Hintergrund der drei Physikpreisträger

4. Oktober 2016, 17:01
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Kurzporträts von David James Thouless, Duncan Haldane und Michael Kosterlitz

foto: trinity hall, university of cambridge
David James Thouless

London – An der Universität von Birmingham ist David James Thouless noch heute ein gern gesehener Gast. Dort gelang ihm in Zusammenarbeit mit Michael Kosterlitz in den 1970er Jahren seine bedeutendste Entdeckung auf dem Feld der Quantenphysik, für die der 82-Jährige nun den Nobelpreis bekommt.

Der jetzige Leiter des Instituts für Physik in Birmingham, Andy Schofield, beschreibt Thouless als ruhigen, zurückhaltenden Gentleman. "Insgeheim dachte ich seit langem, dass er den Nobelpreis verdient hat." Thouless sei ein Genie, das seiner Zeit weit voraus gewesen war.

Thouless wurde 1934 in Bearsden (Schottland) geboren. Seine Hochschulreife machte er am renommierten Internat Winchester College in Südengland. Danach studierte er an der Universität Cambridge. Seinen Doktortitel erhielt er 1958 an der Cornell University im US-Bundesstaat New York. Doktorvater war der deutsch-amerikanische Physik-Nobelpreisträger Hans Bethe.

Seit 1980 lehrt Thouless als Professor an der Universität von Seattle im nordwestlichen US-Bundesstaat Washington, inzwischen als Emeritus. Der Nobelpreis ist für den 82-Jährigen nur die Krönung einer Reihe von Preisen und Auszeichnungen. Er erhielt unter anderem den Wolf-Preis für Physik im Jahr 1990 und zehn Jahre später den Lars-Onsager-Preis. Thouless ist Mitglied der renommierten Akademie der Wissenschaften der USA und der Royal Society.

foto: reuters/dominic reuter
Duncan Haldane

Als ihn die Nachricht von seiner Ehrung durch das Nobelpreis-Komitee erreichte, gab sich Duncan Haldane gelassen. "Ich bin ein Brite oder phlegmatisch, was solche Sachen angeht, deshalb falle ich nicht in Ohnmacht oder so etwas", zitiert die Schwedische Akademie den 65-Jährigen auf Twitter.

Dennoch meinte er nach der Preisverkündung in Stockholm, zugeschalten per Telefon, er sei "sehr, sehr überrascht und sehr dankbar". Es sei wie bei vielen Entdeckungen gewesen: "Du stolperst über sie und musst einfach begreifen, dass du dort etwas sehr Interessantes gefunden hast", sagte Haldane.

Geboren wurde Frederick Duncan Michael Haldane 1951 in London. Nach seinem Studium in Cambridge und Oxford ging er in die USA, zunächst nach Kalifornien. Dort arbeitete er unter anderem an der University of Southern California, der University of California in San Diego sowie einige Jahre in der Forschungsabteilung eines Unternehmens. Seit 1990 ist er Professor an der renommierten Princeton University im US-Bundesstaat New Jersey.

Haldane hat bereits zahlreiche Ehrungen bekommen, unter anderem den Oliver E. Buckley-Preis. Über seine Forschungen hält er auf der ganzen Welt Vorträge. Die Princeton University gratulierte Haldane bereits per Kurznachrichtendienst Twitter zum Gewinn des Nobelpreises.

foto: ap/roni rekomaa/lehtikuva
Michael Kosterlitz

Die überraschende Nachricht erreichte Michael Kosterlitz an einem ungewöhnlichen Ort. "Ich sitze gerade in einem Parkhaus in Helsinki", sagte er dem schwedischen Radio am Dienstag. Der Forscher hält sich für ein zweimonatiges Sabbatical in Finnland auf. Mit dem Nobelpreis hatte der Sohn deutsch-jüdischer Emigranten, der 1942 im schottischen Aberdeen zur Welt kam, nicht mehr gerechnet.

Die zugrundeliegende Arbeit liege ja bereits lange zurück. "Ich war zwar einige Male nominiert. Aber heute war ich dann mehr als nur etwas überrascht", sagte er. Die Auszeichnung werde er mit Freunden und ein paar finnischen Bieren feiern.

Sein Sohn Jonathan Kosterlitz beschreibt den Physiker als sehr schüchternen, zurückhaltenden Menschen. "Aber mein Vater hat das Scheinwerferlicht jetzt verdient wie kein anderer. Ich bin absolut stolz auf ihn", sagte er der Deutschen Presse-Agentur am Telefon.

Kosterlitz arbeitet seit 1982 als Professor an der renommierten Brown University in Providence (US-Staat Rhode Island). Nach dem Studium in Cambridge und der Promotion in Hochenergie-Physik 1969 an der Oxford University forschte er unter anderem in Turin, Princeton, an den Bell Laboratories und in Harvard. Im Jahr 2000 hatte er bereits den Lars-Onsager-Preis der American Physical Society bekommen. (APA, 4. 10. 2016)

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