Was vom TV-Duell der US-Vizekandidaten bleibt

5. Oktober 2016, 13:41
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Verbale Angriffe, blasse Bewerber: fünf Höhepunkte der Debatte der "Running Mates" von Hillary Clinton und Donald Trump

In Farmville im US-Bundesstaat Virginia wohnen knapp 8.000 Menschen. Am Dienstagabend stand die Kleinstadt im Osten der USA im Fokus der medialen Aufmerksamkeit, denn an der dortigen Longwood University trafen die Vizepräsidentschaftskandidaten in einer TV-Debatte aufeinander. Farmville wurde wegen seiner Rolle im Amerikanischen Bürgerkrieg als Veranstaltungsort gewählt. Entscheidende Episoden bei der Beendigung des Krieges fanden in und um Farmville statt.

Der Demokrat Tim Kaine, Senator aus Virginia, und der Republikaner Mike Pence, Gouverneur von Indiana, trafen das erste und einzige Mal in diesem Wahlkampf vor Fernsehkameras aufeinander. Es folgen die wichtigsten Punkte der 90-minütigen Debatte.

1. Angriff ist nicht die beste Verteidigung

Tim Kaine, der Mann hinter Hillary Clinton, versuchte so oft wie möglich seinen Widersacher Mike Pence mit Aussagen von Donald Trump zu konfrontieren. Der Plan war, Pence in eine Verteidigungsposition zu bringen. Pence aber ging kaum inhaltlich auf die Angriffe ein und reagierte ruhig und gelassen. Eine Eigenschaft, die er wohl aus seiner früheren Tätigkeit als Radioshow-Gastgeber mitbringt, in der er oft verärgerte Hörer auf Sendung hatte. Allerdings könnte seine Ruhe jemand anderen verärgert haben: Donald Trump selbst. CNN zitiert einen hochrangigen Wahlkampfmanager, wonach es beim Boss nicht gut ankomme, wenn dessen Aussagen nicht verteidigt werden. Öffentlich gratulierte Trump Pence via Twitter.

2. Außenpolitische Unterschiede bei den Republikanern

Pence widersprach einigen außenpolitischen Aussagen Trumps. Oder: Er sagte, Trump habe Dinge nie gesagt, die er sehr wohl gesagt hat. Ein Beispiel: Pence nennt den russischen Präsidenten einen kleinen und schikanösen Führer und sagt, Trump habe Wladimir Putin nie gelobt. Das Gegenteil ist der Fall. Trump hat den russischen Präsidenten als großartigen Anführer und besser als US-Präsident Barack Obama bezeichnet. Pence habe bei der Debatte einen Trump verteidigt, den es nicht gibt, schreibt die Nachrichtenwebsite 538.com. Und zwar einen Trump, der hart gegenüber Russland sei, einen, der einen eindeutigen Standpunkt zum Thema Abtreibungen hat. Von der Moderatorin auf die Widersprüche angesprochen, sagte Pence, Trump sei eben ein schillernder Kandidat und sage deshalb manchmal Dinge, die er nicht so meint. Hillary Clinton ließ via Twitter wissen, dass sie froh sei, mit Kaine einer Meinung zu sein.

3. Die Vizepräsidentschaftskandidaten selbst bleiben unscheinbar

Es ist im US-Wahlkampf zwar üblich, dass die Vizepräsidentschaftskandidaten ihr Licht unter den Scheffel der eigenen Kandidaten stellen. Diesmal allerdings bleiben die Positionen der "Running Mates" völlig außen vor. Deren wechselnde Positionen zum Handelsabkommen Trans-Pacific Partnership (TPP) wurden nicht thematisiert. Kaine und Pence hatten das Abkommen zuerst befürwortet und waren von dieser Linie abgegangen, um nicht in einen Widerspruch zu Clinton oder Trump zu geraten, die beide das Handelsabkommen ablehnen.

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Highlights aus der Debatte über Terrorismus und den "Islamischen Staat".

4. Es gab auch gute Momente

Trotz der heftigen Auseinandersetzung schafften die beiden Kandidaten auch substanzielle Diskussionen über Polizeigewalt, das Iran-Abkommen und Einwanderung. Die Debatte blieb zwar scharf, Pence und Kaine vertraten unterschiedliche, aber wohlargumentierte Positionen. So hatten die Zuseher die Chance, sich über die Unterschiede zwischen der Positionen von Clinton und Trump ein Bild zu machen.

5. Gleichgewicht des Schreckens

Sowohl Tim Kaine als auch Mike Pence sind erfahrene Politiker. Im Gegensatz zur Debatte zwischen Clinton und Trump standen sich hier zwei debattenerfahrene Personen gegenüber. Das führte aber auch dazu, dass es keinen klaren Gewinner oder Verlierer gab. Die mediale Aufmerksamkeit wird bald wieder den beiden Spitzenkandidaten gelten. Deren nächste TV-Debatte steht am kommenden Sonntag an. (mka, 5.10.2016)

  • Mike Pence will Vizepräsident von Donald Trump werden.
    foto: afp photo / saul loeb

    Mike Pence will Vizepräsident von Donald Trump werden.

  • Tim Kaine ist Senator aus Virginia und steht auf dem Wahlzettel von Hillary Clinton.
    foto: afp photo / jewel samad

    Tim Kaine ist Senator aus Virginia und steht auf dem Wahlzettel von Hillary Clinton.

  • pbs newshour

    Die Debatte von Dienstagabend in voller Länge.

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