"Girls" endet mit Sexismusdebatte

7. Oktober 2016, 00:00
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Tränenreich verabschiedet sich Lena Dunham von den New Yorker "Girls". Davor wurde die Serienerfinderin wieder Ziel sexueller Anspielungen

New York / Wien – Der Schluss von "Girls" ist zum Weinen. Jedenfalls für Lena Dunham, die Erfinderin der stilprägenden HBO-Serie um eine lebenslustige New Yorker Mädelclique. Tränenreich soll der Abschied gewesen sein, als die letzte Szene abgedreht war und nach sechs Staffeln die Scheinwerferlichter ausgingen. Der Abschied sei frei gewählt, "aber das macht es nicht einfacher", postete Dunham und stellte ein Foto von sich auf Instagram, das sie weinerlich in Nahaufnahme zeigt. Die neuen Folgen kommen im Frühjahr 2017.

Girls Goodbye (1 of 3) It’s 2 am on Friday morning and we just finished shooting Girls. Forever. No insert shots of cell phones or exteriors to grab. We’re not missing a quick shot of Shosh marching down a Soho street. We’re finished. We did it all. Jenni called that final cut, I dropped my costume on our van floors (sorry Kristen, sorry I never hang my damned costume) and we got into our vans to head home for the last time. To say I don't enjoy goodbyes is an understatement. But, as a wise woman once told me, "relish it. We so rarely get to choose our goodbyes." She's right. And we got to choose this one. But that doesn't mean it's easy-- I know I'm not alone in the Girls family when I say this is the end of the largest and most potent chapter of my life so far. Before Girls I had zero identity, zero self-love and an urgent sense of untapped creative desire that kept me up and sweating at night in other people's beds, wondering why vague sexual affirmation wasn’t enough to make me feel human. I had hardly an inkling of the responsibility we take on when we tell stories, or of the power words can have, but what I had- as an obsessed fan of shows from Girlfriends to Felicity to Ally McBeal- was the audacity to think that people might want to see women like my friends and me (broken, imperfect, angry) on television. When we shot our pilot six years ago, I never dreamed that I could be so fulfilled by the process of art-making, of collaboration, of honest expression. And so through this show I developed an identity, gained a new kind of family and began my life in earnest. It's an embarrassment of riches. There are too many essential personnel to name here, and the messages I have for them are far too intimate for this modern venue, but I trust I've made it clear who you are and what you mean to me. If I haven't, please feel free to demand explanations.

Ein von Lena Dunham (@lenadunham) gepostetes Foto am

Über Dunhams Zeit danach gibt es bis dato nur vage Andeutungen. Dunham sagte, sie wolle in Zukunft schreiben, Regie führen und schauspielen.

Die Zeit davor dokumentierte sie umso expliziter. Nur wenige Tage vor der Abschiedsszene beobachtete Girls-Produzentin Jenni Konner, wie Dunham am Rande des Sets mit der dreisten Anmache eines Filmschaffenden konfrontiert wurde. Der namentlich nicht genannte Regisseur habe Dunham zum Abendessen mit einer Schauspielerin eingeladen, mit der er zusammenarbeite. Dunham solle sie überreden, "ihre Titten" oder zumindest "etwas Vag’" im TV zu zeigen und fügte hinzu: "Du würdest alles zeigen. Sogar dein Arschloch", schrieb Konner im "Lenny Letter"-Newsletter.

foto: zdf neo / hbo
Lena Dunham, Autorin und Hauptdarstellerin der HBO-Serie "Girls".

Dunham polarisiert mit freizügig-feministischem Spiel über die Geschlechter und wird dafür im Netz offen angegriffen. Mit der Geschmacklosigkeit wird eine Debatte befeuert, die Hollywood seit geraumer Zeit über Sexismus in Film und TV führt.

Schauspielerinnen und Filmschaffende wie Sandra Bullock, Helen Mirren, Chloë Sevigny, Reese Witherspoon und Maggie Gyllenhaal gingen mit Vorwürfen an die Öffentlichkeit. Sevigny sagte etwa, die Wahrscheinlichkeit, eine Rolle zu bekommen, steige, je eher man bereit sei, sich nackt vor der Kamera zu zeigen. Frauen hätten schlechtere Karrierechancen und bekämen überdies weniger bezahlt, sagte "Dr. House"-Darstellerin Olivia Wilde auf Spiegel.de.

foto: reuters / regis duvignau
Die Schauspielerin Chloë Sevigny.

Was geht diesbezüglich in Österreich ab? Früher entspannter, erinnert sich etwa Filmgröße Kitty Kino auf STANDARD-Anfrage. Sie habe Drehs "nicht als sexuell aufgeladen" erlebt. Sogar bei Sexszenen seien "alle gelassen geblieben. Kameramänner haben nicht einmal hingeschaut. Die wollten ihre Arbeit machen und dann nach Hause gehen."

Filmemacherin Kitty Kino mit der Schauspielerin Marie Colbin 2013.

Dass sich zwei am Set gefunden hätten, sei hingegen des Öfteren passiert. Wogegen sich die Regisseurin sehr zur Wehr setzen musste, waren "Machosprüche". Gegen solche habe sie sich oft durchsetzen müssen, sagt Kitty Kino. Dass die "Besetzungscouch" beim Film benutzt worden sei, sei ihr bekannt – aber nur vom Hörensagen.

Und auch heute scheint sich alles eher auf freundschaftlicher Basis im Schmähbereich abzuspielen. Amerikanische Verhältnisse gibt es nach STANDARD-Infos in Österreich jedenfalls nicht. Anders verhält es sich beim Thema Gage: Gleiche Bezahlung bei Film und Fernsehen muss sich so manche Frau erst erstreiten. (Doris Priesching, 6. 10.2016)

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