Ungarischer Philosoph György Markus gestorben

6. Oktober 2016, 10:39
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Vertreter der Budapester Schule des marxistischen Philosophen Georg Lukacs

Budapest/Sydney – Der ungarische Philosoph György Markus ist im Alter von 82 Jahren im australischen Sydney gestorben, wie ungarische Medien am Donnerstag unter Berufung auf eine Mitteilung des Budapester Atlantisz-Verlags meldeten. Markus galt als bedeutendster Vertreter der Budapester Schule des marxistischen Philosophen Georg Lukacs (1885-1971).

Er protestierte 1968 gegen die Niederschlagung des "Prager Frühlings" durch Truppen des Warschauer Pakts und 1973 gegen die Maßregelung jüngerer Philosophen durch das kommunistische Regime in Ungarn. Im Anschluss daran verlor er seine Professur in Budapest und erhielt faktisch Berufs- und Publikationsverbot. 1977 emigrierte er nach Australien, wo er an der University of Sydney lehrte. Noch in Ungarn hatte er 1972 im Untergrund zusammen mit György Bence und Janos Kis die bahnbrechende Studie "Wie ist eine kritische Wirtschaftstheorie möglich?" veröffentlicht. Darin unterzogen die drei Lukacs-Schüler den real existierenden Sozialismus einer Kritik auf marxistischer Grundlage.

Im Exil veröffentlichte Markus mit Agnes Heller und Ferenc Feher den Band "Der sowjetische Weg. Bedürfnisdiktatur und entfremdeter Alltag" (dt. 1986). Während sich die meisten Vertreter der Lukacs-Schule wie Heller oder Kis später dem Liberalismus oder wie der 2006 gestorbene Bence dem Konservativismus zuwandten, blieb Markus bis zu seinem Tod einer kritischen marxistischen Philosophie verbunden. (APA, 6. 10. 2016)

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