holdings ist laut eigener Beschreibung eine Versicherungsboutique. Mit dem "Blumen Haus" in Lech hat sich CEO Andrew John Flowers auch noch ein Boutiquehotel zum Versicherungsgeschäft gegönnt. 25 Millionen Euro stecke er in das "ultimate year-round boutique resort", trommelten die PR-Beauftragten des smarten Briten. Ein zweiteiliges Gebäude, auf alt im Chalet-Stil gemacht, wurde im Lecher Viertel Stubenbach, wo sonst eher das Personal daheim ist, errichtet.

Während die Finanzbehörden in Gibraltar im August bereits der europäischen Enterprise-Tochter EIC wegen Zahlungsunfähigkeit ein Ende bereiteten, berichteten Vorarlberger Medien in Wort und Bild über das ultimative Luxushotel des erfolgreichen Briten. Der wiederum scheint doch nicht so erfolgreich zu sein und überraschte die bauausführenden Firmen mit der bitteren Nachricht, die Betreiberfirma Blumenberg-Anstalt werde mit 4. Oktober am Landesgericht in Vaduz Insolvenz anmelden. Die Handwerker packten ihre Sachen, die Baustelle in Lech steht seit Donnerstag still.

Rund 30 Betriebe, die meisten davon aus Tirol, sollen betroffen sein. Details will man beim Generalplaner OFA in Innsbruck nicht mitteilen. Auf seine Schweigepflicht beruft sich auch Georg Gundolf, Vorstand der Raiba Lech. Die Bank soll dem Briten mit einem Kredit von 8,4 Millionen Euro geholfen haben, schreiben die "Vorarlberger Nachrichten". Gundolf verweist auf das Bankgeheimnis.

Neuer Investor gesucht

Hoteldirektor Herbert Laubichler-Pichler, früher Manager bei einer Magna-Tochter, kann zu den Turbulenzen der Errichterfirma nichts sagen. Er sei nur Geschäftsführer der Betreiberfirma Andeva Gastronomy, die habe mit dem Bau nichts zu tun. Die Andeva wiederum gehört zu 100 Prozent der Bergblumen-Stiftung, einer Familienstiftung, die an der gleichen Adresse in Liechtenstein firmiert wie die Errichterfirma Blumenberg-Anstalt.

"Der Besitzer Herr Flowers", versucht Laubichler zu beruhigen, "hat mir gestern gesagt, dass er auf der Suche nach einem Investor ist." Der solle garantieren, dass das Hotel seinen Betrieb wie geplant aufnehmen könnte. Schließlich kämen jeden Tag drei bis vier Anfragen. Gebucht werden können neun Suiten (zu 30.000 Euro die Weihnachtswoche), ein 400-Quadratmeter-Appartement oder das ganze Haus für 32 Personen für 278.000 bis 412.000 Euro die Woche. Das Haus werde fertiggestellt, betont Laubichler. Und: "Herr Flowers möchte alle bezahlen, kein Handwerker soll auf der Strecke bleiben."

Weg zu Ferienwohnung

Lech-Insider vermuten, dass zur Lebensrettung wohl eine Ferienwohnungswidmung genehmigt wird. Bürgermeister Ludwig Muxel, befragt, ob es sich um eine smarte Umgehung der Ferienwohnungsregelung handeln könnte: "Das kann ich weder bestätigen noch dementieren. Ich weiß nur, dass das Gebäude als Hotel genehmigt wurde und eine Gewerbeberechtigung besteht."

Umgehungen der restriktiven Ferienwohnungsregelung sind in Lech keine Seltenheit, eine davon wird zurzeit von der Staatsanwaltschaft Feldkirch untersucht. (Jutta Berger, 7.10.2016)

  • So soll das "Blumen Haus" in Lech/Stubenbach im Winter aussehen. Noch wird Geld zur Fertigstellung gesucht.
    foto: blumen haus

    So soll das "Blumen Haus" in Lech/Stubenbach im Winter aussehen. Noch wird Geld zur Fertigstellung gesucht.

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