Schlafstörungen: Fang den Schlafräuber

15. Jänner 2017, 15:27
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Willig werden Tag und Nacht den skrupellosesten Schlafräubern die Türen geöffnet. Schlafstörungen nehmen zu, und damit die Folgekrankheiten

Schwieriger. Schlechter. Seichter. Kürzer. Das macht die Flut an Spannungsgebern mit unserer Schlafqualität. Permanenter Leistungsdruck in Arbeit und Freizeit, spannungsförderndes Blaulicht aus dem Handy, dem Fernseher, dem Tablet. Lärm rundum und Informationen aus allen Kanälen, die einander ohne Unterbrechung an Wichtigkeit und Dramatik überbieten.

Das erzeugt (noch) nicht unbedingt (sofort) Schlafstörungen, aber: Laut Gerda Saletu-Zyhlarz, Leiterin des Schlaflabors der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Medizin-Uni Wien, haben zwei Millionen Österreicher solche – ein Drittel sei deswegen in Behandlung. Schlechter zu schlafen scheint sich fast viral zu verbreiten – das hat in den vergangenen Jahren der Schlafforschung zu einem großen Auftritt verholfen. Die meisten psychischen Erkrankungen, sagt Schlafforscherin Saletu-Zyhlarz, gehen mit Schlafstörungen einher, aber auch organische Erkrankungen oder Bewegungsstörungen ("restless legs") spielen mit.

Ein Teufelskreis

Der Kreislauf ist klar: Wem es nicht gutgeht, der schläft schlecht – ist das über einen Zeitraum von vier Wochen drei-, viermal pro Woche so, dann ist Untersuchung angesagt. Aus schlechtem Schlaf wiederum öffnet sich der Teufelskreis der Folgeerkrankungen: Angststörungen, Depressionen, erhöhte Infektionsanfälligkeit, Stoffwechselstörungen – alles kippt aus der Balance.

Dass Überforderung viel mit miesen Nächten zu tun hat, zeigt eine ältere Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin. Ihr zufolge bedeutet "guter Schlaf" für die Österreicher: "Nicht aufwachen müssen". Wie negativ sich ein andauerndes Leben gegen den Biorhythmus, gegen Tag-Nacht-Balance auswirkt, spiegelt der Arbeitsgesundheitsmonitor der oberösterreichischen Arbeiterkammer. 46 Prozent der Beschäftigten im Gastgewerbe klagen über Schlafstörungen.

Es braucht Pausen

Dass offenbar großflächig verlernt wurde, dass Spannung nicht mit Spannung(smaschinen) wie Fernsehen, Ausgehen, Computerspielen abgebaut werden kann, reduziert zusätzlich Tiefschlafphasen, verlangt dem Hirn Aktivität ab, statt dass es sich an der Energiequelle Schlaf labte. Bis Spannung zum Suchtmittel wird. Stresshormone im Gehirn werden kaum mehr abgebaut, dieser anhaltende Zustand schädigt das gesamte System. Erholung ade.

Aber die ist ja schon tagsüber verpönt: Außer einer genormten Mittagspause – die vielleicht gar nicht dem eigenen Rhythmus entspricht – ist in der 24/7-Welt nicht viel drin. Noch ein Energydrink, noch ein Kaffee, noch eine Zigarette, noch einmal richtig tief eintauchen in Angstszenarien, die Jobverlust und Rausfallen aus dem System drohend zum Weitermachen aufbauen. Dabei ist schon so lange belegt: Selbst guter Nachtschlaf reicht nicht zur Regeneration: Um gesund zu bleiben, braucht es tagsüber angemessene Pausen. Und die je nach sogenanntem Chronotyp (individuelles Pausen- und Schlafbedürfnis). Wer mittags Anwesenheitsschlaf (wie Inemuri in Japan) braucht, hat es auf dem Kontinent schwer. Ja. Aber Auszeit muss ja nicht radikal exotisch auf Biegen und Brechen oder nur via Jakobsweg ins Leben gebracht werden.

Kleine Schritte

Es braucht auch nicht unbedingt den modern werdenden "Feel-Good-Manager", den Konzerne jetzt zwecks Gesundheitsbewusstsein der Belegschaft installieren. Kostenfrei zu haben: einmal die Stunde ein bisschen bewegen. Die Gedanken auslassen, in die Luft starren. Vor dem Schlafengehen nicht noch einmal den PC aufdrehen, nicht noch einmal das Handy checken. Triviale Dinge wie Lüften vor dem Zubettgehen finden sich auf allen Tipplisten für guten Schlaf ebenso wie die hinlänglich bekannten "nicht schwer essen", "nicht zu viel Alkohol trinken" und so weiter. Alles bekannt und alles im Bereich der Selbstverantwortung.

Also: eine Liste der Schlafräuber anlegen, auch der schlafraubenden Gedanken, und jenen Dieben die Tür verschließen, die in eigener Reichweite liegt. Was an Schlafentzug den Umständen geschuldet ist – von der Nachtarbeit bis zu den Kids -, lässt sich dann besser sehen. Und vielleicht sogar ändern. (Karin Bauer, 15.1.2017)

  • Laut Schlaflabor der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Medizin-Uni Wien, haben zwei Millionen Österreicher Schlafstörungen.
    foto: istock

    Laut Schlaflabor der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Medizin-Uni Wien, haben zwei Millionen Österreicher Schlafstörungen.

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