Raiffeisen-Tochter will 150 Jobs streichen

5. Oktober 2016, 17:59
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Die Service-Gesellschaft des Raiffeisensektors RSC plant, Arbeitsplätze nach Bratislava zu verlagern. Ein Beschluss ist aber noch nicht gefallen

Im Raiffeisen-Sektor ist Sparen angesagt – und selbiges soll nun auch in der sektoreigenen Dienstleistungstochter, der RSC Raiffeissen Service Center GmbH, Platz greifen. Wie DER STANDARD erfuhr, sollen die Arbeitsplätze von rund 150 Mitarbeitern abgebaut werden – insgesamt beträgt der Mitarbeiterstand 665. Die Arbeit soll nach Bratislava verlegt werden, der Mitarbeiterstand der dortigen Tochter würde sich in dem Fall von rund 70 auf 220 erhöhen. Laut Wohlinformierten aus dem Unternehmen gibt es bereits Gespräche für die Ausarbeitung eines Sozialplans.

Die RSC erledigt zum Beispiel den Zahlungsverkehr und die Wertpapierabwicklung der Raiffeisenbanken und -Kassen; zudem kümmert sie sich ums Cash-Management und bietet Logistikservices wie Archivierung an – auch für Kunden außerhalb des Sektors. Die größten Eigentümer der Gesellschaft sind die Raiffeisen Bank International (RBI, 49,9 Prozent) die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien mit 29,7 Prozent und die Raiffeisen Zentralbank (RZB, 16,6 Prozent). Von einer Verlagerung von Backoffice-Tätigkeiten in die Slowakei erwartet man sich Kosteneinsparungen.

Entscheidung verschoben

Einen Beschluss für die seit Wochen auf dem Tisch liegenden Pläne des RSC-Managements unter Christian Nowotny gibt es allerdings noch nicht. "Das heiße Thema ist schon mehrmals aufgeschoben worden", sagt ein Involvierter. Die Eigentümer seien nicht hundertprozentig überzeugt vom Vorhaben der Geschäftsführung. Selbige äußert sich auf Anfrage des STANDARD so: "Interne Überlegungen, zu denen es keine Beschlusslage gibt, können wir nicht kommentieren."

Die RSC hat 2015 rund 46 Millionen Euro Umsatz gemacht (nach 49 Millionen Euro), der operative Gewinn (EGT) betrug rund 161.000 Euro nach rund 432.000 Euro im Jahr davor.

Belegschaft protestiert

Die Belegschaft des Giebelkreuz-Unternehmens ist jedenfalls "befremdet und empört", deponiert ihre Vertretung in einer Resolution, die sie der Geschäftsführung heute, Donnerstag, überreichen will. Der Betriebsrat sei "entschieden gegen die Vernichtung heimischer Arbeitsplätze in der Raiffeisen-Familie", heißt es darin, neben Unternehmenszahlen sehe man "auch wirtschaftliche Risiken und menschliche Schicksale". In einer Auslagerung der RSC-Jobs sähe die Belegschaft einen "massiven Schaden", Raiffeisen würde sich mit einer derartigen Maßnahme "in eine Reihe mit multinationalen Konzernen stellen, die ausschließlich dem Shareholder-Value verfallen sind".

Die Kritiker der geplanten Jobverlagerung beziehen sich auch aufs "Leitbild", das die Raiffeisen-Dienstleisterin auf ihrer Werbsite so beschreibt: "Wir sind uns der Raiffeisen-Prinzipien und der damit verbundenen Verantwortung bewusst." Mit der "Flucht in ein momentanes Billiglohnland samt damit verbundenem Lohndumping" beweise man das Gegenteil, meint die Belegschaft.

Auslagerungen üblich

Bei der Konkurrenz ist die Auslagerung von Backoffice-Aktivitäten längst Realität; die Bank Austria beispielsweise hat entsprechende Aktivitäten schon 2008 nach Polen und Rumänien verlagert. (Renate Graber, 5.10.2016)

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