Grau ist die Farbe der Hoffnung

5. Oktober 2016, 17:18
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Österreich begrüßt am Donnerstag Wales. Superstar Gareth Bale gibt dem Happel-Stadion die Ehre. Teamchef Marcel Koller wird nicht experimentieren, er erwartet ein "enges Spiel"

Wien – Die Dressen sprechen eindeutig für Österreich. Wales muss im Happel-Stadion im grauen Gewand antreten, dem Gastgeber obliegt im Fußball die Kleiderwahl. Und die ÖFB-Auswahl zieht Rot-Weiß-Rot an. Die Waliser präferieren auch Rot, aber zweimal Rot würde den türkischen Schiedsrichter Cüneyt Çakir verwirren.

Chris Coleman, der walisische Teamchef, hasst die graue Wäsche, dreimal getragen, dreimal verloren, zum letzten Mal im Halbfinale der EM gegen den späteren Champion Portugal (0:2). "Niemand will die grauen Shirts. Um ehrlich zu sein, ich wäre glücklich, wenn ich sie nie wieder sehen müsste. Wir wollen immer mit den roten Dressen spielen, wir lieben sie." Coleman sagte das noch in Cardiff, der 46-Jährige hat auf ein Abschlusstraining in Wien verzichtet. Superstar Gareth Bale durfte die Öffentlichkeit scheuen.

Dass er während des Spiels auffällig wird, damit rechnet Österreichs Teamchef Marcel Koller fest, wobei er betonte, dass man den "hervorragenden Gegner" nicht nur auf diesen Mann reduzieren dürfe. "Die sind kompakt, als Kollektiv diszipliniert, sie strahlen Gefahr aus." Das Fehlen von Aaron Ramsey sei kein Nachteil. "Aber sie haben auch ohne ihn 4:0 gegen Moldau gewonnen."

Natürlich verkörpere Bale absolute Weltklasse. Trotzdem werde man keinen Sonderbewacher abstellen, der wäre überfordert und deprimiert. Linksverteidiger Markus Suttner soll der Stress genommen werden. "Wir müssen Bale im Verbund decken."

Koller ist nicht entgangen, dass die Stimmung im Land leicht gekippt, die Nationalmannschaft seit der verpatzten EM keine heilige Kuh mehr ist. Der Schweizer, seit fünf Jahren im Amt, wird kritisiert, er hat sich daran gewöhnt, wobei er die Äußerungen von Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl, der bei Servus TV gesagt hat, man sei im Angriff zu sehr auf Marc Janko ausgerichtet und habe keinen Plan B, nicht nachvollziehen kann. "Man sollte dabei sein, um das zu beurteilen. Ein bisschen Demut tut allen gut." Abgesehen davon würden ihm, Koller, nur folgende Alternativen einfallen. "Soriano, Joelinton, Oberlin, Kayode. Der Nachteil ist: Es sind keine Österreicher." Deni Alar gehöre ohnedies dem Kader an. "Er ist aber kein Allheilmittel."

Glück erwünscht

Koller, dem eine Knieoperation bevorsteht, wird nicht groß experimentieren, setzt auf Kontinuität. David Alaba bleibt, was er im Team ist: Mittelfeldspieler. Wer den verletzten Martin Harnik am rechten Flügel ersetzt, hat Koller natürlich nicht verraten. Marcel "Ich-bin-ein-Mentalitätsmonster" Sabitzer ist ein heißer Tipp, die etwas kühlere Variante wäre Alessandro Schöpf. Wales ist Ranglisten-Zehnter, Österreich die Nummer 26, Koller geht von einem "engen Spiel aus. Kleinigkeiten werden entscheiden. Wir benötigen sicher das Quäntchen Glück."

Julian Baumgartlinger bestreitet sein 50. Länderspiel, das zweite als Kapitän. "Jedes ist etwas Besonderes, da ist das Jubiläum nur eine Randnotiz." Bei seinem neuen Verein Bayer Leverkusen zählt der Kilometerfresser nicht zum Stammpersonal. Natürlich sei das unerfreulich, aber er werde positiv damit umgehen. "Ich bin nach Leverkusen gegangen, um eine Herausforderung zu suchen. Das war genau der Step, den ich machen wollte. Ich werde auf die Chance warten und mich beweisen." Koller muss er rein gar nichts beweisen, Baumgartlinger ist die fleischgewordene Verlässlichkeit. Er pflegt pro Partie zwölf Kilometer zu laufen, da er ausgeruht ist, könnten es gegen Wales theoretisch 25 sein, aber nur theoretisch. Baumgartlinger schätzt "den ehrlichen Fußball der Waliser" und warnte pflichtbewusst davor, sich nur auf Bale zu konzentrieren, "Die haben einen Ashley Williams, einen Joe Allen, einen Andy King. Aber wir sind auch wer."

Österreich hat zwölf Qualifikationsspiele hintereinander nicht verloren, die Bilanz gegen Wales ist positiv (fünf Siege, zwei Niederlagen, ein Remis). 42.000 Tickets wurden bis Mittwochmittag abgesetzt, die Abordnung des Gastes ist umfangreich (4.200). Coleman ("Es wird ein harter Kampf, wir haben Respekt") debütierte am 29. April 1992 in Wien, erzielte den Ausgleich zum 1:1. "Das Leiberl habe ich eingerahmt und meinen Eltern geschenkt." Es war nicht grau. (Christian Hackl, 5.9.2016)

WM-Qualifikation, Gruppe D, 2. Runde, Donnerstag

Österreich – Wales
Ernst-Happel-Stadion, 20.45 Uhr, live ORF 1, SR Cüneyt Cakir (TUR)

Mögliche Aufstellungen:

Österreich: Almer (Austria/32 Länderspiele) – Klein (Stuttgart/41/0 Tore), Dragovic (Leverkusen/50/1), Hinteregger (Augsburg/18/1), Suttner (Ingolstadt/17/0) – Baumgartlinger (Leverkusen/49/1), Alaba (Bayern/50/11) – Sabitzer (Leipzig/22/3), Junuzovic (Bremen/50/7), Arnautovic (Stoke/56/10) – Janko (Basel/57/27)

Ersatz: Lukse (Altach/0), Özcan (Leverkusen/7) – Prödl (Watford/59/4), Stangl (Salzburg/0), Wimmer (Tottenham/4/0), Ilsanker (Leipzig/18/0), Lazaro (Salzburg/4/0), Schaub (Rapid/0), Schöpf (Schalke/8/2), Gregoritsch (HSV/1), Hinterseer (Ingolstadt/11/0), Alar (Sturm/0)

Es fehlt: Harnik (Wadenprobleme)

Wales: Hennessey (Crystal Palace/63) – Gunter (Reading/74/0), Chester (Aston Villa/18/0), B. Davies (Tottenham/26/0), A. Williams (Everton/66/2), Taylor (Swansea/35/1) – Ledley (Crystal Palace/68/4), Allen (Stoke/32/1), King (Leicester/38/2) – Bale (Real Madrid/62/24), Vokes (Burnley/45/8)

Ersatz: A. Davies (Barnsley/0), Fon Williams (Inverness/1) – Collins (West Ham/50/3), Dummett (Newcastle/2), Crofts (Charlton/28), Edwards (Wolverhampton/34/3), Huws (Cardiff/8/1), Lawrence (Ipswich/4/0), MacDonald (Wigan/4/0), Bradshaw (Barnsley/1), Cotterill (Birmingham/23/2), Robson-Kanu (West Bromwich/37/4)

Es fehlen: Ramsey (Muskelverletzung), J. Williams (im Aufbautraining), Richards, Church, Ward (alle verletzt)

  • Markus Suttner (links) ist der direkte Gegenspieler von Bale. Ihm wird von den Kollegen, zum Beispiel von Kapitän Julian Baumgartlinger, natürlich geholfen.
    foto: apa/herbert neubauer

    Markus Suttner (links) ist der direkte Gegenspieler von Bale. Ihm wird von den Kollegen, zum Beispiel von Kapitän Julian Baumgartlinger, natürlich geholfen.

  • Der 27-jährige Gareth Bale ist gekommen, um Österreich zu beschäftigen und drei Punkte mitzunehmen.
    foto: reuters / john sibley livepic

    Der 27-jährige Gareth Bale ist gekommen, um Österreich zu beschäftigen und drei Punkte mitzunehmen.

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