Zündstoff: Craft-Wine

Kolumne26. Oktober 2016, 13:04
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Der Wein macht dem Bier Konkurrenz und nennt sich neuerdings Craft-Wine

Nach Orange und Natural Wines dürfen wir uns nun über eine neue Bezeichnung freuen: Craft-Wines. War auch höchst an der Zeit – taugten doch die alten Begriffe kaum mehr für handfeste Grabenkämpfe. Selbst hartnäckige Reaktionäre fanden sich allmählich mit der Existenz maischevergorener Weine ab. Aber Craft-Wines könnten womöglich wieder für neuen Zündstoff sorgen.

Bisher kannte man den Begriff aus der Bier- und Spiritszene: Abseits von den marktbeherrschenden Großkonzernen etablierten sich kleine, unabhängige Produzenten, die auf traditionelles Handwerk und hohe Qualität setzen. Beim Wein ist der Begriff schlicht überflüssig – sind doch die meisten Weingüter Familienbetriebe, die ohnehin handwerklich arbeiten.

Wie genau sich Craft-Wines von allen anderen Weinen unterscheiden sollen, ist nicht zu durchschauen. Da wird gerne von Authentizität, Nachhaltigkeit, Natur, Bio oder Regionalität gefaselt. So genau will man sich da nicht festlegen.

Wie, bitte schön, geht denn eigent-lich nichtregional produzierter Wein? Selbst Landwein muss bei uns von Trauben aus der jeweiligen Region kommen.

Alle anderen Attribute fallen ohnehin in die Kategorie sinnbefreite Sozialromantik, die suggeriert, Winzer mit mehr als einem halben Hektar Rebfläche bedienten sich hochindustrieller Produktionsmethoden. (Christina Fieber, RONDO, 26.10.2016)

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