Bevorzugte Siedlungsform von Mikroben hängt von Wasserströmung ab

8. Oktober 2016, 10:10
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Turbulentes Wasser führt zu Mikroben-Biofilmen, schwache Strömung zu Anhäufungen

Wien – Je nachdem, wie turbulent es in ihrer Umgebung zugeht, entscheiden sich im Wasser lebende Mikroorganismen für unterschiedliche Siedlungsformen. Wie nun ein österreichisch-schweizerisches Forscherteam herausfand, sind die Mikroben in ruhigen Gewässern eher Einsiedler, während sie bei reißerischen Strömung Biofilme bilden und sich bei moderater Umwälzung zusammenballen.

Jahrzehntelang habe man angenommen, dass das mikrobielle Leben im Wasser vorwiegend aus frei schwebenden Zellen besteht, erklärte Tom Battin von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Lausanne. Allmählich entdecke man aber, dass sie auch in engeren Gemeinschaften wie Biofilmen und kompakten Anhäufungen zusammenwohnen.

Bis jetzt war unklar, was die Mikroben zu diesem oder jenem Lebensstil veranlasst, so Robert Niederdorfer, der am Department für Limnologie und Bio-Ozeanographie der Universität Wien und in Lausanne forscht. Er hat von einem bewegten Oberlauf (dem Oberen Seebach bei Lunz am See in NÖ) und dem weit flussabwärts davon gelegenen, ruhigen Augebiet der Donau in der Lobau jeweils Wassermikroben eingesammelt und im Labor unterschiedlichen Strömungsbedingungen ausgesetzt.

Flexible Mikroben

In einer Tonne, die sich gleichförmig gedreht hat und damit milde Wasserbewegungen simulierte, formten die Mikroben Aggregate, und zwar unabhängig davon, ob sie aus bewegten oder ruhigen Wassern stammten, berichtete der Forscher im Fachjournal "Nature Microbiology". Imitierte er im Labor aber alpine Flüsse, wo das Wasser ständig über Abhänge sprudelt, bildeten sie Biofilm-Gemeinschaften.

Auch die Artenzusammensetzung passte sich stets an die Strömungs-Umgebung an, fanden die Wissenschafter heraus. Aus dem gleichen Ausgangsmaterial (etwa vom Oberlauf) bildeten sich je nach den hydraulischen Verhältnissen im Laborgewässer nämlich ganz andere Bakteriengemeinschaften.

Mit diesem Wissen könne man die "Ökosystem-Gesundheit" von Gewässern verbessern, meinte Battin. Denn je unterschiedlicher man die Strömungsverhältnisse in Bächen und Flüssen gestaltet, desto größer wird Zahl und Vielfalt der Lebewesen dort werden. (APA, red, 4.10.2016)

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