Irak warnt Türkei vor regionalem Krieg

5. Oktober 2016, 11:09
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Aufforderung zum Abzug von Soldaten aus dem Norden des Landes

Bagdad/Ankara – Die Spannungen zwischen dem Irak und der Türkei nehmen zu. Der Irak forderte die Türkei am Mittwoch auf, ihre Truppen aus dem Norden des Landes abzuziehen. Andernfalls drohe ein regionaler Krieg, sagte Ministerpräsident Haider al-Abadi im staatlichen Fernsehen. Die beiden Nachbarländer bestellten wegen des Konflikts die Botschafter des jeweils anderen Staates ein. "Wir haben die türkische Seite mehr als einmal aufgerufen, sich nicht in die Belange des Irak einzumischen", sagte Abadi. Das Vorgehen der türkischen Regierung sei nicht akzeptabel. Der Irak wolle keinen Krieg mit dem Nachbarland, die Gefahr sei aber gegeben.

Das türkische Parlament hatte in der vergangenen Woche beschlossen, den Militäreinsatz gegen Extremisten im Irak und Syrien um ein Jahr zu verlängern. Das irakische Parlament verurteilte dies am Dienstagabend und rief die Türkei auf, die 2.000 Soldaten zurückzuholen.

Bagdad spricht von "Besatzern"

Der Türkei zufolge ist die Stationierung von Militär im Nordirak Teil der internationalen Mission, irakische Kräfte im Kampf gegen die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zu unterstützen. Die irakische Regierung hält dem entgegen, sie habe nie darum gebeten und betrachte die Soldaten als Besatzer. Als solche wolle die Türkei nicht gesehen werden, entgegnete der stellvertretende Ministerpräsident Numan Kurtulmus.

Die Spannungen zwischen den beiden Ländern waren wieder zutage getreten als die irakische Führung noch für dieses Jahr die Offensive zur Rückeroberung der Metropole Mossul vom IS in Aussicht gestellt hat. Der türkische Regierungschef, Binali Yilderim, bezeichnete das Vorhaben der von den USA angeführten Koalition als nicht transparent und warnte vor ethnischen sowie religiösen Konflikten in Mossul. Zudem fürchtet die Türkei, dass die Menschen wegen der Kampfhandlungen über ihre Grenzen flüchten könnten. Über die Türkei könnten die Flüchtlinge auch nach Europa gelangen. (Reuters, 5.10.2016)

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