"Battlefield 1"-Interview: "Werde es mir nicht entgehen lassen, mit mir selbst zu spielen"

Interview19. Oktober 2016, 12:06
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"Game of Thrones"-Darsteller Tom Wlaschiha im Interview über seine Rolle im Kriegsspiel "Battlefield 1" als Lawrence von Arabien

Der deutsche Schauspieler Tom Walschiha ist am besten durch seine "Game of Thrones"-Rolle als mysteriöser Assassine Jaqen H'ghar bekannt. Im Erster-Weltkrieg-Shooter "Battlefield 1" übernimmt er die Sprechrolle des Offiziers T. E. Lawrence, besser bekannt als Lawrence von Arabien, der im Ersten Weltkrieg die arabischen Stämme gegen die Osmanen in den Krieg führte. Im Gespräch mit dem GameStandard spricht Wlaschiha über seine Kampagne, in deren Zentrum eine Beduinenkriegerin steht, seine Motivation Spiele zu synchronisieren, die verschiedenen Kriegsschauplätze im Ersten Weltkrieg und sein Überleben in "Game of Thrones".

foto: reuters
Tom Wlaschiha ist bekannt für seine Rollen in "Game of Thrones" und "Tatort".

STANDARD: In "Game of Thrones" spielen Sie einen Mann ohne Gesicht. Jetzt haben Sie in "Battlefield 1" eine reine Sprechrolle als Lawrence von Arabien. Ist ihre nächste Rolle in einem Stummfilm?

Wlaschiha: Das ist eine sehr interessante Schlussfolgerung. Vielleicht bin ich ja jetzt auf die Gesichtslosen abonniert.

STANDARD: Was hat Sie an der Rolle in "Battlefield 1" gereizt?

Wlaschiha: Zunächst hat es mich am Beginn gereizt, dass ich noch nie ein Game synchronisiert habe. Die Synchronisation von Computerspielen wird ein immer größerer Markt und bietet damit auch für Schauspieler immer mehr Möglichkeiten, sich in diesem Feld zu betätigen.

Dann fand ich den Charakter des T. E. Lawrence sehr reizvoll, da mich per se möglichst komplexe Figuren interessieren. Wenn ich ein Drehbuch lese oder Rollen auswähle, sprechen mich gebrochene Charaktere an. Also jene, die viele Widersprüche in sich vereinen und eine solche Person ist Lawrence von Arabien. Er kommt aus der britischen Upper Class, verfolgt eine Karriere bei der Armee und landet in Nordafrika und auf der arabischen Halbinsel. Dort wird er zum Anführer der arabischen Stämme und schafft es, diese zu vereinigen und sie gegen die eigentlich technisch überlegenen Osmanen ins Feld zu führen.

ea - electronic arts (deutsch)
Video: Tom Wlaschiha spricht Lawrence von Arabien.

Das Dritte, was mich an "Battlefield 1" interessierte, und das ist bei jedem Synchronisationsjob der Fall, ist es, nur mit der Stimme eine Figur lebhaft zu machen. Wo man sonst Gestik und Mimik noch zur Verfügung hat, muss man es irgendwie bewerkstelligen, so eine Figur nur über die eigene Stimme lebendig werden zu lassen.

STANDARD: Ist Videospielsynchronisation heute einfach nur ein Job wie jeder andere für einen Schauspieler? Haben Hollywood-Stars wie Kevin Spacey, der in "Call of Duty" einen Bösewicht spielte, Videospiele für Schauspieler salonfähig gemacht?

Wlaschiha: Ich denke, dass es zumindest immer mehr dazu wird. "Battlefield 1" hat ja enorme cineastische Qualitäten, was Look, Intensität und Echtheit betrifft – also man kommt sich vor, als würde man selbst mitten in der Schlacht stehen. Und genau wie Fernsehserien haben Games in den letzten zehn, fünfzehn Jahren einen wahnsinnigen Sprung gemacht, was die Komplexität, die Bildqualität und die Charaktertiefe betrifft. Deswegen wird es auch für Schauspieler immer interessanter, da dabei zu sein.

STANDARD: Sind ihnen bei der Produktion und Inszenierung des Spiels "Battlefield 1" und der TV-Serie "Game of Thrones" bestimmte Parallelen beziehungsweise Unterschiede besonders aufgefallen?

Wlaschiha: Ich kann jetzt schwer etwas zu den Parallelen sagen, da ich ja nicht aktiv an der Produktion des Games teilgenommen habe. Was mir aber auffällt ist, dass beide Genres immer beliebter werden, und dass man selbst als Involvierter nicht immer alles erfährt, was passiert. Bei "Game of Thrones" gibt es eine wahnsinnige Geheimhaltungspolitik, und bei "Battlefield 1" ist es nicht viel anders. Von den Szenarien, die es im Singleplayer-Modus gib, kenne ich nur meine. Ich weiß also bis zum Release des Spiels am 21. Oktober nicht, was mich erwartet.

STANDARD: Werden Spieler auch als Lawrence von Arabien spielen können?

Wlaschiha: Nein. Der ist in diesem Fall und in diesem Szenario nur der Erzähler. Man spielt in der Kampagne eine junge Frau namens Zara, aber beide Figuren durchlaufen gemeinsam das Szenario.

battlefield
Gameplay-Trailer zur Kampagne "Nichts steht geschrieben".

STANDARD: Wie war es für Sie, über die Arbeit an einem Spiel durch die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs geführt zu werden?

Wlaschiha: Ich fand den Ersten Weltkrieg als Hintergrundgeschichte für das Spiel sehr interessant, da er gegenüber dem Zweiten Weltkrieg immer ein wenig zu kurz kommt, obwohl er ihm in Brutalität und Aggressivität nichts nachsteht. Es war der erste Krieg der modernen Neuzeit, der mit neuen Strategien und völlig neuartigen Waffen geführt wurde. Das Spiel erhebt natürlich keinen Anspruch auf eine unbedingte, historische Genauigkeit, sondern bedient sich einfach nur der Backstory dessen. Was ich am Spiel gut finde, sind die verschiedenen Szenarien mit den unterschiedlichen Charakteren und Missionen und Schauplätzen. Beim Ersten Weltkrieg denke ich zuerst an Schützengräben, die Schlacht von Verdun und Stellungskrieg – was auch in einem Szenario vorkommt. Aber meine Kampagne spielt komplett in der Wüste, eine andere in den Bergen, das sind halt viele unterschiedliche Schlachtfelder.

STANDARD: Das Spiel führt an verschiedenste Schauplätze. Haben Sie bei dieser fiktiven Reise etwas gelernt oder mitgenommen, das Sie vorher nicht wussten beziehungsweise Sie überrascht hat?

Wlaschiha: Da ich mich sowieso ein wenig für Geschichte interessiere, war mir der Erste Weltkrieg schon geläufig. Aber ich begrüße die komplexe Erzählweise, eben auch für Leute, die sich nicht besonders gut mit dem Ersten Weltkrieg auskennen.

STANDARD: Freuen Sie sich darauf, im Spiel mit sich selbst zu interagieren?

Wlaschiha: Das ist schon ein wenig weird, oder? Ich hatte zwar in den letzten Monaten wenig Zeit Games zu zocken, aber ich werde es mir natürlich nicht entgehen lassen, mit mir selbst zu spielen.

STANDARD: Bisher war es sehr unüblich für Kriegsspiele, auch in die Rolle einer Frau versetzt zu werden. Jetzt gibt es in "Battlefield 1" zumindest eine weibliche Hauptrolle. Was meinen Sie dazu?

Wlaschiha: Ich finde das eigentlich selbstverständlich. Oder es sollte selbstverständlich sein. Frauen waren genauso am Krieg beteiligt und haben dort eine wichtige Rolle gespielt. Und ich finde gut, dass das zumindest teilweise so repräsentiert wird.

ea - electronic arts (deutsch)
Trailer zum Kampagnenmodus.

STANDARD: Würden Sie es begrüßen, würden Kriegsspiele beide Seiten abbilden beziehungsweise beide Blickwinkel zeigen?

Wlaschiha: Klar. Unabhängig von den politischen Streitigkeiten haben immer Menschen in den Kriegen gegeneinander gekämpft. Auf der einen wie auf der anderen Seite. Zum Glück ist man in den letzten Jahren dazu übergegangen – auch im Film – das Ganze differenzierter darzustellen.

STANDARD: In "Game of Thrones" spielen Sie einen Auftragsmörder und beseitigen zahlreiche Charaktere. In "Battlefield 1" töten Sie als Spieler noch weit mehr Widersacher. Welche fiktive Gräueltat macht Ihnen mehr Spaß?

Wlaschiha: Ui (schnauft). Glücklicherweise sieht man überhaupt nichts im Bild, wenn ich als Auftragsmörder töte. Das mache ich alles mit Mind-Power. In "Battlefield" interessieren mich vordergründig die menschlichen Sachen und eher die Strategien und Tricks, wie man im Spiel vorankommt. Das war auch ein Grund, warum mich der Job interessiert hat und wieso ich ihn gerne machen wollte. Weil es eben nicht darum geht, möglichst viele Leute in kürzester Zeit abzuknallen, sondern es sich eher um ein Team- und Taktikspiel handelt.

STANDARD: Letzte Frage für Ihre Fans: Was ist wahrscheinlicher: Dass Sie die nächste Staffel von "Game of Thrones" überleben oder Spieler den Ersten Weltkrieg?

Wlaschiha: Beides ist möglich. Oder sagen wir: Es ist beides nicht unmöglich. (Zsolt Wilhelm, Kevin Recher, 19.10.2016)

  • Tom Wlaschiha wurde 1973 in Dohna, Deutschland, geboren und ist bekannt für seine Rollen in den TV-Serien "Game of Thrones" und "Crossing Lines". Weiters spielte er in internationalen Spielfilmen wie "München" und "Operation Walküre" mit und ist nebenbei Synchronsprecher für Werbungen und Filme.
    foto: ea

    Tom Wlaschiha wurde 1973 in Dohna, Deutschland, geboren und ist bekannt für seine Rollen in den TV-Serien "Game of Thrones" und "Crossing Lines". Weiters spielte er in internationalen Spielfilmen wie "München" und "Operation Walküre" mit und ist nebenbei Synchronsprecher für Werbungen und Filme.

  • Lawrence von Arabien ist eine der zentralen Figuren in "Battlefield 1".
    foto: ea

    Lawrence von Arabien ist eine der zentralen Figuren in "Battlefield 1".

  • Zara, die Heldin der Wüstenkampagne.
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    Zara, die Heldin der Wüstenkampagne.

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