Forschung für maßgeschneiderte Medizin

9. Oktober 2016, 10:20
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Wiener Wissenschaftsfonds fördert Projekte im Bereich Präzisionsmedizin – Schwerpunkt liegt auf Krebstherapie

Wien – Um die Forschung zu Präzisionsmedizin voranzutreiben, fördert der "Life Sciences Call 2016" des Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) der Stadt Wien Projekte in diesem Bereich heuer mit knapp fünf Millionen Euro. "Präzisionsmedizin ist ein unausweichliches Thema", sagte Michael Stampfer, Geschäftsführer des WWTF, vergangene Woche bei der Präsentation der fünf geförderten Projekte. Es geht dabei um spezielle Verfahren zur Entwicklung von Medikamenten, die eine personalisierte Behandlung möglich machen sollen. Die Wirkstoffe werden dabei auf molekularer Ebene direkt an den Zellen der Patienten getestet.

Alle fünf geförderten Forschungsgruppen stehen in enger Verbindung zur Med-Uni Wien (MUW). "Das ist ein klares Zeichen für die Expertise, die hier aufgebaut wurde", sagte Michaela Fritz, MUW-Vizerektorin. Geplant sei ein eigenes Zentrum für Präzisionsmedizin, das ab 2018, finanziert durch private Spender, auf dem Campus gebaut werden soll.

904.000 Euro des Calls gingen an "Pharmascopy", ein Projekt von Giulio Superti-Furga vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM) und Ulrich Jäger, einem Hämatologen an der MUW. "Wir schauen durch das Mikroskop, um die Wirkung von Medikamenten festzustellen", sagte Superti-Furga. Im Fokus des Projekts steht Leukämie. Die zu untersuchenden Zellen werden auf mikroskopisch kleine Platten aufgetragen, die zuvor mit den jeweiligen Wirkstoffen präpariert wurden. Die Mediziner beobachten, bei welchem der Wirkstoffe tatsächlich nur die schadhaften Zellen angegriffen werden. Bevor der Patient ein Medikament verschrieben bekommt, wird also an seiner Blutprobe getestet, welche Behandlung am vielversprechendsten ist.

"Die Einteilung der Krankheiten fragmentiert sich immer mehr, es gibt quasi nur noch seltene Krankheiten", hebt Jäger die Notwendigkeit von Präzisionsmedizin hervor. Obwohl man durch die Analyse von Blut- und Knochenmarksproben von Krebspatienten inzwischen sehr viel Wissen angehäuft habe, würden nach wie vor circa 70 Prozent nicht auf die verschriebenen Standardmedikamente ansprechen.

Tumor und Immunsystem

Das Projekt von Maria Sibilia und Martin Filipits vom Institut für Krebsforschung der MUW und Zlatko Trajanoski, einem Bioinformatiker an der Med-Uni Innsbruck, beschäftigt sich ebenso mit den Ursachen für Misserfolg bei der Immuntherapie für Krebspatienten. Mit dem Schwerpunkt auf Darmkrebs wollen sie die komplexe Interaktion zwischen Tumorzellen und Immunsystem untersuchen. So könnten Resistenzen gegen die Immuntherapie vorausgesagt werden. Ihr Projekt erhält 999.500 Euro.

Kaan Botzug und Loïc Dupré vom Ludwig Boltzmann Institute for Rare and Undiagnosed Diseases und Jörg Menche vom CeMM untersuchen in "PrecisePID" die molekulare Entstehung seltener Immundefekterkrankungen. Sie analysieren dabei Immunsystemerkrankungen, die durch einen einzigen Gendefekt bedingt sind, und wollen neue Angriffspunkte für die Behandlung aufzeigen. PrecisePID wird mit 923.200 Euro gefördert.

Zielgerichtete Krebstherapien zu entwickeln ist auch das Ziel von Anna Obenauf vom Forschungsinstitut für molekulare Pathologie (IMP) und Thomas Wiesner (MUW). Ihr Forschungsvorhaben, mit 972.100 Euro dotiert, untersucht seltene Hauttumoren und die Frage, wie die Veränderung in den Tumorzellen genau verläuft.

Das einzige der fünf Projekte, das nicht an der Onkologie angesiedelt ist, studiert die Komplikationen bei Nierentransplantationen. "Spendernieren halten durchschnittlich nur zehn Jahre, und es ist unklar, warum", sagte Rainer Oberbauer, Nephrologe an der MUW, und bezeichnet damit die Kernfrage des Projekts, das er gemeinsam mit Christoph Binder (CeMM/MUW) und Stephan Pabinger vom Austrian Institute of Technology durchführt.

Es wird mit 879.500 Euro gefördert und will helfen, Transplantationen maßgeschneidert zu gestalten, also die Übereinstimmung von Spender und Empfänger besser vorauszusagen. (grill, 9.10.2016)

  • Lichtmikroskopische Aufnahmen verschiedener Krebszellen.
    foto: picturedesk / science photo library / kedersha

    Lichtmikroskopische Aufnahmen verschiedener Krebszellen.

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