Remake oder nicht? Neuverfilmungen

10. Oktober 2016, 14:58
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Remake zur Unterhaltung oder lieber gleich die uneinholbare Klasse des Originals

foto: ap / sony pictures / sam emerson

Pro
von Peter Illetschko

Heldengeschichten will man auch 2016 im Kino sehen, da kann der Western noch so oft für tot erklärt werden. Und warum nicht einen in seiner Zeit erfolgreichen Film wie "Die glorreichen Sieben" (1960) nach immerhin 56 Jahren neu erzählen? Damals waren ja nur die Bösen unrasiert (Eli Wallach), und die Helden hatten selbst nach 123 Filmminuten Kampf um ein mexikanisches Dorf noch blütenweiße Hemden. Das ist heute sicher nicht so – auch der neue Chefheld Denzel Washington darf sich räudig geben.

Filmisch wird die Angelegenheit sicher konventionell sein, weit weg von einem weniger klischeehaften Bild des Wilden Westens. Aber im Kino darf man sich auch einmal das vom Alltag angestrengte Gehirn durchblasen lassen wie von einem Sturm im Monument Valley .

Das ist vielleicht nicht ganz so künstlerisch hochwertig, aber möglicherweise auch ehrlicher als der penetrante Ego-Inszenierungsstil Quentin Tarantinos ("Django Unchained"), der übrigens wider Erwarten keine Fortsetzung des Films mit Reinhold Mitterlehner in der Titelrolle plant.

Kontra
von Michael Möseneder

Vorab muss natürlich etwas klargestellt werden: Früher war alles besser. Schon Wolfgang Ambros wusste schließlich, dass die Jugend kein Ideal und keinen Sinn für wahre Werte hat.

Okay, man kann argumentieren, dass in diese Richtung schon seit Anbeginn der Menschheit gesudert wird – aber bei Filmen stimmt die Vergangenheitsverklärung absolut!

Wenn die Zeit ihre Kunst haben soll – könnte sie dann freundlicherweise auch kreativ sein? "Die glorreichen Sieben" waren zwar auch nur eine Adaption der "Sieben Samurai". Aber was für eine! Yul Brynner! Steve McQueen! Eli Wallach! James Coburn! Zulässig ist einzig, mit dem Mythos des Originals zu spielen. Wie bei "Django Unchained", als der Protagonist dem Original-Django Franco Nero erklärt, wie der Name ausgesprochen wird.

Es gibt Dinge, die man nicht verbessern kann. Und ziemlich viele sogenannte Kultfilme gehören dazu. Sonst könnte man gleich ein "Casablanca"-Remake mit Christian Kern drehen. Und das will wohl nicht einmal er selbst. (RONDO, 7.10.2016)

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