Irische Datenschutz-Behörde untersucht E-Mail-Ausspähung bei Yahoo

5. Oktober 2016, 19:24
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Irland ist zuständig, weil Yahoo in dem Land seine europäische Zentrale hat.

Nach der Enthüllung über die Ausspähung von Hunderten Millionen E-Mails durch Yahoo werden die Behörden in Europa aktiv. Die irische Datenschutz-Behörde leitete nach eigenen Angaben Untersuchungen in der Sache ein. Sollte es massenhaft Mail-Kontrollen gegeben haben, wäre dies eine Verletzung des Grundrechts auf Privatsphäre, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Irland ist für das Thema in Europa zuständig, weil Yahoo in dem Land seine europäische Zentrale hat.

Insider-Bericht

Reuters hatte am Dienstag unter Berufung auf Insider berichtet, Yahoo habe auf Anweisung von US-Behörden die eingehenden E-Mails aller Kunden gescannt. Der Internet-Pionier habe ein spezielles Programm geschrieben, um die einlaufenden Mails nach bestimmten Formulierungen oder Anhängen zu durchforsten, hatten vier mit der Sache vertraute Personen gesagt. Unklar blieb, welche Daten genau Yahoo an die US-Behörden übergab. Es ist Experten zufolge der erste Fall, in dem ein US-Konzern der Forderung nach einer Überwachung des gesamten Mail-Verkehrs nachgegeben hat.

Yahoo sagte in einer Stellungnahme, dass die Berichte irreführend seien. Ein richtiges Dementi gab es allerdings nicht. Das in den Berichten beschriebene Programm zum Scannen von Mails "existiert in unseren Systemen nicht", teilte der Konzern mit. Der Konzern wollte sich weder dazu äußern, ob er E-Mails seiner Nutzer durchsucht hat noch dazu, ob auch Mails aus Europa betroffen sind.

"Privacy Shield" könnte nochmals auf Tapet gebracht werden

Fabio de Masi, Abgeordneter der Linken im EU-Parlament, forderte, die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini müsse bei den US-Behörden für Klarheit sorgen. Die Datenschutz-Anwältin Ashley Winton von der Wirtschaftskanzlei Paul Hastings sagte, der Fall steigere die Chancen, juristisch gegen das erst in diesem Jahr geschlossene "Privacy Shield"-Abkommen zum Datenaustausch zwischen der EU und den USA vorzugehen. Der Pakt ermöglicht es Firmen, Daten ohne hohen bürokratischen Aufwand in die USA zu übermitteln. Einige Politiker in Europa hatten den Deal kritisiert und erklärt, er biete zu wenig Schutz gegen massenhafte Ausspähungen durch die US-Geheimdienste. (Reuters, 5.9.2016)

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